Diplomarbeit, 2006
166 Seiten, Note: 1,3
I. DIE NIBELUNGEN – EIN ABENTEUERLICHER REISEFÜHRER
II. DIE REZEPTION DES MITTELALTERS
1. Allgemeiner Überblick
2. Die produktive Rezeption des Nibelungenliedes seit Mitte des 20. Jahrhunderts
2.1 Literatur
2.1.1 Erwachsenenliteratur
2.1.2 Kinder- und Jugendliteratur
2.1.3 Lyrik
2.2 Theaterlandschaft
2.2.1 Musiktheater
2.2.2 Sprechtheater
2.3 Bildende Kunst
2.4 Filme
2.5 Unterricht
III. DIE VERMARKTUNG DES NIBELUNGENLIEDES IM TOURISMUS
1. Theoretische Vorüberlegungen
2. Inszenierung von Geschichte: Die Nibelungen in Deutschland
2.1 Nibelungenfestspiele
2.2 Nibelungen-Siegfried-Straße
3. Resümee
IV. DIE ROLLE PLATTLINGS IM NIBELUNGENLIED
1. Klärung der relevanten Textstelle
Exkurs: Die Handschriften des Nibelungenliedes
a Allgemeiner Überblick
b Die 'Plattling-freundlichen' Handschriften
b1 Handschrift C
b2 Handschrift a
2. Versuch einer Begründung für die Erwähnung Plattlings
3. Darstellung des Kontextes
V. DIE REZEPTION DES NIBELUNGENLIEDES IN PLATTLING
1. Gestaltung der Nibelungen-Vergangenheit
1.1 Nibelungen-Festspiele
1.1.1 Die Anfänge
1.1.2 Uraufführung des Laienspiels
1.1.3 Lagerleben als Begleitveranstaltung
1.1.4 Die Rolle des Fördervereins Nibelungenfestspiel Plattling
1.1.5 Tradition und Weiterentwicklung
1.1.6 Nibelungenmarkt
1.2 Bildende Kunst
1.3 Schulen
1.4 Kindergarten
1.5 Tourismus
1.6 Gastronomie
1.7 Stadtwappen und Straßennamen
2. Nicht realisierte Projekte
3. Resümee
VI. DIE NIBELUNGEN IN PLATTLING – EINE ANALYSE DER REGIEVORLAGE
1. Gattung
2. Der Autor Josef WIDL
3. Inhalt
3.1 Kurze Zusammenfassung
3.2 Kleidung
3.2.1 im Bühnenstück von Josef WIDL
3.2.1 im Nibelungenlied
3.3 Struktur
3.4 Figuren
4. Quellenlage
4.1 Vergleich mit dem Nibelungenlied
4.1.1 Unterschiede und Defizite
4.1.2 Verständnisschwierigkeiten, auch aus Laiensicht
4.2 Vergleich mit nordischer Stofftradition und WAGNERs Ring
5. Vergleich mit der Urfassung des Laienspiels von 1988
6. Resümee
VII. AUSBLICK
Die Arbeit untersucht die Präsenz des mittelalterlichen Nibelungenliedes in aktuellen Verwendungskontexten, mit einem spezifischen Fokus auf die Rezeptionsgeschichte seit Mitte des 20. Jahrhunderts und die praktische Vermarktung des Stoffes in der niederbayerischen Stadt Plattling.
Die Nibelungen – ein abenteuerlicher Reiseführer
Der Weg der Nibelungen von Worms über die verschiedensten Schauplätze in Deutschland und Österreich bis nach Ungarn wurde in der Vergangenheit gerne als Reiseführer mit literarhistorischem Hintergrund genutzt. Schon 1927 beschäftigt sich z.B. Oskar LUDWIG mit der 'nibelungischen' Reiseroute, der sog. Nibelungenstraße, und zeigt das enorme Potential dieser als Ausgangspunkt für Wandertouren auf, beschränkt sich jedoch auf die Route von Passau bis Hainburg. So schreibt er nicht nur über die jeweilige Geschichte der Nibelungenstädte, sondern widmet sich auch den dortigen Stiften und Klöstern sowie „Denkmäler(n) der Kunst im Bereiche der Nibelungenstraße“ (S. 110). Ebenso erwähnt werden die sich an dieser Straße befindenden Burgen und Schlösser, wie z.B. „die schönste Ruine der Wachau“ (S. 186) Burg Aggstein: „(d)as Wanderziel der Burgenfreunde, der Dichter und der romantisch veranlagten Scholaren und Wandervögel“ (ebd.)
Auch Robert SOMMER beschreibt in seinem Wanderbuch (1929) die Stationen der Nibelungen auf der Reise nach Ungarn und versucht deren Bedeutung bzw. Besonderheiten im Mittelalter herauszustellen. Nach diesen ersten Versuchen in den späten 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, das Nibelungenlied nicht nur bezüglich der Handlung, sondern auch der Schauplätze zu rezipieren, widmen sich KOLB (1989), GEIGER (2000, 2004) und SENDELBACH (2004) erst 60 Jahre später erneut dem Phänomen Nibelungenstraße.
