Lizentiatsarbeit, 2008
34 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Die Bedeutung des Bildungssystems für das Elitenprofil einer Gesellschaft
2.2 Die Nichtexistenz deutscher Elitebildungseinrichtungen
2.3. Die Debatte um Spitzenuniversitäten als Schauplatz des gesellschaftlichen Elitediskurses
2.4 Die historische Entwicklung des Elitendiskurses seit 1945 – Von der Bildungselite über die Massenuniversität bis zu den Spitzenuniversitäten
2.4.1 Die Problematik des Elitenbegriffes in der Nachkriegszeit
2.4.2 Die Tabuisierung des Elitenbegriffes infolge von Bildungsexpansion und Studentenrevolution
2.4.3 Renaissance des Elitendiskurses in der Berliner Republik
2.5. Die Exzelleninitiative von Bund und Ländern
2.5.1. Hochschulpolitischer Hintergrund – „Unterfinanzierte Massenuniversitäten“ und „katastrophale Studienbedingungen“
2.5.2. Orientierung an angloamerikanischen und britischen Vorbildern
2.5.3. Das Förderungsverfahren
2.5.2. Hochschulpolitische Kritik and der Exzellenzinitiative
2.5.2.1. Dominanz des Mathäusprinzips
2.5.2.2. Benachteiligung der Geistes- und Sozialwissenschaften
2.5.2.3. Aufkommen einer akademische Zwei-Klassen-Gesellschaft und Verschärfung der sozialen Selektivität
2.5.2.4. Verfehlte Investitionspolitik
2.6. Die Exzellenzinitiative - Ein Schritt zu deutschen Eliteuniversitäten?
2.6.1. Annäherung deutscher Spitzenhochschulen an angloamerikanische und britische Eliteinstitutionen
2.6.2. Hierarchisierung der Arbeitsmarktchancen
2.6.3. Steigerung der Homogenität und Stärkung der Kohäsion deutscher Eliten
2.6.4. Persönlichkeitsbezogene Zulassungskriterien – Abkehr von meritokratischen Maßstäben und Einfallstor für eine neue Werteelite?
3. Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Exzellenzinitiative auf die deutsche Elitenstruktur. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob die staatliche Förderung von Spitzenuniversitäten die Entstehung deutscher Eliteeinrichtungen begünstigt und welche Folgen dies für die soziale Selektivität und das meritokratische Prinzip im deutschen Bildungssystem hat.
2.4.2 Die Tabuisierung des Elitenbegriffes infolge von Bildungsexpansion und Studentenrevolution
In den 1960ziger Jahren waren die Universitäten zum letzten Refugium der bürgerlichen Bildungselite geworden. Die Idee einer Elite mit klassischer Bildung basierte auf Platos Vorstellung der Philosophenherrscher in dessen Hauptwerk Politeia, und sollte eine Art „Adel des Geistes“ darstellen. Sie war Ausfluss des Credos des Bürgertums, das im 18. und 19. Jahrhundert um politischen Einfluss gekämpft hatte, und stellte eine Art der Wertelite dar. Als eine solche gründete die Bildungselite ihren Anspruch auf eine herausgehobene gesellschaftliche Stellung auf die besonderen geistigen Fähigkeiten und die charakterlichen Vorzüge ihrer Vertreter, und berief sich auf die Ausstrahlung und Vorbildwirkung, die deren Verhalten als Orientierungsmaßstab und als Bestätigung anerkannter Wertemuster für andere Mitglieder der Gesellschaft hatte.
Europaweit studierten bis dato lediglich zwei Prozent eines Jahrganges an den Universitäten, die aufgrund ihrer hohen sozialen Selektivität eine wichtige Instanz der Auslese für die nationalen Eliten waren. Ein Grund für die unter zwei Prozent liegende Studierquote in Deutschland waren aber auch nationalsozialistische Zugangsbeschränkungen gewesen.
