Diplomarbeit, 2006
95 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Entwicklungslinien der sozialräumlichen Sozialen Arbeit
2.1 Anfänge der Sozialen Arbeit und Beginn ihrer Differenzierung
2.1.1 Das Rauhe Haus
2.1.2 Das Elberfelder System zur strukturellen Armutsbekämpfung
2.1.3 Die Straßburger Modell
2.2 Gemeinwesenarbeit als sozialräumliche Soziale Arbeit
2.2.1 Grundlegung der Gemeinwesenarbeit
2.2.2 Gemeinwesenarbeit in der BRD nach 1945
2.2.3 Aktuelle Tendenzen
3 Die Konstruktion des Sozialraums bei Pierre Bourdieu
3.1 Absoluter und Behälter-Raum
3.2 Sozialer Raum, Kapitalstruktur und Habitus
3.2.1 Ökonomisches Kapital
3.2.2 Soziales Kapital
3.2.3 Kulturelles Kapital
3.2.4 Sozialer Raum und Klasse
3.2.5 Habitus und Feld
4 Eine Sozialraumanalyse mit Hilfe der Methodik Bourdieus
4.1 Fragestellung und Untersuchungsmethoden der agis Forschungsgruppe
4.2 Ausgewählte Probleme der Integration und der Identitätsbildung
4.3 Ausgewählte Probleme der Machtverteilung
5 Sozialräumliche Soziale Arbeit mit Bourdieu gedacht
5.1 Die Ebene der Gemeinwesenarbeit
5.1.1 Erforschung der Macht- und Kapitalverhältnisse
5.1.2 Aktivierung
5.1.3 Beteiligung
5.1.4 Lernen
5.1.5 Aspekte des Community Organizing
5.2 Die gesellschaftspolitische Ebene
5.3 Die professionstheoretische Ebene
6 Grenzen für die Soziale Arbeit
6.1 Das doppelte Mandat
6.2 Raum- und Kapitalgrenzen
6.3 Probleme der Ausstattung
7 Zusammenfassung und Ausblick für die Soziale Arbeit
Die Arbeit untersucht den theoretischen und methodischen Nutzen der Raumtheorie von Pierre Bourdieu für die Soziale Arbeit, insbesondere im Kontext der Gemeinwesenarbeit und sozialräumlicher Ansätze, um Wege zur Reflexion über soziale Ungleichheit und Machtverhältnisse in der Stadtteilpraxis aufzuzeigen.
3.1 Absoluter und Behälter-Raum
Die gängige Sozialforschungsmethodik im Speziellen die Erhebungsverfahren zur Erforschung sogenannter Sozialer Brennpunkte, liegen in der Tradition der Sozialforschung bzw. der Stadtforschung begründet. Deren Ursprung wird allgemein in der Chicagoer Untersuchung durch Robert Park und seine Mitarbeiter gesehen. Die Chicagoer Schule (bzw. die Sozialökologie) prägte bzw. prägt bis heute den Begriff des Sozialraums. Robert Park untersuchte das urbane Wachstum in den USA, wobei er mehrere Ebenen differenzierte:
• die sich bildenden Raummuster durch Konzentration, Dekonzentration, Zentralisation, Dezentralisation und Segregation,
• funktionale Strukturveränderungen durch Differenzierung, Integration und Spezialisierung,
• die Veränderung sozialer Milieus durch Diffusion, Akkomodation, Assimilation, Kommerzialisierung und Ossifikation,
• sowie die räumlichen Auswirkungen von Zuwanderungen in Form der Invasion und Sukzession.
Seine empirische Vorgehensweise ist bis heute charakteristisch für die Untersuchung von sozialen Räumen. Sie beginnt mit der Bestimmung der räumlichen Ausdehnung bzw. der Zonierung eines Raumes und der Hervorhebung der Unterschiede zu benachbarten Räumen. Danach wird über die räumlich-funktionalen Strukturen und räumlichen Verteilungen die interne Charakteristik beschrieben. Die Beziehungen zu anderen Gebieten sowie das Vorhandensein fester und unbeweglicher (sozialer und physischer) Potenziale im Raum werden im Anschluss daran ermittelt. So kann man sozial geprägte Stadträume mit spezifischen physischen Settings wie z.B. Sozialräume von Wohnungslosen, Sozialräume der Eliten, der Immigranten etc. identifizieren (Riege/Schubert 2005: S.11f).
