Bachelorarbeit, 2020
81 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Der Mau Mau-Aufstand: Ursachen, Charakter und Gewaltanwendung
2.1. Ursachen des Konflikts
2.2. Formierung von Widerstand und der Weg in den Krieg
2.3. Verlauf des Mau Mau-Krieges und Formen der Gewaltanwendung
3. Presselandschaft und Journalismus im Großbritannien der 1950er Jahre
3.1. Allgemeine Entwicklungen
3.2. Die Times
3.3. Der Manchester Guardian
4. Die Darstellung des Mau Mau-Aufstands in Times und Manchester Guardian
4.1. Afrikanische Kultur und die Ursprünge der Mau Mau
4.1.1. Darstellung im Narrativ der Regierung
4.1.2. Darstellung in Times und Guardian
4.2. Subversive Gewalt der Mau Mau
4.2.1. Gewalt gegen Weiße
4.2.2. Gewalt gegen Schwarze
4.3. Britische Counterinsurgency und Formen kolonialer Gewaltanwendung
4.3.1. Legitimierte Maßnahmen
4.3.2. Außerplanmäßige Gewalt
5. Abschließendes Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Berichterstattung der britischen Zeitungen The Times und Manchester Guardian über den Mau Mau-Aufstand in Kenia (1951–1960). Ziel ist es, zu analysieren, wie diese beiden Qualitätsmedien die Ursachen, den Verlauf und die Gewaltpraktiken des Konflikts darstellten, inwieweit sie das offizielle Regierungsnarrativ übernahmen oder kritisch hinterfragten und welche Faktoren ihre journalistische Arbeitsweise prägten.
4.2.1. Gewalt gegen Weiße
Besondere Aufmerksamkeit widmeten Times und Guardian dem Terror der Mau Mau-Rebellen. Den Redaktionen war klar, wie sehr die brutalen Anschläge, die obendrein die britische Hegemonialstellung in Kenia bedrohten, das Publikum reizte. Um dieses Interesse bestmöglich auszuschlachten, verzichteten beide Zeitungen auf eine nüchterne Berichterstattung und bedienten sich bisweilen eines Erzählstils, den man eher in der Boulevardpresse vermuten würde.
Vor allem Geschichten über weiße Siedler hatten es den britischen Redakteuren angetan. Sie schlachteten die Tragik der Geschehnisse aus und bauten die zweifellos schrecklichen Vorfälle so zu regelrechten Horrorgeschichten aus. Als exemplarisch für die Berichterstattung kann ein Artikel über einen Angriff auf das ältere Ehepaar Tulloch gelten, den man im Oktober 1952 auf dem Titelblatt des Guardian lesen konnte. Dort heißt es:
The terrorists waited until Colonel Tulloch and his wife had gone to bed. They then overpowered an African servant as he opened the back door, and burst into the bedroom. Colonel Tulloch dropped the book he was reading and reached for a revolver lying near the bed, but his hand got tangled with the mosquito net and the terrorists dragged him across the floor. He pleaded with the Africans to leave them alone, take what they wanted and go, but the hacked him unmercifully with their knives and battered him about the head.
Offensichtlich bemühte sich der Autor hier, die Ereignisse möglichst lebendig darzulegen. So berichtet der Artikel etwa über den verzweifelten Versuch Mr. Tullochs, seinen Revolver zu erreichen und sein anschließendes Flehen, in Ruhe gelassen zu werden. Die Schilderung solcher Details war für das Verständnis des Vorfalls kaum vonnöten, erfüllte aber dennoch klare Funktionen. Sie sollte dem Leser einen besseren Zugang zur Brutalität des Vorfalls ermöglichen und so dessen Dramatik unterstreichen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des Mau Mau-Aufstands ein, skizziert die historische Bedeutung der Dekolonisierung und erläutert die Relevanz der Medienberichterstattung in den 1950er Jahren als Untersuchungsgegenstand.
2. Der Mau Mau-Aufstand: Ursachen, Charakter und Gewaltanwendung: Dieses Kapitel liefert den historischen Kontext über die Benachteiligung der Kikuyu, die Entstehung des Aufstands sowie die Radikalisierung und die Eskalation der Gewalt durch beide Konfliktparteien.
3. Presselandschaft und Journalismus im Großbritannien der 1950er Jahre: Hier werden die Rahmenbedingungen für die britische Presse in den 1950er Jahren beleuchtet, einschließlich der Konkurrenz durch das Fernsehen, wirtschaftlicher Druckfaktoren und der journalistischen Ideale jener Zeit.
4. Die Darstellung des Mau Mau-Aufstands in Times und Manchester Guardian: Das zentrale Analysekapitel untersucht, wie die beiden Zeitungen über die Ursprünge der Mau Mau, die subversive Gewalt und die britischen Gegenmaßnahmen berichteten und inwieweit sie dabei Regierungsnarrativen folgten oder diese kritisierten.
5. Abschließendes Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass trotz unterschiedlicher politischer Milieus beide Zeitungen in ihrer Berichterstattung stark von zeitgenössischen kolonialen Narrativen geprägt waren.
Mau Mau, Britisches Empire, Dekolonisation, Kenia, The Times, Manchester Guardian, Pressegeschichte, Kolonialkrieg, Counterinsurgency, Journalismus, Medienethik, Kikuyu, Jomo Kenyatta, Hola-Massaker, Identitätskrise
Die Arbeit analysiert die mediale Berichterstattung der britischen Qualitätszeitungen The Times und Manchester Guardian über den Mau Mau-Aufstand in Kenia in den 1950er Jahren.
Zu den zentralen Themen gehören die Darstellung kolonialer Gewalt, die Rolle der Presse als Kontrollinstanz gegenüber der Regierung, der Einfluss des journalistischen Objektivitätsideals sowie die Auswirkungen imperialer Denkmuster auf die Berichterstattung.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die britische Qualitätspresse den Konflikt wahrnahm und vermittelte, inwieweit sie von offiziellen Regierungsnarrativen beeinflusst war und welche ökonomischen und kulturellen Faktoren diese Berichterstattung formten.
Die Arbeit stützt sich auf eine quellenkritische Analyse von Zeitungsartikeln aus den Archiven der Times und des Manchester Guardian, ergänzt durch eine intensive Auseinandersetzung mit historischer Forschungsliteratur und zeitgenössischen Regierungsdokumenten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-kontextuelle Einführung in den Aufstand, eine medienhistorische Einordnung der 1950er-Jahre-Presse sowie die detaillierte Analyse der Berichterstattung zu Ursachen, Gewaltpraktiken und Gegenmaßnahmen des britischen Empires.
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Dekolonisation, Counterinsurgency, koloniales Narrativ, ethnische Identität, Objektivität und Medienpropaganda.
Obwohl beide Zeitungen den Mau Mau-Aufstand ablehnten, zeigte der Guardian bei der Analyse der soziokulturellen Ursachen ein differenzierteres Verständnis als die Times, blieb jedoch insgesamt innerhalb eines kolonial geprägten Deutungsrahmens.
Das Hola-Massaker markierte einen Wendepunkt, da es die Presse dazu zwang, von ihrer üblichen, eher passiven Beobachterrolle abzurücken und scharfe Kritik an der britischen Regierungsführung und den Vertuschungsversuchen der Verantwortlichen zu üben.
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