Diplomarbeit, 2004
71 Seiten, Note: 1,7
1 Einführung
2 Die Akzeptanzforschung des Wohlfahrtsstaates
2.1 Definition und Operationalisierung individueller Akzeptanz des Wohlfahrtsstaates
2.2 Bedeutung der Akzeptanz für den Wohlfahrtsstaat und den politischen Entscheidungsprozess
2.3 Stand der Akzeptanzforschung des Wohlfahrtsstaates
3 Erklärungsfaktoren in politökonomischen Modellen
3.1 Grundmodell
3.2 Dynamische Ineffizienz und begrenzter Zeithorizont
3.3 Heterogenität und intragenerative Umverteilung
3.4 Crowding out-Effekte
3.5 Mehrdimensionale Modelle
3.6 Kollektive Rationalität, Risikoteilung und effiziente Allokation
3.7 Normativ-soziale Erklärungsfaktoren
3.7.1 Altruismus
3.7.2 Fairness
3.7.3 Werte
3.7.4 Normen
3.8 Weitere politökonomische Erklärungsfaktoren
3.8.1 Übergangskosten bei Reformen des Wohlfahrtsstaates
3.8.2 Interessensgruppen
3.8.3 Soziale Rivalität
3.8.4 Beschäftigung im Wohlfahrtsstaat
3.9 Kritik, Erweiterungen und Zusammenfassung
4 Erklärungsfaktoren außerhalb politökonomischer Modelle
4.1 Psychologische Verhaltensmuster
4.2 Parteipräferenz und politische Ideologie
4.3 Kognitive Beschränktheit
4.4 Unvollkommene Informationen und Medien
4.5 Institutionelle und kulturelle Rahmenbedingungen
4.6 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
5 Empirische Bewertung der Erklärungsfaktoren
5.1 Individual- und Aggregatdaten
5.2 Relevanz einzelner Erklärungsfaktoren
5.3 Generelle Relevanz politökonomischer Erklärungsfaktoren
6 Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit untersucht die Gründe für die hohe und stabile Akzeptanz von Wohlfahrtsstaaten in modernen Industriegesellschaften. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welchen Beitrag politökonomische Modelle zur Erklärung individueller Akzeptanz leisten können und wie diese durch psychologische, ideologische und informationsbezogene Faktoren ergänzt werden müssen, um das Reformverhalten von Bürgern und politischen Akteuren zu verstehen.
3.1 Grundmodell
Galasso und Profetas (2002) OLG-Modell, welches den Rahmen für die weitere Untersuchung darstellt, geht von drei lebenden Generationen aus, die im Folgenden als „junge Aktive“, „alte Aktive“ und „Rentner“ bezeichnet werden. Die Bevölkerung wächst mit einer konstanten, nicht-negativen Rate μ. Es folgt, dass in jeder Periode auf jeden Rentner (1+μ) alte Aktive und (1+μ)2 junge Aktive folgen. Jedes Individuum ist je Periode mit einer Zeiteinheit ausgestattet, die es in den ersten beiden Lebensperioden in Arbeit, υ, und Freizeit, l, aufteilen kann: 1= l l t t t t + t = + + +1∀ t t 1 t υ t υ , wobei der untere Index die aktuelle Periode und der obere Index die Geburtsperiode bezeichnet. Individuen unterscheiden sich in Ihrer Arbeitsfähigkeit, et, welche positiv ist und welche verzerrt linkssteil verteilt ist, so dass die Medianarbeitsfähigkeit, eM kleiner ist als die durchschnittliche Arbeitsfähigkeit, e~ : eM< e~ . Bei allen Rentnern wird die Arbeitsfähigkeit gleich null gesetzt.
Nicht-altruistische Individuen bewerten Freizeit, l, und Konsum, c, entsprechend einer additiv-separablen, streng monotonen und streng konkaven Nutzenfunktion: ( , ) ( , ) ( ) 2 2 1 1 t t t t t t t t t t U l c U l c U c + β + + + β + (3.1)
1 Einführung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach den Akzeptanzgründen des Wohlfahrtsstaates angesichts des Reformdrucks und definiert den analytischen Rahmen der Arbeit.
2 Die Akzeptanzforschung des Wohlfahrtsstaates: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Akzeptanz und diskutiert dessen Bedeutung als notwendige Bedingung für den politischen Entscheidungsprozess.
3 Erklärungsfaktoren in politökonomischen Modellen: Hier werden ökonomische Modelle vorgestellt, die individuelle Akzeptanz durch rationale Nutzenmaximierung, etwa aufgrund von intergenerativer Umverteilung oder dem begrenzten Zeithorizont, erklären.
4 Erklärungsfaktoren außerhalb politökonomischer Modelle: Das Kapitel erweitert die Perspektive um psychologische, ideologische und informationsbezogene Faktoren, die das rationale Modell ergänzen.
5 Empirische Bewertung der Erklärungsfaktoren: Dieser Abschnitt analysiert die empirische Evidenz der zuvor vorgestellten theoretischen Modelle anhand von Individual- und Aggregatdaten.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert den Bedarf für einen interdisziplinären Ansatz zur Analyse komplexer Akzeptanzphänomene.
Wohlfahrtsstaat, Politische Ökonomie, individuelle Akzeptanz, intergenerative Umverteilung, Medianwähler, Altruismus, Fairness, Normen, Verlustaversion, Status quo bias, kognitive Beschränktheit, Reformbereitschaft, Sozialbudget, Rational-Choice, Rentenversicherung.
Die Diplomarbeit untersucht die ökonomischen, sozialen und psychologischen Faktoren, die dazu führen, dass Bürger trotz Reformdrucks eine hohe Akzeptanz gegenüber dem Wohlfahrtsstaat zeigen.
Die Arbeit deckt politökonomische Grundmodelle ab, behandelt normativ-soziale Aspekte wie Fairness und Altruismus und analysiert psychologische sowie informationsökonomische Faktoren.
Das Ziel ist es, die Gründe für den starken Rückhalt des Wohlfahrtsstaates in der Bevölkerung zu bestimmen und zu verstehen, warum Reformen trotz ihrer ökonomischen Notwendigkeit häufig auf Widerstand stoßen.
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die politökonomische Modelle (OLG-Modelle) kritisch diskutiert und diese durch empirische Erkenntnisse aus existierenden Studien untermauert.
Der Hauptteil ist in zwei große Blöcke unterteilt: Politökonomische Modelle (Kapitel 3) und Erklärungsfaktoren außerhalb dieser klassischen Modelle (Kapitel 4), gefolgt von einer empirischen Bewertung (Kapitel 5).
Wohlfahrtsstaat, Politische Ökonomie, individuelle Akzeptanz, intergenerative Umverteilung, Medianwähler, Altruismus und Reformbereitschaft.
Der Status quo bias beschreibt die menschliche Neigung, bestehende Zustände beizubehalten, da Verluste stärker gewichtet werden als potenzielle Gewinne einer Reform.
Medien können durch den Framing-Effekt und die selektive Darstellung von Themen die öffentliche Meinung beeinflussen und damit die Akzeptanz für oder gegen sozialpolitische Maßnahmen prägen.
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