Bachelorarbeit, 2017
47 Seiten, Note: 2,2
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen der sportwissenschaftlichen Talentforschung
3. Talentsuche, Talentauswahl, Talentförderung - Die Instanzen der Nachwuchsförderung
3.1 Talentsuche
3.2 Talentauswahl
3.3 Talentförderung
4. Prädikatoren eines sportlichen Talents
4.1 Juvenile Auffälligkeit der Wettkampfleistung und Leistungsvoraussetzungen
4.2 Entwicklungstempo der Leistungsmerkmale und Wettkampfleistung
4.3 Utilisation der Leistungsmerkmale
4.4 Psychophysische Belastbarkeit
5. Besonderheiten von Talent in Spielsportarten
5.1 Komplexer Anforderungscharakter von Sportspielen als Herausforderung für die Talentforschung
5.2 Definition eines Talents für Sportspiele und Bedeutung spezifischer Anforderungsprofile
6. Merkmale eines Fußballtalents
6.1 Anforderungsprofil eines Fußballers
6.2 Bedeutung der allgemeinen Talentprädikatoren für die fußballspezifische Nachwuchsförderung
7. Ziele und Strukturen der Nachwuchsförderung im deutschen Fußball
8. DFB-Stützpunktprogramm
8.1 Evolution des DFB-Stützpunkttrainings
8.2 Talentdiagnose und -prognose im Rahmen des DFB-Stützpunkttrainings
8.2.1 Technomotorische Leistungsdiagnostik
8.2.2 Aussagekraft der technomotorischen Leistungsdiagnostik auf die zukünftige Leistungsfähigkeit
9. Probleme und Herausforderungen der Nachwuchsförderung im Fußball
9.1 Allgemeine Herausforderungen der fußballspezifischen Talentforschung
9.2 Der Relative Age Effect als Phänomen im deutschen Nachwuchsfußball
10. Fazit
Diese Arbeit analysiert den aktuellen Kenntnisstand der sportwissenschaftlichen Talentforschung mit besonderem Fokus auf den deutschen Nachwuchsfußball. Ziel ist es, die Herausforderungen bei der Diagnose und Prognose von Talenten zu identifizieren, ein Anforderungsprofil für Fußballtalente zu definieren und die Effektivität der bestehenden DFB-Stützpunktförderung unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Gütekriterien kritisch zu beleuchten.
8.2.1 Technomotorische Leistungsdiagnostik
Die motorische Leistungsfähigkeit scheint der am einfachsten messbare Faktor, der für den Fußball relevanten Variablen zu sein. Um dem konditionellen, koordinativen und technischen Leistungsniveau von Nachwuchsfußballern einer objektiven Bewertung zu unterziehen, besteht im Rahmen der DFB-Talentförderung die technomotorische (Talent-) Leistungsdiagnostik, welche auch als Köln-Bochumer-Fußballtest bezeichnet wird. Sie ist als indirekte Leistungskontrolle zu verstehen. Einzelne relevante Leistungsmerkmale werden in spezifischen Situationen durch besondere Aufgabenstellungen erhoben (vgl. Grosser & Neumaier, 1988, S. 20)
Die Leistungsdiagnostik der Stützpunkte wurde 2004 mit dem Start der ersten Phase der wissenschaftlichen Begleitung der DFB-Talentförderung durch die Deutsche Sporthochschule Köln erarbeitet. Seit diesem Zeitpunkt wird eine Testbatterie, bestehend aus sechs Einzeltests, zur Abbildung des aktuellen Leistungsniveaus mit den Talenten aller Stützpunkte in halbjährlichen Intervallen durchgeführt. Die Testverfahren werden bis heute, bis auf punktuelle Änderungen, in derselben Form eingesetzt, damit langfristige und aussagekräftige Ergebnisse erzielt werden. Schwerpunktmäßig wird dabei auf die Facetten Technik und Schnelligkeit geachtet.
Mit Beginn der zweiten und noch andauernden Phase der wissenschaftlichen Begleitung wurde die Prüfung und Kontrolle der Leistungsdiagnostik im Jahr 2008 von den sportwissenschaftlichen Instituten der Universitäten Tübingen und Heidelberg übernommen. Deren Ziel ist es, die Testverfahren zu optimieren und die Ergebnisse zu evaluieren, um den Stützpunktkoordinatoren und -trainern Empfehlungen für Trainingsmaßnahmen geben zu können bzw. um individuelle Entwicklungsverläufe und Besonderheiten von Talenten zu analysieren (vgl. Ulitsch, Feichtinger & Höner, 2010, S. 152, vgl. Deutscher Fußball-Bund, 2015).
