Magisterarbeit, 2006
135 Seiten, Note: 2,3
I. Einleitung
II. Das psychosoziale Konzept der Selbst- und Fremdbilder
1. Die sprachtheoretische Erklärung des Begriffs Identität
2. Für oder gegen Erikson?
3. Kritik am Erikson - Modell
4. Basistheorie und Prämisse der Arbeit
III. Zielsetzung der Untersuchung, Anlage, Themenwahl
1. Zielführende Fragen und Thesen
2. Untersuchungsgegenstand und Festlegung der Gruppe
3. Welches Untersuchungsziel folgt aus den Leitfragen?
IV. Empirische Forschungsmethode
1. Vom Text zur Theorie: Auswahl der Forschungsmethode
1.1. Aktion auf dem Klosterfriedhof
1.2. Entwicklung des Interview-Leitfadens
1.3. Leitfaden gestützte Interviews in Tschechien und Deutschland
2. Interviewauswertung: Das Thematische Kodieren
2.1. Motto und Interview-Kurzbeschreibung
2.2. Die Entwicklung der Kategorien
2.2.1.Kategoriensystem, angewandt auf alle Fälle
2.2.2.Thematische Struktur der Fallanalysen
V. Politisch-historische Dimension und aktuelle Diskussion
1.Die aktuelle politische Debatte
2.Bewegung in der Ostpolitik
3.Václav Havel: „Die Zeit der Entschuldigungen ist vorbei“
3.1. Der Odsun aus tschechischer Sicht
3.2. Tschechen deutscher Abstammung: „Der Schweik´sche Weg“
VI. Darstellung der Forschungsergebnisse
1. Ergebnisinterpretation
1.1. Kategorie: „Starke“ Prägung durch Herkunftsfamilie
1.2. Fallbeispiele: „Starke“ Prägung durch die Familie
1.2.1. „Starke“ Prägung und Ablehnung
1.2.2. „Starke“ Prägung: Ablehnung und Identität
1.2.3. „Starke“ Prägung und Entgegenkommen
1.2.4. „Starke“ Prägung: Entgegenkommen und Identität
1.3. Kategorie: „Geringe - mittlere“ Prägung durch Herkunftsfamilie
1.3.1. Fallbeispiele: „Geringe - mittlere“ Prägung und Entgegenkommen
1.3.2. „Geringe - mittlere“ Prägung und Identität
1.4. Kategorie: „Unbedeutende“ Prägung durch Familie
1.4.1 Fallbeispiele: „Unbedeutende“ Prägung und Entgegenkommen
1.4.2. Fallbeispiel: „Unbedeutende“ Prägung und Gleichgültigkeit
1.4.3. „Unbedeutende“ Prägung und Identität
2. Expertenbewertung
2.1. Cornelia Irmer: Erste Bürgermeisterin der Vertriebenengemeinde Geretsried
2.2. Pater Norbert Schlegel: Seelsorger des Bund der Egerland–Jugend
2.3. Johann Böhm: Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe
2.4. Zusammenfassung
3. Thesenüberprüfung und Schlussfolgerung
3.1. Zu These eins
3.2. Zu These zwei
3.3. Zu These drei
VII. Schlussbetrachtung und Ausblick
VIII. Anhang
1. Leitfaden für die qualitativen Interviews
2. Interview-Kurzbeschreibungen
3. Liste der Interviewpartner
4. Abkürzungsverzeichnis
IX. Literaturverzeichnis
Diese Arbeit untersucht, wie Nachkommen von Heimatvertriebenen der zweiten und dritten Generation, die sich in landsmannschaftlichen Gruppen engagieren und an Friedhofssanierungsprojekten in Tschechien teilnehmen, ihre kollektive Identität konstruieren und wie sie der grenzüberschreitenden Dialogbereitschaft gegenüberstehen.
1.2.1. „Starke“ Prägung und Ablehnung gegenüber „Anderen“
Volker wird als Mitglied der ersten Generation von Nachkommen Heimatvertriebener in einer westdeutschen Großstadt geboren. Sein Vater stammt aus dem Egerland (Westböhmen), die Mutter aus Baden-Württemberg. Nach dem Hauptschulabschluss durchläuft er eine Lehre zum Schornsteinfegergehilfen, er macht die Meisterprüfung und wird selbstständiger Bezirksschornsteinfegermeister. 1992 heiratet er. Seine Frau ist Nachgeborene von Heimatvertriebenen in der ersten Generation. Sie haben zwei Kinder, 8 und 11 Jahre alt.
