Examensarbeit, 2007
94 Seiten, Note: 1,7
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1 Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Forschungsstand und literarische Rezension
2 Von der Militärhilfe bis zur Kriegserklärung: Die deutsch türkischen Beziehungen bis 1945
2.1 Das deutsch türkische Verhältnis bis zum Ersten Weltkrieg: Die deutsche Militärmission in der Türkei
2.2 Deutschland und die Türkei nach dem Ersten Weltkrieg: die 1920er Jahre
2.3 Die deutsch türkischen Beziehungen nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten
2.4 Die deutsch türkischen Beziehungen nach Kriegsbeginn
2.4.1 Das Dreimächtebündnis 1939
2.4.2 Von der Dreimächteallianz zum Freundschaftsvertrag mit Deutschland 1941
2.4.3 Die Entwicklung bis zur Kriegserklärung 1945
3 Atatürks moderner Staat: ein neues Betätigungsfeld für die Deutschen in der Türkei
3.1 Die kemalistischen Reformen
3.2 Die Bildungsreform
3.2.1 Die Hochschulbildung
3.3 „Offizielle“ deutsche Hilfe in der Türkei
3.3.1 Die „Deutsche Kolonie“
3.4 Deutsche emigrierte Wissenschaftler im Dienste der Türkei: 1933 1945
3.4.1 Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ 1933
3.4.2 Die Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland
3.4.3 Die Ankunft in der Türkei
3.4.4 Anfangsschwierigkeiten im Alltags und Hochschulleben
4 Die Emigranten als isolierte Minderheit gegenüber den Reichsdeutschen und den Türken
4.1 Die Emigranten untereinander
4.1.1 Wissenschaftliche Gruppierungen
4.1.2 Politische Gruppierungen
4.2 Die Emigranten und das Verhältnis zu den offiziellen Vertretern des „Dritten Reiches“ unter Berücksichtigung der deutsch türkischen Beziehungen
4.2.1 Die Nazifizierung der „Deutschen Kolonie“
4.2.2 Das Verhältnis zur Botschaft
4.2.3 Die Instrumentalisierung von Emigranten durch die Reichsbehörden
4.2.4 Das Verhältnis zur „Deutschen Kolonie“
4.2.5 Der Scurla Bericht
5 Fazit
Diese Arbeit untersucht die soziologische Dynamik und die sozialen Lebensbedingungen deutschsprachiger Emigranten in der Türkei zwischen 1933 und 1945. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Interaktion zwischen den geflüchteten Wissenschaftlern und der bereits ansässigen "Deutschen Kolonie", die zunehmend unter den Einfluss des Nationalsozialismus geriet.
3.4.3 Die Ankunft in der Türkei
„Die Sonne war schon untergegangen, als wir am 27. Oktober in Istanbul ankamen. [...]. Eine Traumstadt entfaltete sich vor uns, als wir langsam in den Hafen einfuhren. Der weiße Marmorpalast Dolma Bahtsche, dunkel umrahmt, erhob sich vom Bosporus durch grelle Scheinwerfer beleuchtet. [...] Häuser Paläste, Tempel, Türme, Träger tausender funkelnder Lichter, stiegen steil aus dem Meer empor und vereinigten sich zu einer immensen, phantastischen, graziösen Flammenschrift. [...]. Dann sprangen überall gleichzeitig prasselnd platzende Raketen, glühende Geysire, sprühende Springbrunnen und farbenprächtige Märchenpflanzen aus der Erde: Kometen und Planeten durchkreuzten den Himmel. Ein mächtiges Grollen und Donnern von Schiffskanonen und Uferbatterien führte zum Höhepunkt der chaotischen Konvulsion und ermöglichte dann die Rückkehr zur stilleren, doch noch immer überwältigenden Pracht der festlichen Stadt.“
Das Schauspiel am abendlichen Himmel Istanbuls bot sich Philipp Schwartz und seinen Reisegefährten, als sie am Vorabend des zehnjährigen Jubiläums der türkischen Republik türkischen Boden betraten, welcher für die meisten der Emigranten zu einer zweiten Heimat werden sollte.
1 Einleitung: Beschreibt die Ausgangslage der Emigration in die Türkei und definiert den Forschungsgegenstand der Arbeit.
2 Von der Militärhilfe bis zur Kriegserklärung: Die deutsch türkischen Beziehungen bis 1945: Skizziert den historischen Rahmen der deutsch-türkischen Beziehungen unter besonderer Berücksichtigung der politischen Gratwanderung während des Zweiten Weltkriegs.
3 Atatürks moderner Staat: ein neues Betätigungsfeld für die Deutschen in der Türkei: Analysiert den Reformbedarf der jungen türkischen Republik und den damit verbundenen Bedarf an ausländischen Experten und Wissenschaftlern.
4 Die Emigranten als isolierte Minderheit gegenüber den Reichsdeutschen und den Türken: Beleuchtet die sozialen Spannungsfelder, die zunehmende Nazifizierung der "Deutschen Kolonie" und die psychische Belastung der Emigranten durch staatliche Repressionen.
5 Fazit: Fasst die Entwicklung der Koexistenz beider Gruppen zusammen und erläutert die Gründe für die endgültige Trennung nach 1944.
Emigration, Türkei, Nationalsozialismus, Deutsche Kolonie, Exilwissenschaftler, Modernisierung, Kemalismus, Franz von Papen, Notgemeinschaft, Diplomatie, Assimilation, politische Isolation, Repression, NS-Propaganda, Hochschulreform.
Die Arbeit analysiert die Situation deutschsprachiger Emigranten in der Türkei zwischen 1933 und 1945, wobei der Schwerpunkt auf ihrem sozialen Umfeld und ihrer Interaktion mit der offiziellen deutschen Auslandsgemeinschaft liegt.
Zentrale Themen sind die türkischen Modernisierungsbestrebungen, die "Deutschen Kolonie" in Istanbul und Ankara, sowie die Rolle der deutschen Botschaft und die zunehmende Einflussnahme der NSDAP auf deutsche Staatsbürger in der Türkei.
Die Arbeit untersucht, wie sich das gesellschaftliche Miteinander der Emigranten mit den offiziellen Vertretern des "Dritten Reiches" gestaltete und welche Rolle politische Differenzen dabei spielten.
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse sowie eine Auswertung zeitgenössischer Quellen wie Memoiren, Briefe, Berichte (u.a. der Scurla-Bericht) und Dokumente aus Archiven.
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Geschichte der Beziehungen, die bildungspolitischen Reformen Atatürks, den beruflichen Werdegang der Emigranten an türkischen Hochschulen und die sozialen Spannungen innerhalb der deutschsprachigen Bevölkerungsgruppen.
Die zentralen Schlagworte sind Exil, Emigration, Türkei, NS-Nazifizierung, "Deutsche Kolonie" und die gesellschaftliche Isolation der Emigranten.
Der Bericht von 1939 diente als Grundlage für verschärfte Repressionen durch die Reichsbehörden, um die Stellung der als "nichtarisch" oder politisch kritisch geltenden Emigranten an den Hochschulen zu schwächen.
Einerseits boten ihre Institutionen wie das Krankenhaus oder Schulen den Neuankömmlingen in der Anfangsphase wichtige Anlaufpunkte, andererseits wurde sie durch die zunehmende Nazifizierung zu einem Ort der Ausgrenzung und Bespitzelung.
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