Bachelorarbeit, 2020
45 Seiten
1. Einleitung – Somnambulismus bei Kleist
2. Hauptteil
2.1 Mesmers „Thierischer Magnetismus“
2.1.1 Biographie Mesmers
2.1.2 Der Fall Paradis
2.2 Der Begriff des ‚animalischen Magnetismus‘
2.3 Der animalische Magnetismus im 1800
2.4 Berührungspunkte des „animalischen Magnetismus“ mit Somnambulismus und Traum
2.5 Das Käthchen von Heilbronn – Somnambulismus als Schlüssel zum Unbewussten
2.6 Prinz von Homburg – Manipulation eines Somnambulen
3. Schluss – Zwischen Transzendenz und dem „inneren Sinn“
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Somnambulismus im Werk von Heinrich von Kleist, insbesondere im Kontext des zeitgenössischen Diskurses über den animalischen Magnetismus und die Traumforschung, um aufzuzeigen, wie Kleist diese Phänomene zur Gestaltung unbewusster Prozesse und Kommunikationsformen in seinen Dramen einsetzt.
2.5 Das Käthchen von Heilbronn – Somnambulismus als Schlüssel zum Unbewussten
Protagonistin ist ein junges Mädchen, welches unaufhaltsam und ohne nennbaren Grund einem Grafen auf Schritt und Tritt folgt. Für Theobald, den Vater der Protagonistin, ist der Fall klar: „Friedrich, Graf Wetter vom Strahl, hat mir mein Kind verführt“ und zwar habe er dies mit Hilfe „schändlicher Zauberei“ vollbracht. Was er dabei zu übersehen scheint oder aber nicht wahrhaben will, ist die Tatsache, dass der Graf Käthchen, die eigentlich Katherine heißt, gar nicht bei sich haben möchte. Im Gegenteil, er stößt sie „mit Füßen von“ sich und verjagt sie sogar mit der „Peitsche“.
Auch das Femegericht sieht eine Verzauberung Katherines durch den Grafen nicht gegeben und spricht ihn frei. Dass die Anziehung, die Käthchen zu vom Strahl verspürt, jedoch einer tiefergreifenden Ursache als jugendlicher Liebe – was hier nach Ansicht der Richter vorliegt – entspringen muss, wird dem Leser an einigen Stellen vorgeführt. So nimmt Käthchen allerlei Gefahr und Schmerz – sei es durch den Lendenbruch, den sie sich zuzieht, als sie sich, um dem Grafen zu folgen, aus dem Fenster stürzt, oder durch die Gewaltexzesse von ebenjenem – und zuletzt sogar ihren Tod in Kauf, als sie das Bildnis ihres Geliebten aus dem brennenden Schloss holt.
Während sich Käthchen nicht über den Grund ihrer bedingungslosen Hingabe bewusst ist, entpuppt sich die Gewaltausübung des Grafen als bewusste präventive Maßnahme gegen „seine[...] eigene[...] – gesellschaftlich unmögliche[...] – Liebe zu Käthchen, zur Aufrechterhaltung von Standesgrenzen“.
1. Einleitung – Somnambulismus bei Kleist: Diese Einleitung führt in die Problematik des Somnambulismus bei Kleist ein und definiert das Forschungsziel, die Rolle des tierischen Magnetismus im dramatischen Werk zu untersuchen.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen des Mesmerismus und wendet diese in einer detaillierten Interpretation auf Kleists Dramen „Das Käthchen von Heilbronn“ und „Prinz von Homburg“ an.
2.1 Mesmers „Thierischer Magnetismus“: Dieses Kapitel erläutert die Biografie Franz Anton Mesmers und den historischen Fall der Patientin Maria Theresia Paradis.
2.1.1 Biographie Mesmers: Zusammenfassung des Lebensweges und der frühen akademischen Ausbildung von Franz Anton Mesmer.
2.1.2 Der Fall Paradis: Darstellung des Aufstiegs und Falls der magnetischen Behandlung von Maria Theresia Paradis und der resultierenden Kontroversen.
2.2 Der Begriff des ‚animalischen Magnetismus‘: Erklärung von Mesmers Theorie des physischen Fluidums und der Begriffe Materie und Bewegung.
2.3 Der animalische Magnetismus im 1800: Kontextualisierung des Unbewussten in der Philosophie und Medizin um 1800 unter Bezugnahme auf Wolff und Leibniz.
2.4 Berührungspunkte des „animalischen Magnetismus“ mit Somnambulismus und Traum: Untersuchung der Entwicklung vom mesmerischen Krisenbegriff zum Puységur’schen magnetischen Schlaf.
2.5 Das Käthchen von Heilbronn – Somnambulismus als Schlüssel zum Unbewussten: Analyse der somnambulen Anziehung Käthchens zum Grafen vom Strahl als Instrument zur Aufdeckung unbewusster Wahrheit.
2.6 Prinz von Homburg – Manipulation eines Somnambulen: Untersuchung der instrumentellen Nutzung somnambuler Zustände durch den Kurfürsten als Mittel der politischen Lenkung.
3. Schluss – Zwischen Transzendenz und dem „inneren Sinn“: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, welche den Somnambulismus bei Kleist als psychologisches Instrument der Kommunikation und Manipulation identifiziert.
Somnambulismus, Tierischer Magnetismus, Heinrich von Kleist, Das Käthchen von Heilbronn, Prinz von Homburg, Franz Anton Mesmer, Marquis de Puységur, Unbewusstes, Magnetischer Rapport, Traumforschung, Gotthilf Heinrich von Schubert, Manipulation, Psychologisierung, Kommunikation, Literaturwissenschaft
Die Arbeit untersucht die Rezeption und literarische Verarbeitung von Konzepten des animalischen Magnetismus und des Somnambulismus in zwei ausgewählten Dramen von Heinrich von Kleist.
Die zentralen Felder sind die medizinischen Diskurse des 18. Jahrhunderts, die philosophische Entdeckung des Unbewussten sowie die poetische Umsetzung dieser Konzepte in Kleists Theaterstücken.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kleist somnambule Szenen nutzt, um unbewusste Motivationen der Charaktere offenzulegen und Machtverhältnisse in der Kommunikation zu illustrieren.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die historische medizinische Quellen (Mesmer, Puységur, Schubert) mit Kleists Primärtexten vergleicht.
Neben den theoretischen Grundlagen zum Mesmerismus erfolgt eine detaillierte textimmanente Analyse der Rollen von Käthchen von Heilbronn und dem Prinzen von Homburg als somnambule Figuren.
Kernbegriffe sind insbesondere Somnambulismus, Magnetismus, Unbewusstes, Manipulation und die spezifische Poetologie Heinrich von Kleists.
Während der Somnambulismus bei Käthchen als „Schlüssel“ zum Unbewussten und zur Heilung dient, fungiert er im „Prinz von Homburg“ primär als Medium zur Manipulation und politischen Erziehung des Protagonisten.
Der „innere Sinn“ wird bei Kleist als psychologische Instanz interpretiert, die – oft durch Magnetismus aktiviert – Zugang zu verborgenen Wahrheiten ermöglicht, die dem Wachbewusstsein sonst verschlossen bleiben.
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