Magisterarbeit, 2004
184 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
I Homosexualität am Arbeitsplatz
2 Gewerkschaftliche und politische Auseinandersetzung mit dem Thema
2.1 Kurzer geschichtlicher Überblick
2.2 Aktuelle politische Entwicklungen
2.3 Ein Antidiskriminierungsgesetz für Lesben und Schwule
3 Die wissenschaftliche Bearbeitung des Themas
3.1 Die lesbische Perspektive als Leerstelle
3.2 Das Arbeitsleben als Teilgebiet in Studien über Homosexualität
3.3 Zahlen und Erkenntnisse aus ausgewählten Studien
3.4 Zwischenfazit
II Zur Studie
4 Methodische Überlegungen und Durchführung der Studie
4.1 Vorüberlegungen und Interviewleitfaden
4.2 Feldzugang und Untersuchungsgruppe
4.3 Durchführung der Interviews
4.4 Die Auswertung der Interviews
5 Die Ergebnisse im Überblick
5.1 Die Zusammensetzung der Untersuchungsgruppe
5.2 Lesbische Identität
5.3 Umgang mit der Lebensform im Privatleben
5.4 Umgang mit der Lebensform am Arbeitsplatz
5.4.1 Offenheit gegenüber den Kolleginnen und Kollegen
5.4.2 Offenheit gegenüber den Vorgesetzten
5.5 Umgang mit der Lebensform an früheren Arbeitsplätzen
5.6 Befürchtungen und erlebte Vorbehalte
5.7 Allgemeine Einstellung zu Homosexualität am Arbeitsplatz
5.8 Zwischenfazit
6 Drei Beispiele: Wege des Umgangs mit der Lebensform am Arbeitsplatz
6.1 Emma: „`n kleiner aber feiner Kreis, die wissen das, und das reicht mir dann auch so“
6.1.1 „Versteckt, nicht drüber nachgedacht, nicht wahr haben wollen“
6.1.2 „…das mach ich irgendwie aus’m Bauch heraus“
6.1.3 „…dass es mich persönlich verletzt, das möchte ich vermeiden“
6.1.4 „Aber ich würde da niemals etwas Privates von mir erzählen“
6.2 Franka: „Wenn ich gedacht habe: ´So Leute, jetzt könnt Ihr mich mal fragen, dann erzähl ich euch jetzt alles gleich`, dann hat nie einer gefragt“
6.2.1 „Mama hat recht, ich bin mit ner Frau zusammen“
6.2.2 „…die wussten es nicht, obwohl ich da meine erste Freundin hatte“
6.2.3 „Also ich trag nicht jedem gleich mein … Leben auf ´n Schoß“
6.3 Herdis: „Ob sie’s hören wollen oder nicht, alle wissen es“
6.3.1 „…und da fing das dann an mit 19, ich war ´n echter Spätzünder“
6.3.2 „Also ich hab’s ja am Anfang auch noch gar nicht erzählt“
6.3.3. „… denen hab ich das dann auch einfach erzählt“
6.3.4 „..je lockerer man damit umgeht, desto weniger Probleme hat man“
6.4 Zwischenfazit
III Die Ergebnisse im Kontext theoretischer Sichtweisen
7 Lesbische Identität(en)
8 Heteronormativität am Arbeitsplatz
9 Quantitative und qualitative Ergebnisse im Zusammenhang
IV Ausblick
10 Diversity Management als neuer Umgang mit Verschiedenheiten
10.1 Was ist Diversity Management?
10.2 Die drei Ansätze des Diversity Management
10.3 Die Bedeutung von Diversity Management für das Thema Homosexualität am Arbeitsplatz
11 Fazit
12 Literatur
13 Anhang
Die Arbeit untersucht, wie lesbische Frauen ihren Umgang mit der eigenen Lebensform am Arbeitsplatz wahrnehmen und welche Handlungsspielräume sie sich schaffen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie diese Frauen mit der unhinterfragten Norm der Heterosexualität im beruflichen Alltag konfrontiert werden und welche Strategien sie wählen, um ihre Identität im Arbeitskontext zu positionieren.
6.1.1 „Versteckt, nicht drüber nachgedacht, nicht wahr haben wollen“
Emma ist zum Zeitpunkt des Interviews 35 Jahre alt. Sie wächst mit einem jüngeren Bruder bei ihren Eltern in Norddeutschland auf. Als Kind und Jugendliche macht Emma sehr viel Sport. Unter anderem spielt sie in einer Handballmannschaft. In diesem Zusammenhang erkennt sie im Alter von ca. 13 Jahren, dass sie ihre Mitspielerinnen sehr interessant findet.