Das Problem liegt nun darin, Raum als natürlich gegebene Gebiete zu betrachten, die in unterschiedlich große Behälter eingeteilt werden. Diese Behälter bestimmen als Raumdeterminaten dann die sozialen Beziehungen sowie das Handeln der Menschen in diesen (Löw 2001: S.52f). Eine solche Auffassung begründet sich in der Vorstellung des absoluten Raumes. Newton setzte sich in den Naturwissenschaften im 17. Jahrhundert mit diesem Konzept gegen eine relationale Raumvorstellung z.B. von Leibniz durch. Der absolute Raum war in der klassischen Physik eine Voraussetzung zur Bestimmung des Trägheitsverhalten des Körpers - ausgehend von der Unabhängigkeit der Eigenschaften der Elemente vom Gesamtsystem.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz sozialräumlicher Analysen ein und verknüpft diese mit dem Ziel, die Theorie Bourdieus für die Soziale Arbeit nutzbar zu machen.
2 Entwicklungslinien der sozialräumlichen Sozialen Arbeit: Dieses Kapitel zeichnet die historischen Wurzeln der Sozialen Arbeit nach, von frühen Ansätzen wie dem Rauhen Haus bis hin zur modernen Gemeinwesenarbeit.
3 Die Konstruktion des Sozialraums bei Pierre Bourdieu: Hier werden die zentralen Begriffe Bourdieus, wie sozialer Raum, Kapitalformen (ökonomisch, kulturell, sozial) und der Habitus, theoretisch fundiert und erläutert.
4 Eine Sozialraumanalyse mit Hilfe der Methodik Bourdieus: Dieses Kapitel stellt einen spezifischen Untersuchungsansatz vor, der Bourdieu-Konzepte praktisch anwendet, um städtische Sozialräume zu analysieren.
5 Sozialräumliche Soziale Arbeit mit Bourdieu gedacht: Hier wird der Transfer der Theorie in die Praxis der Gemeinwesenarbeit, Aktivierung und Beteiligung vollzogen.
6 Grenzen für die Soziale Arbeit: Das Kapitel reflektiert die strukturellen Grenzen der Sozialen Arbeit, insbesondere das doppelte Mandat und raumspezifische Kapitalbeschränkungen.
7 Zusammenfassung und Ausblick für die Soziale Arbeit: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengeführt und die Notwendigkeit einer reflexiven, gesellschaftspolitisch orientierten Sozialen Arbeit hervorgehoben.
Soziale Arbeit, Gemeinwesenarbeit, Pierre Bourdieu, Sozialraum, Habitus, Kapital, soziales Kapital, kulturelles Kapital, Sozialraumanalyse, Stadtentwicklung, Soziale Stadt, Machtverteilung, Community Organizing, Integration, Segregation.
Die Arbeit untersucht den Nutzen der soziologischen Theorie von Pierre Bourdieu für die Praxis und das Verständnis der Sozialen Arbeit im Kontext sozialer Räume.
Im Zentrum stehen die Konzepte des sozialen Raums, der Habitusbegriff, verschiedene Kapitalformen sowie deren Anwendung auf die Gemeinwesenarbeit und die Analyse städtischer Strukturen.
Das Ziel ist es, eine sozialraumsensible Soziale Arbeit theoretisch zu begründen und praxisorientierte Wege aufzuzeigen, wie Sozialarbeiter Machtstrukturen und Ungleichheiten in ihrem Arbeitsfeld besser verstehen und bearbeiten können.
Es wird eine theoretische Fundierung durch Bourdieu mit dem Ansatz der Sozialraumanalyse verknüpft, wobei methodische Vorgehensweisen wie die Kartographie des Sozialen verwendet werden, um Erkenntnisse für die Praxis zu gewinnen.
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Ausarbeitung der Bourdieu’schen Begriffe und deren Übersetzung in Handlungsfelder der Sozialen Arbeit, sowie mit der kritischen Auseinandersetzung über die Grenzen der professionellen Tätigkeit.
Die Arbeit wird primär durch die Begriffe Soziale Arbeit, Bourdieu, Sozialraum, Kapital, Habitus, Gemeinwesenarbeit und Machtverhältnisse charakterisiert.
Weil das Verständnis von sozialen Räumen als Orte von Machtkämpfen und Kapitalverteilung Sozialarbeitern hilft, ihre Klienten nicht nur individuell, sondern als Teil gesellschaftlicher Strukturen wahrzunehmen und gezielter zu agieren.
Das doppelte Mandat beschreibt den Konflikt zwischen dem Auftrag durch öffentliche Träger zur Systemstabilisierung und der Unterstützung der Klienten bei der Durchsetzung ihrer Interessen, was eine zentrale Grenze für die Soziale Arbeit darstellt.
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