Diplomarbeit, 2007
162 Seiten, Note: 1
2. Einleitung
3. Kurze Darstellung der Diplomarbeit
4. Forschungsinteresse
5. Methodologische Überlegungen
5.1. Kontaktaufnahme mit den Frauen
5.2. Die Interviewphase
5.3. Methoden der Datenerhebung
5.4. Auswertung der Interviews
5.5. Gewährleistung der Anonymität
5.6. Motivation der Frauen für die Teilnahme
5.6.1. Einstellung der inhaftierten Partner und Söhne zur Studie
5.7. Bisherige Möglichkeiten des Austauschs
5.8. Zeitlicher und finanzieller Aufwand
5.9. Kontakte mit den Frauen außerhalb der Interviewphasen
6. Biographische Grunddaten der Frauen
6.1. Die Ehefrauen/ Lebenspartnerinnen
6.2. Die Mütter/Pflegemütter
7. Zahlen über den Strafvollzug in Österreich
7.1. Schätzungen über die Zahl der betroffenen Angehörigen
8. Die Problematik der Angehörigen- so alt wie die Gefängnisstrafe?
9. Ausblendung der Angehörigen aus Wissenschaft und Forschung
9.1. Mögliche Ursachen der Ausblendung
9.2. Die Thesen von Pilgram
9.3. Ausblendung aus der Sicht der befragten Frauen
9.4. Die individualistische Strafauffassung
10. Ergebnisse der Befragungen
10.1. Die Verhaftungssituation
10.1.1. „…und plötzlich steht die Kripo vor mir!“
10.1.2. „Ich geh ein, weil mein Kind ist eingesperrt!“
10.1.3. Erfahrungen mit der Polizei bei der Verhaftung
10.1.4. „Ja, die Kummernummer hätte ich anrufen können!“
10.1.5. „Das ist halt so, damit müssen Sie nun leben!“
10.2. „Sie sagen nichts, aber man merkt es!“
10.3. „Ich habe praktisch die Doppelstrafe!“
10.3.1. „Ich lass mir diesen Schuh nicht anziehen!“
10.4. „Besuchst du einen Verbrecher, bist du selber ein Verbrecher!“
10.4.1. „Einfach einmal ausquatschen und reden.“
10.4.2. „Es ist wie beim Arzt!“
10.4.3. „Na, die hat es nötig!“
10.4.4. „Wie komm ich als Besucher dazu!“
10.5. „Heute ist es rot, und morgen ist es grün, und übermorgen ist es blau!“
10.5.1. Kontakte zum Sozialen Dienst der JA Stein
10.6. „Momentan geht’s mir ganz gut!“
10.6.1.„Einsamkeit. Niemand zum Reden“
10.6.2. „Weihnachten. Will ich gar nicht denken!“
10.7. Beziehung und Sexualität
10.8. „Na, ich kämpf mich so durch!“
10.9. Ämter, Behörden und soziale Einrichtungen
10.10. „Wo tu ich ihn hin?“
10.11. „Er hat sich ja voll verändert!“
10.12. „Die Mörderkraft, die ich hab!“
10.12.1 „Weil ich ihn liebe“
11. Die Folgen der Haft für die Kinder
11.1. „Papa sitzt Sessel“
11.2. „Der Papa kann mir den Buckel hinunterrutschen“
12. Resümee
12.1. Überprüfung der Hypothesen
12.2. Wer in der Sozialarbeit wäre befähigt?
12.3. Was brauchen die Frauen?
13. Überlegungen für zukünftige Konzepte
13.1. Come- and go-structe
13.2. Betroffenenselbsthilfe: pro und contra
13.3. Rolle der Polizei bei der Verhaftung
14. Treffpunkt e.V. in Nürnberg – ein Best Practice Beispiel der Betreuung von Angehörigen Inhaftierter
14.1. Der Anfang ist schwierig
15. Empfehlungen
15.1. Beratungsstelle für Angehörige
15.1.1. Standort
15.1.2. Träger
15.1.3. Das Beratungsteam
15.1.4. Die Finanzierung
15.2. Wünsche der Frauen an eine Beratungsstelle
15.3. Die Praxis des Strafrechts
