Magisterarbeit, 2007
92 Seiten, Note: 1,7
1 Einführung - erste Spurensuche zur Mafia
2 Phänomen Mafia: Interpretationsmöglichkeiten, Aspekte ihrer Historie und Strukturen
2.1 Mafia unter dem Aspekt der traditionellen Kultur
2.2 Mafia als Unternehmen
2.3 Mafia als Organisation und strukturelles System
2.4 Mafia als Rechtsordnung oder Staat im Staat
2.5 Ergebnis, Erkenntnis und aktuelle Betrachtung / Bekämpfung der Mafia
3 Umsetzung der Mafia-Thematik in den Detektivromanen Leonardo Sciascias
3.1 Zur Person Leonardo Sciascia
3.2 Leonardo Sciascia und der etwas andere Detektivroman
3.3 Formaler Vergleich zwischen den Detektivromanen Sciascias und dem Genre des klassischen Detektivromans
3.3.1 Kriterien des klassischen Detektivromans
3.3.2 Formaler Vergleich mit Sciascias Detektivromanen
3.4 Darstellung der Handlung und Protagonisten in Sciascias Mafia-Detektivromanen – unter dem Aspekt der Genreverkehrung
3.4.1 Kriminalhandlung als Ausgangspunkt für die Mafia-Geschichte
3.4.1.1 Il giorno della civetta und die Verstrickung von Politik und Mafia
3.4.1.2 A ciascuno il suo - im Bann des fingierten Leidenschaftsdelikts
3.4.1.3 Il contesto und die Verflechtung von Machtinteressen auf nationalpolitischem Niveau
3.4.2 Figur des Detektivs als bedeutender Protagonist
3.4.3 Die Protagonisten der Mafia
3.4.4 Schilderung von Macht, Staat und Gesellschaft
3.5 Rezeption Sciascias – ergänzende literarische Aspekte und Einflussfaktoren in seinen Texten
3.6 Intentionen Sciascias: Der realistische Detektivroman und spezieller Gebrauch des Genres als Instrument von Mafia- und Sozialkritik
4 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie der italienische Autor Leonardo Sciascia das Genre des Detektivromans nutzt, um die komplexen Strukturen, den Mythos und den politischen Einfluss der Mafia in Sizilien kritisch zu hinterfragen und als Instrument der Sozialkritik einzusetzen.
3.4.1.1 Il giorno della civetta und die Verstrickung von Politik und Mafia
In Il giorno della civetta wird das auslösende Verbrechen, ganz im klassischen Sinne, bereits auf der ersten Seite verübt. Vor den Augen der Passagiere eines kurz vor der Abfahrt stehenden, vollbesetzten Busses hört man „due colpi“189. Auch wenn die Carabinieri sofort zur Stelle sind, wird bereits auf diesen ersten Seiten des Romans klar, dass eine Aufklärung des Verbrechens sehr schwer wird; vor allem, weil die zahlreichen Augenzeugen, die gerade noch auf der Straße waren und im Bus saßen, plötzlich verschwunden sind oder sich „hinter einer Mauer des Schweigens“190 verbarrikadieren. Zum Verhalten der Sizilianer mehr in Kapitel 3.4.4. Innerhalb der Romanhandlung ist zunächst festzustellen, dass schnell die Mafia ins Geschehen rückt. Es zeigt sich, dass der Bauunternehmer Salvatore Calosberna ermordet wurde, weil er die „protezione“191 der Mafia zurückwies.
Bereits die einleitenden Beschreibungen und Begebenheiten, l’autobus, la piazza, il biglietto, il venditore di panelle, verdeutlichen das bekannte Bild eines sizilianischen Dorfes an einem ganz normalen Tag. Es scheint, als würde der Mord ebenso in diesen Rahmen gehören.192 So ist es lediglich der Fahrkartenverkäufer aus einer anderen Provinz, aus Syrakus, der erstaunt ist und besonders über den Ärger flucht, weil „in fatto di morti ammazzati aveva poca pratica“193. Die Mafia und ihre Praktiken erscheinen bereits zu Beginn der Handlung also als allgegenwärtig und in der Gesellschaft bekannt und fast schon akzeptiert.
1 Einführung - erste Spurensuche zur Mafia: Einleitende Betrachtung des Begriffs Mafia und seiner diffusen Verwendung, wobei die Notwendigkeit einer tieferen wissenschaftlichen und literarischen Auseinandersetzung betont wird.
2 Phänomen Mafia: Interpretationsmöglichkeiten, Aspekte ihrer Historie und Strukturen: Theoretische Grundlegung, die verschiedene wissenschaftliche Perspektiven auf die Mafia als traditionelle Kultur, Unternehmen oder staatliches System beleuchtet.
3 Umsetzung der Mafia-Thematik in den Detektivromanen Leonardo Sciascias: Hauptteil, der den literarischen Ansatz Sciascias analysiert, die klassischen Regeln des Detektivgenres dekonstruiert und die gesellschaftspolitische Kritik in seinen Werken hervorhebt.
4 Schlussbetrachtung: Synthese der vorangegangenen Analyseergebnisse, die den Erfolg und die Bedeutung von Sciascias engagierter Literatur im Kampf gegen das Mafia-System bestätigt.
Leonardo Sciascia, Mafia, Sizilien, Detektivroman, Genredekonstruktion, Sozialkritik, Korruption, organisierte Kriminalität, Machtstrukturen, Literaturwissenschaft, politisches Engagement, Omertà, Il giorno della civetta, A ciascuno il suo, Il contesto.
Die Arbeit untersucht das literarische Schaffen Leonardo Sciascias, insbesondere seine Detektivromane, unter dem Aspekt der Mafia-Thematik und der damit verbundenen Sozialkritik.
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen und strukturellen Definition der Mafia, der Dekonstruktion des klassischen Detektivroman-Genres bei Sciascia und der Analyse sizilianischer Machtverhältnisse.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Sciascia fiktive Literatur verwendet, um über die Grenzen der Unterhaltung hinaus gesellschaftliche Missstände, politische Korruption und die Macht der Mafia offenzulegen.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text mit soziologischen und historischen Erkenntnissen über die Mafia in Sizilien verknüpft.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Romane Il giorno della civetta, A ciascuno il suo und Il contesto hinsichtlich ihrer formalen Struktur und inhaltlichen Mafia-Kritik.
Die wichtigsten Begriffe sind Mafia, Leonardo Sciascia, Sizilien, Detektivroman, Sozialkritik, Machtstrukturen und Korruption.
Das Scheitern verdeutlicht die Übermacht des mafiosen Systems und die Verstrickung des Staates, wodurch Sciascia die Aussichtslosigkeit der Situation in der damaligen italienischen Realität unterstreicht.
Sciascia nutzt das Motiv des vermeintlichen Leidenschaftsdelikts als klassisches Genre-Element, um es bewusst zu parodieren und die tatsächlichen, mafiosen Hintergründe der Taten zu verschleiern.
Das Buch zeigt auf, dass der Staat in Sizilien oft als defizitär wahrgenommen wird, was der Mafia ermöglicht, als Para-Staat zu agieren und den Clientelismus zu fördern.
Im Gegensatz zum klassischen Detektivroman, der nach logischer Aufklärung und Wiederherstellung der Ordnung strebt, enden Sciascias Romane oft ohne Lösung, mit dem Tod des Detektivs oder einer gesellschaftlichen Resignation.
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