Bachelorarbeit, 2007
48 Seiten, Note: 1,0
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
1. Terrorismus als Kommunikationsstrategie
2. Die Propaganda des Wortes am Beispiel der RAF-Schrift Das Konzept Stadtguerilla
2.1. „Herrschende Öffentlichkeit ist die Öffentlichkeit der Herrschenden“ – Merkmale einer Gegenöffentlichkeit
2.2. Die argumentative Erzwingung des bewaffneten Kampfes
2.3. Internationale Intertexte
3. Die Propaganda der Tat – Fünf Anschläge im Mai 1972
3.1. Die Codierung der Anschlagsziele
3.2. Die Aporien der Kommunikationsstrategie
4. Die Kommunikationsstrategie als Terrorismus
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rote Armee Fraktion (RAF) als kommunikatives Phänomen und analysiert, inwiefern die terroristische Strategie der ersten Generation als Kommunikationsstrategie zu begreifen ist. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, ob und wie die RAF durch ihre Positionspapiere und Anschläge eine gezielte Adressierung ihrer Bezugsgruppen erreichte oder ob die Aktionen primär einer selbstbezüglichen Identitätsstiftung innerhalb der Organisation dienten.
Die Aporien der Kommunikationsstrategie
Aus dem Bewusstsein heraus, dass die Konzeption „Stadtguerilla“ nur „die revolutionäre Interventionsmethode von insgesamt schwachen revolutionären Kräften“ sein kann, behalf sich die RAF in ihrer sozial-revolutionären Ideologie mit einer Konstruktion, die sie zwar nicht zum revolutionären Subjekt hypostasierte, aber dennoch als Initiator der Umwälzung erscheinen ließ. Das Ideologem der Avantgarde bedingt jedoch eine kommunikative Vermittlung, um die „schwachen revolutionären Kräfte“ mit dem revolutionären Subjekt, also den „proletarischen Massen“, zu verbinden und damit die Revolution durch große Teile der Bevölkerung überhaupt erst begründen zu können. Das Selbstverständnis der RAF forderte demnach gerade bei öffentlichkeitswirksamen Anschlägen, die im Gegensatz zu den theoretischen Schriften nicht für den Diskurs der Gegenöffentlichkeit konzipiert waren, das Nachreichen der Bekennerschreiben heraus. Zumal das medial gestreute Ereignis der Tat an sich die Eigenschaft besitzt, nur „mit außerordentlich geringer Information verknüpft“ zu sein und deshalb eine schriftliche Sinnaufladung erfordert, die im Fall der RAF einerseits staatliche Repressionen auslösen sollte, um damit andererseits eine Massenmobilisierung gegen den „faschistischen“ Staat einzuleiten.
Historisch gesehen gelang den Terroristen auch der erste Punkt: Sie erzwangen eine staatliche Reaktion auf ihre Anschläge durch Gesetzesänderungen und -verschärfungen sowie durch die Aufrüstung des Fahndungs- und Sicherheitsapparats. Der zweite Punkt erfüllte sich jedoch praktisch nicht, denn die „Massen“ bzw. das „Volk“ solidarisierten sich nicht mit der RAF, sondern nahmen die Einschränkung von Freiheit und Grundrechten zugunsten der inneren Sicherheit in Kauf. Retrospektiv betrachtet scheint dies auch unabhängig von politischen, sozialen und wirtschaftlichen Faktoren nachvollziehbar, da die Kommunikationsstrategie der Terroristen erhebliche Mängel aufwies, die eine Solidarisierung mit ihnen von vorne herein ausschloss. Das bedeutet, dass die Position und die Ideologie der RAF, die sie mit Hilfe der Anschläge vermitteln wollte, in dieser Weise gar nicht vermittelbar waren.
1. Terrorismus als Kommunikationsstrategie: Einleitung in die Entstehungsgeschichte der RAF und die theoretische Verortung der Gruppe als terroristische Organisation, deren Handeln trotz programmatischer Ansprüche eine starke Selbstbezüglichkeit aufwies.
2. Die Propaganda des Wortes am Beispiel der RAF-Schrift Das Konzept Stadtguerilla: Analyse des ersten theoretischen Grundsatzpapiers, welches zur Legitimationsstiftung und Identitätsbildung der eigenen Mitglieder diente sowie internationale Bezüge zur Ideologisierung nutzte.
2.1. „Herrschende Öffentlichkeit ist die Öffentlichkeit der Herrschenden“ – Merkmale einer Gegenöffentlichkeit: Untersuchung der Bestrebungen der RAF, einen antihegemonialen Diskurs zu etablieren und sich von bürgerlichen Interpretationsmustern abzugrenzen.