Generell dient die technomotorische Leistungsdiagnostik der Messung des individuellen Ist-Zustandes von Leistungsfaktoren eines Spielers. Darüber hinaus kann man sie auch als Eignungsdiagnostik bezeichnen. Durch ihren Längsschnittcharakter im Sinne der halbjährlichen Testwiederholung an den Stützpunkten werden die dynamischen Entwicklungsverläufe der einzelnen Spieler aufgezeigt. Somit ergeben sich eindeutige Anhaltspunkte, wer für die Talentauswahl in weitere höhere Trainingsstufen, also beispielsweise für NLZ der Lizenzvereine, geeignet ist bzw. welche Spieler in ihrer Entwicklung stagnieren.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den hohen Stellenwert des Fußballs in Deutschland und leitet die Notwendigkeit einer wissenschaftlich fundierten Talentdiagnostik zur Sicherung zukünftiger Erfolge ab.
2. Theoretische Grundlagen der sportwissenschaftlichen Talentforschung: Dieses Kapitel erarbeitet einen mehrperspektivischen Talentbegriff, der über statische Anlagen hinausgeht und Talent als dynamischen Entwicklungsprozess versteht.
3. Talentsuche, Talentauswahl, Talentförderung - Die Instanzen der Nachwuchsförderung: Hier werden die drei Kerninstanzen der Nachwuchsförderung definiert und ihre wechselseitige Abhängigkeit im langfristigen Trainingsaufbau dargestellt.
4. Prädikatoren eines sportlichen Talents: Es werden allgemeine diagnostische Kriterien wie Entwicklungstempo, Utilisation und psychophysische Belastbarkeit eingeführt, um ein breites Fundament für die Talentbestimmung zu legen.
5. Besonderheiten von Talent in Spielsportarten: Dieses Kapitel thematisiert die Komplexität von Sportspielen, die eine Operationalisierung von Talent erschwert, und betont die Notwendigkeit sportartspezifischer Profile.
6. Merkmale eines Fußballtalents: Aufbauend auf den theoretischen Grundlagen wird ein Anforderungsprofil für Fußballer erstellt, das konditionelle, technische, kognitive und psychische Merkmale vereint.
7. Ziele und Strukturen der Nachwuchsförderung im deutschen Fußball: Die Darstellung der DFB-Leitlinien verdeutlicht die hierarchische Struktur der Nachwuchsförderung von der Basis bis zur Elite.
8. DFB-Stützpunktprogramm: Dieses zentrale Kapitel analysiert die Geschichte, Organisation und Durchführung der technomotorischen Leistungsdiagnostik an DFB-Stützpunkten.
9. Probleme und Herausforderungen der Nachwuchsförderung im Fußball: Die Arbeit diskutiert die Schwierigkeiten der Talentprognose und analysiert kritisch das Phänomen des "Relative Age Effect".
10. Fazit: Das Fazit fasst die erreichten Fortschritte in der Talentforschung zusammen und weist auf den notwendigen Forschungsbedarf bei psychologischen und kognitiven Faktoren hin.
Talentforschung, Nachwuchsförderung, DFB-Stützpunkt, Talentdiagnose, Talentprognose, Leistungsdiagnostik, technomotorische Leistungsfähigkeit, Anforderungsprofil, Fußball, Relative Age Effect, Talentauswahl, Talentförderung, sportmotorische Fähigkeiten, Trainierbarkeit, Leistungsentwicklung.
Die Arbeit untersucht kritisch die Methoden der Talentdiagnostik und -prognose im deutschen Fußball und analysiert, wie aktuelle Förderkonzepte des DFB zur Entwicklung von Nachwuchstalenten beitragen.
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Talentforschung, die Definition von Fußballtalenten, die Rolle der DFB-Stützpunkte sowie die wissenschaftliche Validität der dort eingesetzten Testverfahren.
Das Hauptziel ist die Analyse des aktuellen Kenntnisstandes der Talentforschung im Fußball, insbesondere die Untersuchung der Aussagekraft technomotorischer Tests im Hinblick auf spätere Spitzenleistungen.
Der Autor führt ein breitgefächertes Literaturstudium durch, um empirische Daten zu bündeln und diese mit den sportwissenschaftlichen Konzepten der Talententwicklung in Zusammenhang zu setzen.
Den Kern bilden die Ableitung eines fußballspezifischen Anforderungsprofils, die Analyse der DFB-Stützpunktstruktur und die kritische Bewertung der technomotorischen Leistungsdiagnostik (Köln-Bochumer-Fußballtest).
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Talentforschung, Nachwuchsförderung, Leistungsdiagnostik und den Relative Age Effect beschreiben.
Da viele Aspekte der komplexen Spielleistung, wie etwa Spielintelligenz oder kreatives Handeln, durch standardisierte motorische Tests schwer oder gar nicht operationalisierbar sind, bleibt die subjektive Einschätzung durch Experten für die Talentbeurteilung unverzichtbar.
Der RAE beschreibt die systematische Benachteiligung von Kindern, die am Ende eines Jahres geboren sind, bei der Talentselektion, da ihre biologische Entwicklung im Vergleich zu früher Geborenen desselben Jahrgangs meist einen geringeren Vorsprung aufweist.
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