Diplomarbeit, 2006
132 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Der Genie-Gedanke im Sturm und Drang
2.1 Ausgangssituation - Der Genie-Gedanke vor dem Sturm und Drang
2.1.1 Johann Christoph Gottsched
2.1.2 „Die Schweizer“: Johann Jakob Bodmer undJohann Jakob Breitinger
2.1.3 Gotthold Ephraim Lessing
2.2 Der Sturm und Drang in Deutschland
2.2.1 Charakter der neuen literarischen Bewegung
2.3 Der junge Goethe
2.3.1 Kunstreligion und religiöse Verehrung des Genies
2.3.2 Der moderne Kunstbetrachter
2.3.3 Goethes Hymnen - dichterischer Höhepunkt der Geniezeit
2.3.4 Das Vorbild William Shakespeare
2.3.5 Das Genie in Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“
2.4 Zusammenfassung: Der Genie-Gedanke im Sturm und Drang - Das Originalgenie
3 Robert Schneider „Schlafes Bruder“
3.1 Johannes Elias Alder als Genie
3.2 Johannes Elias Alder - Originalgenie des Sturm und Drang?
3.2.1 Dichter vs. Musiker
3.2.2 Gefühl vs. Vernunft
3.2.3 Natur
3.2.4 Regellosigkeit
3.2.5 Das Gottesbild
3.2.6 Autonomie und Subjektivität
3.2.7 Hamanns Genie-Gedanke
3.2.8 Vergleich mit Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“
3.3 Robert Schneiders Held - Konstruktion eines Sturm- und Drang-Genies?
4 Der Genie-Gedanke in der Romantik
4.1 Die Epoche
4.2 Wegbereiter der Romantik und ihr Einfluss auf den Genie-Gedanken
4.2.1 Immanuel Kant
4.2.2 Johann Gottlieb Fichte
4.2.3 Friedrich Wilhelm Schelling
4.3 August Wilhelm und Friedrich Schlegel
4.4 E.T.A. Hoffmann
4.5 Zusammenfassung: Der Genie-Gedanke in der Romantik
5 Christa Wolf „Der Schatten eines Traumes“
5.1 Das „weibliche Genie“ - Frauen in der Romantik
5.2 Karoline von Günderrode - das romantische Genie?
6 Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht den Transfer des Genie-Gedankens aus den Epochen Sturm und Drang sowie der Romantik auf die zeitgenössische Literatur. Das primäre Ziel besteht darin, an den Beispielen von Robert Schneiders Roman „Schlafes Bruder“ und Christa Wolfs Essay „Der Schatten eines Traumes“ zu analysieren, inwieweit die Autoren an der jeweiligen Genie-Konzeption der Epoche orientiert haben und aus welchen Motiven dieser literarische Rückgriff erfolgt.
2.2.2.1.1 Anthony Ashley Cooper – 3. Earl of Shaftesbury
Der englische Philosoph Anthony Ashley Cooper, aufgrund seines Titels 3. Earl of Shaftesbury meist einfach Shaftesbury genannt, gilt als der bedeutendste englische Moralist und literarisch ausgezeichneter Schriftsteller. Beeinflusst von Plato, Aristoteles und den Stoikern begreift Shaftesbury die ungestörte harmonische Entfaltung der Sittlichkeit und Tugend als die natürlich mitgegebene Anlage im Menschen und stellt sie deshalb in den Mittelpunkt seiner Ethik. Seine philosophische Bedeutung beruht vor allem auf seinen ethischen Überlegungen, mit denen er darauf abzielt, Thomas Hobbes und den von ihm gelehrten Egoismus zu widerlegen. Anhand der Methoden der empirischen Psychologie untersucht er den Menschen zuerst als Einheit in sich selbst und danach in den Beziehungen zu den größeren Einheiten der Gesellschaft und der Menschheit. Oberstes Prinzip ist dabei die Harmonie oder Balance, die er auf der Grundlage des guten Geschmacks oder Empfindens als Gegensatz zum Verstand aufbauen will. Danach ist der Mensch als Individuum zunächst eine Einheit aus Trieben, Leidenschaften, Gemütsbewegungen, mehr oder weniger perfekt kontrolliert vom zentralen Verstand.
1 Einleitung: Vorstellung der Bedeutung des Genie-Begriffs und der Forschungsfrage bezüglich der Literatur von Robert Schneider und Christa Wolf.
2 Der Genie-Gedanke im Sturm und Drang: Analyse der theoretischen Herleitung des Genie-Begriffs und der Abgrenzung zur Aufklärung durch Wegbereiter wie Gottsched, Bodmer, Lessing und die Stürmer und Dränger.
3 Robert Schneider „Schlafes Bruder“: Untersuchung der Figur Johannes Elias Alder und dessen Einordnung als Originalgenie im Kontext des Sturm und Drang sowie des Vergleichs mit Goethes "Werther".
4 Der Genie-Gedanke in der Romantik: Darstellung der romantischen Epoche, ihrer philosophischen Wegbereiter wie Kant, Fichte und Schelling sowie der späteren kritischen Auseinandersetzung durch E.T.A. Hoffmann.
5 Christa Wolf „Der Schatten eines Traumes“: Analyse des weiblichen Genies und der Rolle von Frauen in der Romantik am Beispiel von Karoline von Günderrode.
6 Schlusswort: Resümee über die Inspiration durch den Genie-Gedanken in der Literatur über die Epochengrenzen hinweg.
Genie, Sturm und Drang, Romantik, Originalgenie, Subjektivität, Autonomie, Gefühl vs. Vernunft, Naturbegriff, Robert Schneider, Christa Wolf, Literaturgeschichte, Ästhetik, Schaffensprozess, Aufklärung, Geistesgeschichte.
Die Arbeit untersucht, wie sich der Genie-Gedanke der Epochen Sturm und Drang und Romantik in zeitgenössischen literarischen Werken niederschlägt.
Der Fokus liegt auf Robert Schneiders Roman „Schlafes Bruder“ und Christa Wolfs Essay „Der Schatten eines Traumes“.
Es wird erforscht, wie die genannten Autoren Genie-Konzeptionen der Vergangenheit aufgreifen und ob ihre Romanfiguren als Verkörperung dieser Ideale gelten können.
Die Autorin verwendet ein hermeneutisches Verfahren, um die Genie-Begriffe der Epochen theoretisch zu erarbeiten und sie anschließend exemplarisch auf die literarischen Werke anzuwenden.
Der Hauptteil beleuchtet die theoretischen Grundlagen des Genie-Kults, die Wegbereiter des Sturm und Drang, die philosophischen Ansätze der Romantik und die spezifische Problematik des weiblichen Genies.
Die Natur gilt im Sturm und Drang als Urquell des Schöpferischen und als Erzieherin des Genies, was in der Arbeit als zentrales Leitmotiv herausgearbeitet wird.
Im Gegensatz zur vollen Autonomie, die das typische Genie für sich beansprucht, ist Alder als Genie dargestellt, das passiv bleibt und in seiner Existenz und seinem Schicksal vollständig von Gott gelenkt wird.
Sie dient Christa Wolf als Fallbeispiel, um die gesellschaftlichen Beschränkungen und die Unmöglichkeit der Entfaltung eines weiblichen Genies in der romantischen Ära zu verdeutlichen.
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass der Roman zwar Elemente einer Legende aufweist, jedoch primär als ironisches Spiel mit religiösen Motiven zu verstehen ist.
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