Volker ist seit seinem sechsten Lebensjahr in der „Egerländer-Gmoi“, er lernt dort die Lieder und Tänze aus der alten Heimat seines Vaters. Der Vater war sehr daran interessiert, sagt Volker. Als Sechsjähriger habe er, Volker, angefangen „die Tracht zu tragen, Kindertänze zu tanzen und Kinderlieder zu singen“. Ende der 80er Jahre wird er zum Vorsitzenden des „Bund der Egerland–Jugend“ gewählt, der Junior-Dachorganisation der „Egerländer Gmoi–Bund der Egerländer e.V.“ Diese Funktion übt er immer noch aus. Sein Engagement für die Arbeit am Friedhofsprojekt in Tschechien begann 1991. Der Anstoß dazu kam nicht aus der Familie, er kam „aus dem Verbandsgeschehen“, aus der Vorstandschaft. „Kraft des Amtes“ habe er dann flächendeckend jede Gruppe eingeladen, an der Arbeit in Tepl teilzunehmen. Wobei „pari – pari - mal mehr vom Bund der Egerland - Jugend, mal mehr vom Bund der Deutschen teilgenommen haben“. Seit 1991 organisiert und betreut Volker die Arbeiteinsätze im Klosterfriedhof. Als Selbstständiger habe er viel flexible Verfügung über seine Zeit, deshalb könne er sich auch so intensiv der Institution, der „Organisation“ widmen, die seinen Alltag, auch sein Familienleben bestimmt. Sein Amt, so beteuert er immer wieder, bedeute ihm sehr viel. Er möchte etwas bewegen können. Die Grenzöffnung sei eine Herausforderung gewesen.
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der deutsch-tschechischen Beziehungen ein und erläutert die Forschungsfrage hinsichtlich der Identität von Nachkommen von Heimatvertriebenen.
II. Das psychosoziale Konzept der Selbst- und Fremdbilder: Dieses Kapitel liefert die theoretischen Grundlagen zur Identitätsforschung unter Einbezug von Begriffen wie Identitätsarbeit und psychosozialer Konstruktion.
III. Zielsetzung der Untersuchung, Anlage, Themenwahl: Hier werden das Forschungsziel, die Auswahl der Probandengruppe sowie die zentralen Leitfragen und Thesen der Arbeit festgelegt.
IV. Empirische Forschungsmethode: Dieses Kapitel erläutert die Methodik der qualitativen Interviews, die Auswahl der Teilnehmer und das Verfahren des thematischen Kodierens zur Auswertung.
V. Politisch-historische Dimension und aktuelle Diskussion: Der Abschnitt kontextualisiert die Untersuchung vor dem Hintergrund der gemeinsamen deutsch-tschechischen Geschichte und aktueller politischer Debatten.
VI. Darstellung der Forschungsergebnisse: Dieses Hauptkapitel präsentiert die Auswertung der Interviews, die Ergebnisinterpretation anhand der Kategorien sowie die Überprüfung der Thesen.
VII. Schlussbetrachtung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und reflektiert die Komplexität der Identitätsbildung sowie den Bedarf an weiterer Forschung.
Identität, Heimatvertriebene, Sudetendeutsche, Egerland, Identitätsarbeit, deutsch-tschechische Beziehungen, Dialogbereitschaft, kollektive Identität, qualitative Sozialforschung, Thematisches Kodieren, Friedhofssanierung, Erinnerungskultur, Nachkommen, Brauchtumspflege, Migrationsgeschichte
Die Arbeit untersucht die Identitätsarbeit und die Dialogbereitschaft von Nachkommen sudetendeutscher Heimatvertriebener, die sich aktiv in Traditionsvereinen engagieren und an Friedhofsprojekten in Tschechien mitwirken.
Zu den zentralen Themen gehören die Bedeutung der Herkunftsfamilie für die Identitätsbildung, die Rolle der Gruppenzugehörigkeit in Verbänden sowie der Umgang mit der deutsch-tschechischen Geschichte und den damit verbundenen Spannungen.
Das Hauptziel ist herauszufinden, wie junge und jüngere Nachkommen von Heimatvertriebenen, die eine ausgeprägte kollektive Identität entwickelt haben, in ihrem Alltag mit der deutsch-tschechischen Problematik umgehen und ob eine Bereitschaft zum Dialog mit Tschechen besteht.
Die Untersuchung nutzt einen qualitativ-empirischen Ansatz. Es wurden leitfadengestützte Interviews mit Teilnehmern der Friedhofsaktion in Tepla sowie mit Experten durchgeführt und nach der Methode des „Thematischen Kodierens“ ausgewertet.
Der Hauptteil widmet sich der Analyse und Interpretation der Interviews. Er unterteilt die Probanden in verschiedene Kategorien basierend auf der Prägung durch die Herkunftsfamilie (stark, mittel, gering, unbedeutend) und untersucht deren jeweiliges Selbstbild sowie die Haltung zum Dialog.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Identität, Heimatvertriebene, Egerland, deutsch-tschechische Beziehungen, Dialogbereitschaft, Erinnerungskultur und qualitative Forschung charakterisieren.
Diese Generation ist in einem neuen gesellschaftlichen Umfeld aufgewachsen, trägt aber die Erzählungen der Eltern und Großeltern über Flucht und Vertreibung in sich, was einen einzigartigen Prozess der Identitätskonstruktion und der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit erfordert.
Das Projekt auf dem Klosterfriedhof in Tepla dient als empirischer Ankerpunkt, an dem sich die Handlungsbereitschaft der Probanden manifestiert und an dem die reale Interaktion mit der tschechischen Bevölkerung sowie die Einstellung zu Geschichte und Erinnerung direkt beobachtbar werden.
Die befragten Experten, wie Bürgermeisterin Cornelia Irmer, Pater Norbert Schlegel und Johann Böhm, bewerten den Einsatz der jungen Generation mehrheitlich als einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungsarbeit und als ein positives Zeichen für die zukünftige Dialogfähigkeit.
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