In den sechziger Jahren entfaltete sich dann aber eine Entwicklung, welche sich schon im vorangegangenen Jahrzehnt angedeutet hatte, und gewann rasant an Bedeutung und Dynamik. Es handelte sich um die sogenannte Bildungsexpansion, die sowohl die Hochschulen, als auch das allgemeine Schulwesen erfasste. Im Jahre 1964 klagte der Philosoph, Theologe und Pädagoge Georg Picht auf der Basis einer OECD-Studie über die europäischen Bildungssysteme über die „Deutsche Bildungs-katastrophe“. Er betonte, dass soziale Gerechtigkeit in einer modernen Leistungsgesellschaft nur die gerechte Verteilung von Bildungschancen bedeuten könne, da von den Bildungschancen die Verteilung des Einkommens und der soziale Aufstieg abhängen. Im darauffolgenden Jahr wies dann der Soziologe Ralf Dahrendorf auf den engen Zusammenhang zwischen der sozialen Schichtung von Bildungschancen und der Zusammensetzung der deutschen Eliten hin, wobei er „Bildung als Bürgerrecht“ forderte.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Renaissance des Elitebegriffs durch die Exzellenzinitiative und definiert die forschungsleitende Frage nach deren Auswirkungen auf die deutsche Elitenstruktur.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die Bedeutung des Bildungssystems für Elitenprofile, die historische Entwicklung des Elitendiskurses in Deutschland sowie die Hintergründe und Kritikpunkte der Exzellenzinitiative.
3. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und prognostiziert eine zunehmende soziale Selektivität sowie eine Annäherung an angelsächsische Elite-Modelle bei gleichzeitigem Fortbestehen der Unterschiede in den Bildungssystemen.
Exzellenzinitiative, Eliten, Bildungssystem, Spitzenuniversitäten, Bildungsexpansion, soziale Selektivität, Meritokratie, Elitebegriff, Hochschulpolitik, Elitebildung, Arbeitsmarktchancen, Matthäus-Prinzip, Werteelite, Kohäsion, Wissenschaftsstandort
Die Arbeit untersucht die soziologischen und bildungspolitischen Auswirkungen der Exzellenzinitiative der deutschen Bundesregierung auf die Struktur der bundesdeutschen Eliten.
Im Fokus stehen die historische Einordnung des Elitendiskurses, die Analyse der Förderstrukturen der Exzellenzinitiative sowie ein Vergleich mit internationalen Elite-Modellen wie der Ivy League.
Das Ziel ist es, zu klären, ob durch die Förderung von universitären „Leistungsspitzen“ eine dauerhafte Etablierung deutscher Eliteuniversitäten stattfindet und welche Konsequenzen dies für die Chancengleichheit hat.
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf soziologischen Elitentheorien, historischen Diskursanalysen und der Auswertung bildungspolitischer Studien und Statistiken basiert.
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung des Elitenbegriffs, die hochschulpolitische Kritik an der Exzellenzinitiative (u.a. Benachteiligung der Geisteswissenschaften) und die Prognose künftiger Auswirkungen auf das Bildungssystem.
Kernbegriffe sind Exzellenzinitiative, soziale Selektivität, Elitebildung, Bildungsexpansion und Meritokratie.
Der Autor argumentiert, dass die Initiative bereits etablierte, finanziell starke Universitäten weiter fördert, wodurch bestehende Qualitätsunterschiede zementiert und verstärkt werden.
Es wird kritisiert, dass solche Kriterien den subjektiven Spielraum erhöhen und Bewerber mit einem spezifischen bürgerlichen Habitus bevorzugen, was eine Abkehr vom rein meritokratischen Leistungsprinzip bedeuten könnte.
Die Arbeit prognostiziert eine dauerhafte Spaltung in Forschungs- und Ausbildungsuniversitäten, die eine Hierarchisierung der Arbeitsmarktchancen nach sich zieht.
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