2.2. Die argumentative Erzwingung des bewaffneten Kampfes: Erläuterung der rhetorischen Strategien und Argumentationsfiguren, mit denen die Zwangsläufigkeit des bewaffneten Kampfes im Text konstruiert wird.
2.3. Internationale Intertexte: Untersuchung der Einbindung fremder Zitate und Konzepte, die der RAF eine internationale Kontextualisierung und zusätzliche Legitimität verleihen sollten.
3. Die Propaganda der Tat – Fünf Anschläge im Mai 1972: Analyse der konkreten gewaltsamen Eskalation im Mai 1972 als "Propaganda der Tat" und deren mediale sowie interne Wirkung.
3.1. Die Codierung der Anschlagsziele: Untersuchung der Bekennerschreiben zu den Anschlägen, die den Gewaltakten durch historische Analogien und Feindbildkonstruktionen einen Sinn verleihen sollten.
3.2. Die Aporien der Kommunikationsstrategie: Kritische Reflexion über das Scheitern der kommunikativen Vermittlung zwischen den terroristischen Taten und dem anvisierten Zielpublikum.
4. Die Kommunikationsstrategie als Terrorismus: Abschließende Betrachtung der RAF-Strategie, die verdeutlicht, dass die angestrebte Mobilisierung der Massen misslang und die Gruppe in einer selbstgewählten gesellschaftlichen Isolation verblieb.
RAF, Rote Armee Fraktion, Terrorismus, Kommunikationsstrategie, Gegenöffentlichkeit, Stadtguerilla, Ideologie, Avantgarde, Propaganda der Tat, Mai-Offensive, Selbstbezüglichkeit, Bewaffneter Kampf, Radikale Linke, Politische Kommunikation, Institutionenkritik.
Die Arbeit analysiert die Kommunikationsstrategie der ersten Generation der Roten Armee Fraktion (RAF) und untersucht das Verhältnis zwischen ihren theoretischen Schriften, ihren gewaltsamen Anschlägen und der beabsichtigten Wirkung auf die Gesellschaft.
Im Zentrum stehen die Themenfelder Propaganda, Gegenöffentlichkeit, Legitimationsstrategien durch internationale Intertexte sowie die symbolische Codierung von Anschlagszielen im Kontext der "Mai-Offensive" 1972.
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie die RAF ihre terroristische Praxis kommunikativ zu rechtfertigen versuchte und warum diese Kommunikation letztlich nicht nach außen zu einer Massenmobilisierung führte, sondern in eine zunehmende gesellschaftliche Isolation mündete.
Die Arbeit stützt sich auf eine diskursanalytische Betrachtung der zeitgenössischen RAF-Texte (Positionspapiere und Bekennerschreiben) unter Einbeziehung medienwissenschaftlicher und historischer Analysen zur Dynamik terroristischer Gruppierungen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der theoretischen Fundierung durch das "Konzept Stadtguerilla" und die empirische Untersuchung der Anschläge im Mai 1972 sowie deren jeweilige Kommentierung durch die RAF-eigenen Bekennerschreiben.
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Selbstbezüglichkeit, Avantgardeanspruch, Aporie der Kommunikation, Symbolik der Anschläge und die Abgrenzung zur bürgerlichen Öffentlichkeit.
Der Autor sieht in diesem Text das grundlegende Instrument der Identitätsbildung für die RAF-Mitglieder, das weniger an die Öffentlichkeit gerichtet war, als vielmehr die Mitglieder innerhalb ihrer "Binnenwelt" immunisieren und legitimieren sollte.
Der Autor argumentiert, dass die abstrakte Qualität der Gewalt und die damit verbundene Schockwirkung eine Wahrnehmung der politischen Botschaft verhinderten, wodurch die Terroristen von den Bürgern primär als Kriminelle wahrgenommen wurden.
Die Kommandonamen dienten als symbolische Codierung, um gefallene Mitglieder zu Märtyrern zu stilisieren und den Konflikt mit dem Staat in ein Freund-Feind-Schema zu übersetzen, das primär die psychologische Selbsterhaltung der Gruppe stützte.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Kommunikationsstrategie der RAF ein "Armutszeugnis" darstellte, da der Diskurs aufgrund der tiefen Isolation der Gruppe und der Selbstbezüglichkeit ihrer Rhetorik den Bezug zur gesellschaftlichen Realität und zu den angestrebten Bezugsgruppen vollständig verloren hatte.
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