Die Arbeit untersucht die oft vernachlässigte Zielgruppe der weiblichen Angehörigen von Inhaftierten in Österreich, um herauszufinden, welchen spezifischen Betreuungsbedarf diese Frauen haben, um ihr Familiensystem während der Haft zu stabilisieren und die Familie als Ressource für die zukünftige Wiedereingliederung zu erhalten.
10.1.1. „…und plötzlich steht die Kripo vor mir!“
Der einschneidende Beginn einer Inhaftierung ist zumeist die Verhaftung des straffällig gewordenen Menschen durch die Polizei (vgl. Kury 2003:415).
Zu diesem Zeitpunkt ist der familiäre Zusammenhalt allerhöchsten Anforderungen ausgesetzt. Vor allem den Frauen kommt hinsichtlich des Überstehens dieser ersten Krisen enorme Bedeutung zu, müssen sie doch, abgesehen von der Herausnahme des Mannes aus der Familie mit Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit des Partners/Sohnes fertig werden (vgl. auch Klinkert 1983:128).
Der plötzlichen Zwangstrennung durch Staat und Strafjustiz standen alle sechs befragten Ehefrauen/Lebenspartnerinnen zu Beginn gleichermaßen hilflos und ohnmächtig gegenüber.
„Es war wie ein Schock, ich konnte es nicht glauben“ (Frau A). „Ich war richtig vereist; ja nichts an mich ranlassen, von niemandem“ (Frau J). Für vier Frauen kam die Verhaftung ihres Partners völlig überraschend und schockartig; sie hatten keine Ahnung, dass ihr Partner eine strafbare Handlung gesetzt hatte. „…ich habe mit dem überhaupt nicht gerechnet… und plötzlich steht die Kripo vor mir und ich habe mir gedacht, ich bin, ich weiß nicht wo-,“ (Frau F). Zwei der sechs Ehefrauen/Lebenspartnerinnen waren bei der Verhaftung anwesend, zwei erfuhren durch die Polizei und eine durch ein Familienmitglied, dass ihr Partner inhaftiert worden war. „Wie das passiert ist, das werde ich auch nie vergessen, ich habe ja doch zwei, drei Tage überhaupt nicht gewusst, wo er ist; und ich hab mir halt gedacht: Na ja, wir sind noch nicht so lange zusammen; wird er halt gegangen sein. Dann waren die (die Polizei, Anm. der Autorin) bei mir, dann waren wieder zwei, drei Tage, wo ich gewusst habe, er ist da drinnen, aber absolut nicht gewusst habe, was ich tun soll, ja“ (Frau H). Bei einer Frau war keine Verhaftungssituation gegeben.
2. Einleitung: Beschreibt die wissenschaftliche Relevanz der Angehörigen von Inhaftierten als Zielgruppe der Sozialarbeit und skizziert das soziologische Vakuum, in dem sich diese Angehörigen befinden.
3. Kurze Darstellung der Diplomarbeit: Gibt einen Überblick über die Zielsetzung, den methodischen Ansatz sowie den Aufbau der vorliegenden Studie.
4. Forschungsinteresse: Definiert die Forschungsfrage und die daraus abgeleiteten Hypothesen, die sich auf die Unterstützungsmöglichkeiten für weibliche Angehörige fokussieren.
5. Methodologische Überlegungen: Erläutert das Vorgehen bei der Kontaktaufnahme, der qualitativen Interviewführung und der Auswertung der Daten sowie die Motivation der Teilnehmerinnen.
6. Biographische Grunddaten der Frauen: Liefert eine deskriptive Auswertung der demografischen und sozioökonomischen Variablen der befragten Frauen.
