Bachelorarbeit, 2014
52 Seiten, Note: 1,5
Organisation und Verwaltung - Öffentliche Sicherheit und Ordnung
1. Einleitung
2. Theorie
3. Forschungsfrage, Methode und Konzeptspezifikation
3.1 Die Forschungsfrage
3.2 Die Prozessanalyse
3.3 Darstellung der kausalen Mechanismen in Sozialen System nach Hedström/Ylikoski 2010
3.4 Die Co-Variational Analysis
3.5 Die Fallauswahl
4. Prozessanalyse des Falles Kevin aus Bremen 2007
4.1 Fallbeschreibung Kevin
4.1.1 Hintergrund der Eltern und Aufbau des Jugendamtes Bremen
4.1.2 Fallhergang von der Geburt bis zum Tod der Mutter und des Eingreifens der Vorgesetzten des Casemanagers
4.1.3 Vom Einsetzen der Vorgesetzten bis zum Auffinden von Kevins Leichnam
4.1.4 Konsequenzen für die Beteiligten
4.2 Notwendige Bedingungen im Fall Kevin
4.2.1 Unvollständige und schwammige Vorgaben bei den Dienstanweisungen und Fachlichen Weisungen für die Casemanager
4.2.2 Frühe Festlegung auf das Wohl der Eltern bzw. das des Ziehvaters anstatt des Kindes als notwendige Bedingung
4.2.3 Keine unmittelbare Kontrolle des Casemanagers durch seine Vorgesetzten
4.3 Beitragende Faktoren
4.4 Hinreichende Bedingung
4.5 Kausale Mechanismen
4.5.1 Fallbezogener Mechanismus: Nicht-antizipierte Folgen sozialen Handelns
4.5.2 Fallbezogener Mechanismus: Pfadabhängigkeit
4.5.3 Struktureller, kausaler Mechanismus: Strukturbedingte Informationsasymmetrien
4.5.4 Struktureller, kausaler Mechanismus: Prinzipal-Agenten Problem
4.5.5 Struktureller, kausaler Mechanismus: Frage der Zuständigkeit
4.6 Wendepunkte im Fall Kevin
4.6.1 Erster Wendepunkt: Kevins Entlassung aus dem Krankenhaus mit seinen Eltern nach der Geburt
4.6.2 Zweiter Wendepunkt: Diagnose der Kindesmisshandlung („battered-child-sysndrom") des Kinderarztes und der Prof.-Hess-Kinderklinik am 14. Oktober 2004
4.6.3 Dritter Wendepunkt: Tod der Mutter und Herausgabe von Kevin an den Ziehvater
4.7 Die critical juncture im Fall Kevin: Die Fallkonferenzen am 6. März und 20. April 2006
5. Die Co-Variational Analysis
5.1 Der Fall Jessica 2005
5.2 Der Fall Lea-Sophie 2007
5.3 Der Fall Lara-Mia 2009
5.4 Der Fall Chantal 2012
5.5 Zusammenfassung der Analysen
6. Erörterung der Ergebnisse
7. Fazit
Die Arbeit untersucht, ob strukturelle, kausale Mechanismen, die als Ergebnis einer Prozessanalyse bei Verwaltungsversagen identifiziert wurden, als Indikatoren auf andere, ähnliche Fälle übertragen werden können, um fehlerhafte Strukturen in Behörden frühzeitig zu erkennen.
4.5.1 Fallbezogener Mechanismus: Nicht-antizipierte Folgen sozialen Handelns
Ein kausaler Mechanismus im Fall Kevin ist die nicht-antizipierten Folgen des Handelns (vgl. Merton 1996 S.173-182) des Casemanagers. Wie bei den notwendigen Bedingungen beschrieben, handelte der Casemanager fast ausschließlich zum Wohl der Eltern bzw. des Ziehvaters. Auch der Amtsvormund handelte aus Mitleid und Sorge um den Ziehvater (vgl. Bremische Bürgerschaft 2007 S.76). Sie waren beide der Auffassung, dass es das Beste für Kevin ist bei seinen Eltern bzw. seinem Ziehvater zu bleiben. Somit handelten sie aus ihrer Sicht im besten Sinne der Beteiligten und antizipierten nicht die Folgen, die es für Kevin haben könnte.
Im Untersuchungsbericht wird mehrfach deutlich das der Casemanager Kritik abgeblockt hatte, weil er der Meinung war, dass er aus seiner Sicht die beste Lösung für die Familie gefunden habe (vgl. Bremer Bürgschaft 2007 S.96-97, S.104-105, S.113). Die nicht-antizipierten Folgen aus seinen Handlungen waren, dass er Kevins Wohl mehr und mehr aus den Augen verloren und sich mehr auf den Ziehvater konzentriert hat, welcher nicht in der Lage war ein Kind zu versorgen und dieses schwer misshandelt und am Ende getötet hat.