Und wenn man sich dann da so ´n bisschen dabei ertappt, wie man denn so die anderen Mitspielerinnen […] beim Duschen beobachtet, […] dann fragt man sich auch erst mal: hä, hm, irgendwie ist das ja auch ´n bisschen merkwürdig so. Und dann hatten wir irgendwann mal ne Trainerin … und für die hab ich dann irgendwie so ´n bisschen, ja hab ich dann an sich schon sehr stark geschwärmt. […] Das macht wohl irgendwie so jeder in, in so ner gewissen Lebensphase durch, und dann fragt man sich, ja, ist das irgendwie nur ´n Spleen, oder … geht das wieder vorbei oder ich weiß das nicht, was. […] Aber ansonsten … tja … Versteckt, nicht drüber nachgedacht irgendwie, nicht wahr haben wollen, immer mal wieder drüber nachgedacht, aber … keine Ahnung. (8/21)
In der Pubertät erkennt Emma, dass sie nicht wie andere Mädchen Jungen toll findet, sondern eher den Anblick ihrer Mitspielerinnen vorzieht. Sie empfindet das zunächst nur als „merkwürdig“ und auch als sie für ihre Trainerin schwärmt, erklärt sie sich das damit, dass dies eine normale Erfahrung in einer gewissen Lebensphase (Pubertät) sei. Emma fragt sich zwar, wie sie diese Gefühle einordnen soll – als „Spleen“ oder vorübergehende Phase – , setzt sich aber im Jugendalter nicht weiter damit auseinander. Sie will ein mögliches Anderssein nicht wahr haben, versucht, nicht darüber nachzudenken und versteckt sich davor. Bis zum Alter von 18 Jahren versucht Emma, ihre Ahnungen, dass sie lesbisch sein könnte, zu unterdrücken. Sie geht Beziehungen zu Männern ein, wie das die Freundinnen in ihrem Alter auch tun.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, wie lesbische Frauen ihren Umgang mit ihrer Lebensform am Arbeitsplatz wahrnehmen und welche Handlungsstrategien sie dabei entwickeln.
I Homosexualität am Arbeitsplatz: Der erste Teil bietet einen Überblick über die gewerkschaftliche sowie politische Auseinandersetzung mit dem Thema und analysiert den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Bearbeitung.
II Zur Studie: Dieser Teil beschreibt die methodischen Überlegungen zur Durchführung der qualitativen Studie, stellt die zehn Interviewpartnerinnen vor und fasst die zentralen Ergebnisse der Befragungen zusammen, inklusive detaillierter Fallbeispiele.
III Die Ergebnisse im Kontext theoretischer Sichtweisen: Hier werden die gewonnenen Ergebnisse auf theoretischer Ebene reflektiert, insbesondere hinsichtlich der lesbischen Identitätskonstruktionen und der herrschenden Heteronormativität am Arbeitsplatz.
IV Ausblick: Der abschließende Teil stellt das Konzept des Diversity Managements vor und diskutiert dessen Potenzial als neuer Ansatz zur Gestaltung von Vielfalt im Arbeitsumfeld.
Lesbische Identität, Arbeitsplatz, Coming Out, Handlungsspielräume, Diskriminierung, Heteronormativität, Diversity Management, qualitative Forschung, Identitätspolitik, Berufsleben, Vorbehalte, Arbeitsklima, Biografieanalyse.
Die Magisterarbeit untersucht die Lebenswirklichkeit und den Umgang lesbischer Frauen mit ihrer sexuellen Identität innerhalb ihres Arbeitsumfelds.
Die Untersuchung umfasst die historische Entwicklung gewerkschaftlicher und politischer Positionen zu Homosexualität, die wissenschaftliche Erforschung lesbischer Lebensweisen im Job sowie die praktische Analyse individueller Handlungsstrategien.
Ziel ist es, die vielfältigen Wege aufzuzeigen, wie lesbische Frauen ihren Arbeitsalltag gestalten und wie sie – jenseits von Opferrollen – aktiv Handlungsspielräume in einem heteronormativ geprägten Umfeld nutzen.
Die Autorin nutzt einen qualitativen Forschungsansatz. Anhand von zehn themenzentrierten Interviews werden individuelle Lebensrealitäten erhoben, ausgewertet und durch vergleichende Fallanalysen in einen theoretischen Kontext gestellt.
Der Hauptteil analysiert die Ergebnisse der Interviews zu Themen wie das persönliche Coming Out, den Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten, erlebte Diskriminierung sowie Befürchtungen im Berufsleben.
Im Ausblick wird Diversity Management als ein Konzept vorgestellt, das über klassische Minderheitenpolitik hinausgeht und durch die Anerkennung von Vielfalt das Potenzial hat, Homosexualität als einen selbstverständlichen Teil der Belegschaft zu etablieren.
Emma betont, dass ihre Entscheidung über ein Outing im Betrieb nicht rein rational, sondern intuitiv ("aus dem Bauch heraus") erfolgt, basierend auf dem Vertrauen zum Gegenüber und dem individuellen Betriebsklima.
Franka ist unentschlossen; sie wünscht sich zwar mehr Offenheit, scheut jedoch den aktiven Schritt des Outings und hofft stattdessen auf die Initiative ihrer Kollegen durch gezielte Nachfragen.
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