7. Zahlen über den Strafvollzug in Österreich: Bietet statistische Einblicke in die Situation des österreichischen Strafvollzugs und schätzt die Anzahl der betroffenen Angehörigen.
8. Die Problematik der Angehörigen- so alt wie die Gefängnisstrafe?: Setzt die Thematik in einen historischen Kontext und verweist auf die langfristigen Folgen für betroffene Familien.
9. Ausblendung der Angehörigen aus Wissenschaft und Forschung: Analysiert die Gründe, warum Angehörige in der Forschung und Sozialpolitik bisher kaum Beachtung fanden, einschließlich der Thesen von Pilgram.
10. Ergebnisse der Befragungen: Der Hauptteil, der die Erfahrungen der Frauen von der Verhaftung über die Besuchssituation bis hin zur finanziellen Situation detailliert wiedergibt.
11. Die Folgen der Haft für die Kinder: Beleuchtet die speziellen Belastungen und Bewältigungsstrategien der Kinder von Inhaftierten.
12. Resümee: Führt eine Zusammenfassung der Ergebnisse durch, überprüft die Hypothesen und diskutiert die Befähigung in der Sozialarbeit.
13. Überlegungen für zukünftige Konzepte: Reflektiert über notwendige Konzepte, wie eine "go-structure" für Beratungsangebote, um ländliche und städtische Bedürfnisse zu adressieren.
14. Treffpunkt e.V. in Nürnberg – ein Best Practice Beispiel der Betreuung von Angehörigen Inhaftierter: Dient als positives Modell für eine professionelle Angehörigenbetreuung.
15. Empfehlungen: Formuliert konkrete Handlungsvorschläge für Politik und Praxis, um eine adäquate Unterstützung der Zielgruppe sicherzustellen.
Angehörige, Inhaftierte, Sozialarbeit, Strafvollzug, Mitbestrafung, Resozialisierung, Familienleben, Beratung, Krisenintervention, Stigmatisierung, weibliche Angehörige, Justizanstalt, Haft, Sozialpolitik, Familiensoziologie.
Die Arbeit widmet sich der bisher kaum beachteten Gruppe der weiblichen Angehörigen von Strafgefangenen in Österreich. Sie untersucht deren Lebenswelt und die sozialen, materiellen sowie psychischen Folgen der Inhaftierung.
Zentrale Themen sind die Verhaftungssituation, die Stigmatisierung durch das soziale Umfeld, die finanziellen Belastungen, die Herausforderungen der Besuchssituation und die Auswirkungen der Haft auf Kinder.
Das Ziel ist es, den spezifischen Hilfebedarf der Frauen aufzuzeigen und Ansatzpunkte für professionelle sozialarbeiterische Angebote zu schaffen, um die Angehörigen in ihrer Rolle als Resozialisierungsfaktor zu stärken.
Die Autorin verwendet einen qualitativen Forschungsansatz, basierend auf teilstrukturierten Langzeitinterviews mit neun betroffenen Frauen über einen Zeitraum von neun Monaten.
Der Hauptteil dokumentiert die subjektiven Erfahrungen der Frauen in Phasen wie der Verhaftung, der Urteilsverkündung und dem Alltag während der Haftzeit, ergänzt durch einen Vergleich mit existierender Fachliteratur.
Die wichtigsten Schlagworte sind Angehörige, Strafvollzug, Sozialarbeit, Mitbestrafung, Stigmatisierung und Resozialisierung.
Die Angehörigen erleben die Verhaftung meist schockartig. Viele fühlen sich von den Behörden alleingelassen und mitbestraft, da sie die materiellen und psychischen Folgen der Trennung allein bewältigen müssen.
Die "Go-Structure" bezeichnet einen Ansatz, bei dem Sozialarbeiter aktiv auf Betroffene zugehen, anstatt darauf zu warten, dass diese von sich aus Beratungsstellen aufsuchen, was besonders in ländlichen Regionen als effektiver gilt.
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