1. Einleitung: Diese Bachelorarbeit befasst sich mit der Bedeutung von Prozessanalysen zur Aufarbeitung von Verwaltungsversagen bei Jugendämtern und der Übertragbarkeit der Ergebnisse auf ähnliche Fälle.
2. Theorie: Das Kapitel diskutiert den theoretischen Rahmen von Fallstudien und mechanismus-basierten Erklärungsansätzen in den Sozialwissenschaften zur Überwindung der „Black Box“ bei Verwaltungsanalysen.
3. Forschungsfrage, Methode und Konzeptspezifikation: Hier wird die Forschungsfrage definiert, die Methodik der Prozessanalyse nach Blatter/Haverland sowie das Schema kausaler Mechanismen nach Hedström/Ylikoski erläutert und die Fallauswahl begründet.
4. Prozessanalyse des Falles Kevin aus Bremen 2007: Eine detaillierte Rekonstruktion des Falls Kevin unter Identifikation notwendiger und hinreichender Bedingungen sowie zentraler struktureller und fallbezogener kausaler Mechanismen.
5. Die Co-Variational Analysis: Der Vergleich des Falls Kevin mit vier weiteren Fällen von Kindeswohlgefährdung (Jessica, Lea-Sophie, Lara-Mia, Chantal) zur Überprüfung der Übertragbarkeit der Mechanismen.
6. Erörterung der Ergebnisse: Die Zusammenführung und kritische Diskussion der Ergebnisse hinsichtlich der Forschungsfrage und der Validität von Prozessanalysen als Indikatoren für strukturelle Mängel.
7. Fazit: Zusammenfassende Darstellung der gewonnenen Erkenntnisse und Ausblick auf den Forschungsbedarf hinsichtlich einer systematischen Fehleranalyse im Kinderschutz.
Prozessanalyse, Verwaltungsversagen, Jugendamt, Kindeswohlgefährdung, kausale Mechanismen, Fallstudie, Co-Variational Analysis, Prinzipal-Agenten Problem, Informationsasymmetrie, Pfadabhängigkeit, soziale Systeme, Strukturfehler, Kinderschutz, Krisenmanagement, Fehleranalyse.
Die Bachelorarbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der Prozessanalyse als Methode zur Aufarbeitung von Verwaltungsversagen, insbesondere im Bereich der Jugendämter bei Kindeswohlgefährdungen.
Zentrale Themen sind die Rekonstruktion von Fallhergängen, die Identifikation kausaler Mechanismen wie Informationsasymmetrien und das Prinzipal-Agenten-Problem sowie die Frage der Übertragbarkeit dieser Erkenntnisse auf ähnliche Verwaltungssysteme.
Das Ziel ist zu prüfen, ob die in einer Prozessanalyse identifizierten strukturellen Mechanismen als Indikatoren dienen können, um bei vergleichbaren Behördenstrukturen frühzeitig auf drohendes Versagen hinzuweisen.
Die Arbeit nutzt die Methode der Prozessanalyse sowie ein Small-N-Design in Form einer Co-Variational Analysis, um kausale Kausalzusammenhänge in sozialen Systemen aufzudecken.
Im Hauptteil erfolgt zunächst eine tiefgehende Prozessanalyse des Falls Kevin (Bremen 2007). Anschließend werden vier weitere Fallbeispiele (Jessica, Lea-Sophie, Lara-Mia, Chantal) vergleichend auf das Auftreten identischer Mechanismen analysiert.
Wichtige Begriffe sind Prozessanalyse, Verwaltungsversagen, Kindeswohl, Kausale Mechanismen, Informationsasymmetrie, Prinzipal-Agenten-Problem und Pfadabhängigkeit.
Der Autor schlussfolgert, dass im Fall Kevin eine Kombination aus mangelnden Kontrollen durch Vorgesetzte, einer Überlastung der Mitarbeiter und unzureichenden internen Informationen zu einem fatale Versagen führte, das durch ein aktiveres Eingreifen hätte verhindert werden können.
Da statistische Analysen bei seltenen, hoch-tragischen Einzelfällen oft nicht möglich sind, ermöglicht die Prozessanalyse das Aufdecken tiefer liegender, struktureller Mängel, die als übertragbare Indikatoren für zukünftige Prävention dienen können.
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