Masterarbeit, 2018
78 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.2. Quellen
1.3. Forschungsstand
2. Nürnberg und Venedig – Berührungspunkte und Kulturträger
2.1. Kulturträger
3. Die Pest in Nürnberg
4. Die aktive Pestpolitik Nürnbergs unter venezianischem Einfluss
4.1. Die Pestordnung von 1520 nach venezianischem Vorbild?
4.2 Das Beerdigungswesen in Pestzeiten
5. Das Lazarettwesen: Isolierung und Quarantäne nach venezianischem Vorbild
6. Venezianische Elemente in der Medizinal- und Apothekengesetzgebung
7. Einführung des Rochuskultes in Nürnberg
8. Schlussbetrachtungen und Fazit
9. Bibliographie
9.1. Quellen
9.2. Darstellungen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht den kulturellen Transfer von Seuchenbekämpfungsmaßnahmen zwischen der Reichsstadt Nürnberg und der Seerepublik Venedig im Zeitraum von 1483 bis 1534, um zu klären, inwiefern venezianische administrative und hygienische Modelle die Nürnberger Pestpolitik beeinflussten.
1. Einleitung
„Der wirtschaftliche Austausch mit der Serenissima beeinflusste überdies die soziale Entwicklung an der Pegnitz. Er hatte Auswirkungen auf den Aufstieg einzelner Familien, auf die vermögensbezogene Verschiebung unter den Geschlechtern, die Verflechtung von Kaufmannschaft und Stadtregiment und damit auf dessen politisches Agieren“.
Mit diesen Worten fasst Bettina PFOTENHAUER die Auswirkungen zusammen, die auf die Reichsstadt Nürnberg und das dort regierende Fernhandelspatriziat durch den Austausch mit Venedig einwirkten. Beide Städte bildeten bis in die frühe Neuzeit hinein die Grenzen des transalpinen Handels, der den orientalischen Mittelmeerraum sowie Gebiete in Nord- und Osteuropa einschloss. Zwischen diesen beiden Metropolen entwickelte sich ein dichtes Kommunikationsnetz sowie ein Transfer an Kulturgütern, der sich im Geistesleben und der Architektur der Noris bis heute widerspiegelt. Gleichzeitig verband beide Städte ein Schicksal, das gerade bevölkerungsreiche Handelsmetropolen Europas bis ins 18. Jahrhundert vor große Herausforderungen stellte. Die Pest lenkte in regelmäßigen Abständen das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen in beiden Städten und stellte eine existentielle Bedrohung für ihre öffentliche Ordnung und Wirtschaft dar.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, die den kulturellen Transfer von Pestbekämpfungsmaßnahmen zwischen Nürnberg und Venedig thematisiert.
1.2. Quellen: Ein Überblick über die unveröffentlichten Archivalien in den Stadt- und Staatsarchiven von Nürnberg, die als Grundlage für die Untersuchung dienen.
1.3. Forschungsstand: Eine Darlegung des aktuellen Forschungsstandes zu transalpinen Beziehungen und Pestbekämpfung, wobei auf die Bedeutung der Arbeiten von Pfotenhauer und anderen Historikern hingewiesen wird.
2. Nürnberg und Venedig – Berührungspunkte und Kulturträger: Dieses Kapitel erläutert die Handelsbeziehungen und die Bedeutung von Akteuren wie Fernhändlern für den Kulturtransfer.
2.1. Kulturträger: Eine Vorstellung spezifischer Personengruppen, insbesondere der Familie Imhoff, die maßgeblich zum Transfer von Wissen beitrugen.
3. Die Pest in Nürnberg: Eine chronologische Analyse der Pestausbrüche in Nürnberg und die historiographische Debatte über das Ausmaß der Seuchen.
4. Die aktive Pestpolitik Nürnbergs unter venezianischem Einfluss: Eine Untersuchung der obrigkeitlichen Maßnahmen und Behörden im Vergleich zu den venezianischen Pendants.
4.1. Die Pestordnung von 1520 nach venezianischem Vorbild?: Eine kritische Prüfung der Pestordnung von 1519/20 auf ihre Übereinstimmung mit venezianischen Reglementierungen.
4.2 Das Beerdigungswesen in Pestzeiten: Eine detaillierte Betrachtung der städtischen Eingriffe in die kirchliche Bestattungskultur und die hygienische Rationalisierung.
5. Das Lazarettwesen: Isolierung und Quarantäne nach venezianischem Vorbild: Die Analyse des Baus und der Verwaltung des Sebastianlazaretts und dessen Einordnung als Innovation.
6. Venezianische Elemente in der Medizinal- und Apothekengesetzgebung: Untersuchung der apothekenrechtlichen Normen und deren Parallelen zu den venezianischen Vorbildern.
7. Einführung des Rochuskultes in Nürnberg: Eine Darstellung der religiösen Katastrophenbewältigung durch den Rochuskult und dessen Transfer durch die Handelseliten.
8. Schlussbetrachtungen und Fazit: Eine abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich des nachgewiesenen Lernprozesses in der Nürnberger Pestpolitik.
9. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
9.1. Quellen: Auflistung der archivalischen Dokumente.
9.2. Darstellungen: Auflistung der wissenschaftlichen Literatur.
Nürnberg, Venedig, Pest, Kulturtransfer, Pestpolitik, Pestordnung, Lazarettwesen, Medizinalgesetzgebung, Apothekenwesen, Rochuskult, Fernhandelspatriziat, Mediziner, Frühe Neuzeit, Seuchenbekämpfung, Bestattungswesen.
Die Masterarbeit untersucht den kulturellen Transfer von Seuchenbekämpfungsstrategien zwischen Nürnberg und Venedig in der Zeit vom späten 15. bis zum frühen 16. Jahrhundert.
Zentrale Felder sind die obrigkeitliche Pestpolitik, das Lazarettwesen, die Apothekengesetzgebung sowie die religiöse Verehrung des heiligen Rochus als Pestpatron.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Nürnberg durch den Austausch mit der Seerepublik Venedig eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung moderner, staatlich gelenkter Maßnahmen zur Pestbekämpfung im deutschsprachigen Raum einnahm.
Der Autor stützt sich auf eine quellenkritische Analyse von Ratsverlässen, Ratsbüchern und historischen Chroniken, um Parallelen zwischen nürnbergischen und venezianischen Reglementierungen aufzuzeigen.
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Nürnberger Pestordnungen, die Organisation des Lazarettwesens, die Rolle von Apotheker- und Medizinalordnungen sowie die Bedeutung von Kulturträgern wie Kaufleuten und Studenten bei diesem Transferprozess.
Nürnberg, Venedig, Pestpolitik, Kulturtransfer, Lazarettwesen, Medizinalgesetzgebung und Rochuskult sind die prägenden Begriffe.
Die Familie Imhoff fungierte als Bindeglied zwischen den beiden Städten; sie waren als reiche Fernhändler in Venedig vernetzt und besetzten in Nürnberg gleichzeitig politische Führungspositionen, über die sie Innovationen aus Italien in die Stadtverwaltung einbrachten.
Nürnberg reagierte im Vergleich zu anderen deutschen Städten wesentlich früher und konsequenter mit der Etablierung komplexer Pestordnungen, spezialisierter Pestbehörden und der Gründung eines Pesthospitals nach dem Vorbild der Serenissima.
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