Magisterarbeit, 2006
81 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung und Zielsetzung
2. Begriffserklärungen: Wissenschaftler, Held, Anti-Held
3. Wissenschaftler als Anti-Helden? – Protagonisten ausgewählter Universitätsromane
3.1 Der Desillusionierte: Helmut Halm in Walsers Brandung
3.2 Der Gestürzte: Hanno Hackmann in Schwanitz’ Der Campus
3.3 Der Mitläufer: Hellmut Buchwald in Zellers Follens Erbe
3.4 Der Nihilist: Fabian Kelch in Schmickls Alles, was der Fall ist
3.5 Anti-Heldinnen nur im Ansatz: Weibliche Hauptfiguren
4. Exkurs: Romanfiguren bei David Lodge
5. Abschlussbetrachtung
Die vorliegende Magisterarbeit verfolgt das Ziel, eine vergleichende Untersuchung deutschsprachiger Universitätsromane des 20. Jahrhunderts durchzuführen, um zu prüfen, ob sich ein verbindendes, wiederkehrendes Motiv der Hauptfiguren identifizieren lässt – namentlich die These des Wissenschaftlers als Anti-Held. Dabei wird analysiert, ob diese Protagonisten trotz ihrer unterschiedlichen universitären Positionen signifikante, leitmotivische Gemeinsamkeiten aufweisen und inwieweit sie sich durch ihr Scheitern an der eigenen Identität oder Umgebung als Anti-Helden charakterisieren lassen.
3.1 Der Desillusionierte: Helmut Halm in Walsers Brandung
Das Fehlen einer deutschen ‚campus novel’ im angloamerikanischen Stil wird zuzmeist der Tatsache zugeschrieben, „daß die deutsche Universität strukturell und in ihrer bildungspolitischen Ausrichtung weder dem Modell des englischen noch dem des amerikanischen College Systems entsprach.“ Martin Walser greift mit Brandung zu einem Trick. Er schickt seinen Protagonisten Helmut Halm als Gastprofessor an eine kalifornische Universität und verarbeitet damit eigene Erfahrungen. Walser selbst bezeichnet den Roman als „Reaktion per Fiktion“. Helmut Halm, der schon in Walsers Novelle Ein fliehendes Pferd die Hauptfigur gibt, muss sich dabei erneut mit einer ihn überwältigenden Jugendlichkeit auseinandersetzen, die in sein eingefahrenes Leben so gar nicht hineinzupassen scheint.
„Halm stand vor dem Spiegel im Bad, hatte das Rasieren hinter sich, konnte aber nicht aufhören, sein Gesicht mit einer unauflösbaren Mischung aus Mißgunst und Genuß zu betrachten“ (1). Gleich zu Beginn vermittelt Walsers Roman-Erzähler dem Leser, mit wem er es zu tun bekommt. Denn das Betrachten seiner selbst mit der Mischung aus Missgunst und Genuss gibt Aufschluss über das Dilemma der Hauptfigur: Halm kann sich eigentlich nicht leiden, kann aber ebenso wenig aus seinem angestammten, tief verankertem Ich ausbrechen, sich davon lösen. Weil zu Beginn des Romans noch jede Möglichkeit des Ausbruchs aus seinem gewohnten wie verhassten Leben fehlt, zwingt Halm sich dazu, sich mit seinem Dasein zu arrangieren. Mit der Zeit ist dieser Zwang als Gewohnheit in Fleisch und Blut übergegangen, sodass Halm gar nicht bemerkt, wie sehr sein Leben ihm eigentlich missfällt. Erst durch das Angebot seines Bekannten Rainer Mersjohann, als Gastprofessor einige Monate in Kalifornien zu arbeiten, wird ihm das wieder bewusst.
1. Einleitung und Zielsetzung: Die Einleitung beleuchtet die Seltenheit des Universitätsromans in Deutschland und führt die zentrale These des Wissenschaftlers als Anti-Held ein.
2. Begriffserklärungen: Wissenschaftler, Held, Anti-Held: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe, wobei es sich an bestehenden Untersuchungen orientiert und diese für die Arbeit anpasst.
3. Wissenschaftler als Anti-Helden? – Protagonisten ausgewählter Universitätsromane: Der Hauptteil analysiert vier spezifische Romane, um das Motiv des Anti-Helden anhand der Protagonisten Halm, Hackmann, Buchwald und Kelch sowie weiblicher Hauptfiguren zu verdeutlichen.
4. Exkurs: Romanfiguren bei David Lodge: Ein Exkurs über die Werke von David Lodge zeigt den Unterschied zwischen den englischen Vorbildern und den deutschen Universitätsromanen auf.
5. Abschlussbetrachtung: Die Abschlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt den Trend zum Anti-Helden als Symbol für gesellschaftliche Missstände in deutschen Universitätsromanen.
Universitätsroman, Anti-Held, Helmut Halm, Hanno Hackmann, Hellmut Buchwald, Fabian Kelch, David Lodge, Campus-Roman, Wissenschaftler, Identitätskrise, Literaturanalyse, Scheitern, Moderne Literatur, Universitätskritik, Charakterstudie
Die Arbeit untersucht, ob es im deutschsprachigen Universitätsroman des 20. Jahrhunderts ein wiederkehrendes Muster der Protagonisten gibt und ob diese als Anti-Helden bezeichnet werden können.
Die Themen umfassen das Scheitern von Wissenschaftlern an ihrer Karriere, ihrem Privatleben, ihrer Identität sowie gesellschaftliche Kritik an universitären Strukturen.
Das Ziel ist es, den „Wissenschaftler als Anti-Held“ als verbindendes Motiv in ausgewählten Romanen nachzuweisen und dessen Haltbarkeit zu prüfen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse von Romanfiguren durchgeführt, ergänzt durch einen Exkurs zur komparativen Literatur und den Einbezug der Sekundärliteratur.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Charakterstudie von vier männlichen Protagonisten und betrachtet in einem Unterkapitel die Darstellung weiblicher Hauptfiguren.
Neben dem zentralen Begriff „Anti-Held“ sind „Universitätsroman“, „Identitätskrise“, „Scheitern“ und „gesellschaftliche Kritik“ maßgebend.
Frauenfiguren werden in späteren Kapiteln thematisiert; sie durchlaufen im Vergleich zu den männlichen Anti-Helden oft einen positiveren Entwicklungsprozess, weisen jedoch teils ähnliche Charakteristika auf.
Bei David Lodge stehen die Charaktere eher als Repräsentanten für wissenschaftliche oder gesellschaftliche Positionen im Vordergrund, während die deutschen Romane stärker auf das Scheitern der individuellen Persönlichkeit fokussieren.
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