In diesem Zusammenhang ist auch Walter HANSENs Buch Wo Siegfried starb und Kriemhild liebte (2004) zu nennen, welches unter Einbeziehung der jeweiligen Strophen aus dem Nibelungenlied die Schauplätze sowie die dort ablaufende Handlung vorstellt und mit Fotos veranschaulicht: er resümiert diese Plätze als „das größte Bühnenbild der Weltliteratur!“ (S. 13).
Besonders interessant erscheint an dieser Stelle Die Nibelungenreise von Eric HANSEN (2004): im Stil eines Roadmovie erzählt er von seiner Reise zu mittelalterlichen Schauplätzen quer durch Deutschland, Österreich und Ungarn. So erzählt er z.B. auf seinem Zwischenstopp in Hamburg über den sagenumwobenen Störtebeker, im Harz über Theophanu, in Aachen über Karl den Großen, in Wien über Walther von der Vogelweide und in Heidelberg über den Codex Manesse: „Den inhaltlichen Schwerpunkt des Itinerars aber bildet klar das Nibelungenlied“ (JUNGEN, 2004), dem er sich von Worms ausgehend auf seiner Reise bis ins ungarische Esztergom zu nähern versucht.
DIE NIBELUNGEN – EIN ABENTEUERLICHER REISEFÜHRER: Einführung in die touristische und literarische Wahrnehmung der Schauplätze des Nibelungenliedes durch Reiseführer und literarische Neuinterpretationen.
DIE REZEPTION DES MITTELALTERS: Theoretischer Überblick über Formen und Bewertungskriterien der Mittelalter-Rezeption sowie Diskussion spezifischer Umsetzungen in verschiedenen Kunstgattungen seit 1945.
DIE VERMARKTUNG DES NIBELUNGENLIEDES IM TOURISMUS: Analyse der Grundprinzipien zur touristischen Inszenierung von Geschichte anhand von Beispielen wie Festspielen und Themenstraßen.
DIE ROLLE PLATTLINGS IM NIBELUNGENLIED: Untersuchung der historischen Textgrundlagen für die Erwähnung der Stadt Plattling im Nibelungenlied und deren philologische Einordnung.
DIE REZEPTION DES NIBELUNGENLIEDES IN PLATTLING: Detaillierte Darstellung der lokalen Aktivitäten, insbesondere der Festspiele, des Nibelungenmarktes und der Einbindung in das Bildungswesen.
DIE NIBELUNGEN IN PLATTLING – EINE ANALYSE DER REGIEVORLAGE: Literaturwissenschaftliche Analyse des Plattlinger Laienspiels unter Berücksichtigung von Gattung, Autor, Inhalt und Bezug zur mittelalterlichen Vorlage.
AUSBLICK: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Einordnung der Bedeutung der Plattlinger Nibelungen-Rezeption.
Nibelungenlied, Plattling, Nibelungenfestspiele, Mittelalter-Rezeption, Touristik, Laienspiel, Jose Widl, Inszenierung, Handschrift C, Siegfried, Kriemhild, Kulturmanagement, Regionalgeschichte, Identitätsstiftung, Literaturdidaktik
Die Arbeit untersucht, wie das mittelalterliche Heldenepos "Nibelungenlied" in der modernen Zeit, insbesondere in der Tourismusbranche und durch kulturelle Inszenierungen, rezipiert und vermarktet wird, wobei Plattling als Fallbeispiel dient.
Die Arbeit deckt die Bereiche Literaturgeschichte, Mittelalter-Rezeption, Tourismusmarketing, lokale Kulturgeschichte, Laienspieltheorie und Literaturdidaktik ab.
Das Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie mittelalterliche Stoffe zur regionalen Profilierung genutzt werden können, und am Beispiel Plattling zu zeigen, wie eine aktive Rezeption und Vermarktung stattfindet.
Die Autorin kombiniert eine literaturwissenschaftliche Analyse von Textquellen (Handschriften) mit einer Untersuchung kultureller und touristischer Praxisbeispiele (Festspiele, regionale Initiativen) sowie Experteninterviews.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Untersuchung der Mittelalter-Rezeption und Vermarktung, eine philologische Klärung der Plattling-Erwähnung im Nibelungenlied sowie eine tiefgehende Analyse des Plattlinger Nibelungen-Laienspiels.
Nibelungenlied, Plattling, Nibelungenfestspiele, Mittelalter-Rezeption, Touristik, Laienspiel, Identitätsstiftung, Literaturdidaktik.
Die "Handschrift C" ist die primäre Quelle, in der die Stadt Plattling (als Pledelingen) im Nibelungenlied explizit erwähnt wird, was die Grundlage für den Anspruch Plattlings als "Nibelungenstadt" bildet.
Die Autorin kritisiert zum einen dramaturgische Schwächen des Stücks und zum anderen die Gefahr einer touristischen Vereinnahmung des Stoffes, die zu einer historisch verfälschten oder rein spekulativen Wahrnehmung des Mittelalters führen kann.
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