Magisterarbeit, 2007
79 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
1.1 Themenwahl und Fragestellung
2 Lamento ohne Unterlass – Joachim Fests Verhältnis zur Geschichtswissenschaft
3 Die Hitler-Biographie
3.1 Entschluss und Entstehung
3.2 Gesellschaftlicher Hintergrund – Die Schatten der Vergangenheit und die deutsche Studentenbewegung
3.3 Merkmale und Besonderheiten
3.3.1 Aufbau der Hitler-Biographie
3.3.2 Stilistik
3.4 Deutungsansätze
3.4.1 Hitler als Verkörperung von Zeittendenzen
3.4.2 Künstlerische Vorbilder – Hitler und Wagner
3.4.3 Die intentionalistische Sichtweise – Hitlers Rolle im NS-System
3.4.4 Hitler als Revolutionär – Zwischen Rückwärtsgewandtheit und Modernität
3.5 „Hitler größer gemacht als er war“? – Kritisches zur Hitler-Biographie
4 Staatsstreich: Der lange Weg zum 20.Juli
4.1 Der ‚vergessene Widerstand’?
4.2 Der Aufstand des Gewissens
4.3 Eine symbolische Tat – Zur Bedeutung des Attentatsversuchs
5 Die Speer-Biographie
5.1 Exkurs: Zur Person
5.2 Prolog: Die technizistische Unmoral - Speers Portrait im „Gesicht des Dritten Reiches“
5.3 Der ‚vernehmende Lektor’
5.4 In der Kritik
5.5 Albert Speer als Schlüsselfigur
5.6 Anziehungspunkt Hitler
5.7. „Kardinalsfragen“
6 Ausblick posthum
Diese Magisterarbeit untersucht das intellektuelle Œuvre des Publizisten Joachim Fest mit einem werksbiographischen Ansatz. Ziel ist es, die spezifischen Merkmale, Deutungsansätze und den Rezeptionskontext ausgewählter Hauptwerke – der Hitler-Biographie, der Studie zum 20. Juli und der Speer-Biographie – herauszuarbeiten und Fests umstrittene, aber prägende Rolle als Grenzgänger zwischen Geschichtswissenschaft und Öffentlichkeit zu analysieren.
3.4.1 Hitler als Verkörperung von Zeittendenzen
Eine der grundlegenden Fragestellungen die sich wohl jede Hitler-Biographie stellen muss, lautet: Wie war der immense Erfolg dieses Mannes möglich? Wie konnte er sich innerhalb weniger Jahre zum deutschen Reichskanzler und schließlich zum diktatorischen Herrscher weiter Teile Europas aufschwingen? Woher bezog er seine überwältigende Dynamik und die damit verbundene Außenwirkung?
Joachim Fest versucht darauf eine Antwort zu finden, indem er Hitler nicht als ursächlich ansieht, sondern als Ausdruck von Tendenzen, als Vereinigungs- und Identifikationsfigur definiert. Mit seiner integrativen Kraft sei er in der Lage gewesen, die gesellschaftlichen Ängste und Sehnsüchte nach dem Ende des Ersten Weltkrieges aufzufangen, zu kanalisieren und das vorhandene Reservoir auszuschöpfen. „(…) es war ein riesiges, ungeordnetes Potential an Aggressivität, Angst, Hingabewillen und Egoismus, das bereitlag, aber doch erst des Weckrufs, der Bündelung und Inanspruchnahme durch eine gebieterische Erscheinung bedurfte (…).“
Im Kapitel „Die große Angst“ werden die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen, die nach 1918 vorherrschten eingehend nachgezeichnet: die als verletzend empfundenen Bestimmungen des Versailler Vertrages, die sich ins unermessliche steigernde Inflation, die Angst vor der marxistischen Revolution, die Angst vor (jüdischer) Überfremdung sowie der Zivilisationspessimismus der Deutschen. Im Rahmen dieser zivilen wie militärischen Unmutskulisse gelang es Hitler die Ängste und Pessimismen aufzufangen und als führende, bündelnde Kraft hervorzugehen – ein Zusammenspiel von plebiszitärer Stimmungslenkung und Führungscharisma. Zu Hilfe kam ihm dabei sein bemerkenswertes rhetorisches Talent, mit dem er die Probleme auf einfachste Formeln bringen konnte, so dass ihn auch jeder verstand. Aus dem Nichts kommend, hatte er es geschafft, zum Anwalt und Sprachrohr der gedemütigten Deutschen zu werden.
1 Einleitung: Standortbestimmung Joachim Fests im Spannungsfeld zwischen zeitgeschichtlichem Autor und der historischen Fachwissenschaft.
2 Lamento ohne Unterlass – Joachim Fests Verhältnis zur Geschichtswissenschaft: Analyse der kritischen Distanz zwischen Fests literarischem Stil und den Anforderungen der akademischen Zunft.
3 Die Hitler-Biographie: Untersuchung des Entstehungsprozesses, der Deutungsansätze (Hitler als "Künstler" und Ausdruck von Zeittendenzen) sowie der fachwissenschaftlichen Kritik.
4 Staatsstreich: Der lange Weg zum 20.Juli: Bewertung von Fests Darstellung des Widerstands mit Fokus auf die sittliche Motivation der Akteure.
5 Die Speer-Biographie: Analyse von Speers Rolle als Architekt und Rüstungsminister im NS-System sowie der kritischen Debatte über dessen Selbstdarstellung.
6 Ausblick posthum: Zusammenfassendes Fazit über den bleibenden Einfluss Fests als Vermittler zeitgeschichtlicher Themen in die breite Öffentlichkeit.
Joachim Fest, Hitler-Biographie, Albert Speer, Nationalsozialismus, Geschichtsschreibung, Zeitgeschichte, Intentionalismus, Widerstand 20. Juli, Wagner, Publizistik, NS-Führungsspitze, Historiographie, NS-Regime, Biographik.
Die Arbeit analysiert das werksbiographische Schaffen von Joachim Fest, einem bedeutenden zeitgeschichtlichen Publizisten, und untersucht, wie er komplexe historische Zusammenhänge für ein breites Publikum aufbereitete.
Im Zentrum stehen die Interpretation des Nationalsozialismus, die Persönlichkeitsanalyse Adolf Hitlers, die Rolle Albert Speers im NS-System sowie der deutsche Widerstand gegen das NS-Regime.
Ziel ist es, Fests Arbeitsweise und seine Rolle zwischen der akademischen Geschichtswissenschaft und der breiten öffentlichen Rezeption kritisch zu beleuchten.
Es wird ein werksbiographischer Ansatz gewählt, der Fests Publikationen in ihren Entstehungs- und Rezeptionskontext einordnet und mit zeitgenössischer sowie aktueller Forschung vergleicht.
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu Fests drei wichtigsten Werken: der Hitler-Biographie, dem Buch über den 20. Juli ("Staatsstreich") und der Biographie über Albert Speer.
Zu den Kernbegriffen gehören Joachim Fest, Hitler-Biographie, Albert Speer, Nationalsozialismus, historische Geschichtsschreibung und Widerstand 20. Juli.
Fest zeichnete Speer lange Zeit als "Aussenseiter" und "unpolitischen Technokraten", wurde dafür jedoch von der Forschung kritisiert, da diese Deutung die Mitschuld Speers an den NS-Verbrechen und sein aktives Mitwirken als Rüstungsminister zu stark ausblendete.
Fest betont die moralische Bedeutung des Attentats als Akt der "Verneinung" und als ein preußisch geprägtes Gegenstück zur nationalsozialistischen Unmoral, auch wenn das Vorhaben praktisch scheiterte.
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