Doktorarbeit / Dissertation, 2006
219 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
1.1. Zielsetzungen der Arbeit
1.2. Aufbau der Arbeit
2. Grundlagen
2.1. Public Relations / PR
2.1.1. Begriffsbestimmung
2.1.2 Geschichtliche Entwicklung der Unternehmens-PR
2.1.3 Kernaufgaben und Tätigkeitsfelder
2.1.4. Beispiel einer PR-Kampagne - Hill and Knowlton´s „Free Kuwait“ 1990
2.1.5. Zentraler Analysegegenstand: Pressemitteilungen
2.2. Das Umfeld der PR - Medien und öffentliche Meinung
2.2.1. Basiskenntnisse der Medienprozesse
2.2.2. Nachrichtenfaktoren
2.2.3. „Die“ veröffentlichte Meinung
2.2.4. Eigenschaften der öffentlichen Meinung
2.2.5. Entstehung einer öffentlichen Meinung
2.2.6. Forschungsansätze zur Wirkung der Medien auf die öffentliche Meinung
2.3. Unternehmenskrisen
2.3.1. Sprach- und medienwissenschaftliche Betrachtung
2.3.2. Ursachen
2.3.3. Verlaufsmodelle
3. Empirische Analyse anhand von Fallbeispielen
3.1. Zwei exemplarische Falldarstellungen
3.1.1. Fallstudie I: Die „Tylenol-Morde“ 1982
3.1.1.1. Morde und Massenpanik
3.1.1.2. Erste Phase der Krisen-PR: Eindämmung
3.1.1.3. Zweite Phase der Krisen-PR: Rückkehrkampagne
3.1.2. Fallstudie II: Die „Cola-Kolik“ 1999
3.1.2.1. Die Krise beginnt - Cola schweigt oder verharmlost
3.1.2.2. Widersprüche und Unwahrheiten in mangelhafter Kommunikation
3.1.2.3. Marketingkampagnen und Systemänderungen - aber keine eigentliche Krisen-PR
3.1.2.4. Folgen der mangelhaften Krisen-PR
3.1.3. Erkenntnisse aus den beiden Krisenfällen
3.2. Analysegegenstand und Methoden
3.2.1. Textlinguistik
3.2.2. Kritische Diskursanalyse
3.2.3. Analysemethoden
3.2.3.1. Kontext / Krisenentwicklung
3.2.3.2. Textoberflächenanalyse und Zusammenfassung
3.2.3.3. Sprachlich-rhetorische Mittel
3.2.3.4. Bewertung der Pressemitteilung
3.2.3.5. Zusammenfassung: Leitfragen der Analyse
3.3. Analyse von Pressemitteilungen in Unternehmenskrisen
3.3.1. Der Störfall der Höchst AG 1993
3.3.1.1. Kontext / Krisenentwicklung
3.3.1.2. Die Pressemitteilung der Hoechst AG vom 27. Februar 1993
3.3.1.3. Textoberflächenanalyse und Zusammenfassung
3.3.1.4. Sprachlich-rhetorische Mittel
3.3.1.5. Bewertung der Pressemitteilung
3.3.1.6. Weiterer Verlauf der Krise
3.3.2. Der „Peanuts“-Skandal der Deutsche Bank AG 1994
3.3.2.1. Kontext / Krisenentwicklung
3.3.2.2. Die Pressemitteilung der Deutsche Bank AG vom 18. April 1994
3.3.2.3. Textoberflächenanalyse und Zusammenfassung
3.3.2.4. Sprachlich-rhetorische Mittel
3.3.2.5. Bewertung der Pressemitteilung
3.3.2.6. Weiterer Verlauf der Krise
3.3.3. Der „Elchtest“ der Mercedes A-Klasse 1997 / 1998
3.3.3.1. Kontext / Krisenentwicklung
3.3.3.2. Die Pressemitteilung der Daimler-Benz AG vom 9. Dezember 1997
3.3.3.3. Textoberflächenanalyse und Zusammenfassung
3.3.3.4. Sprachlich-rhetorische Mittel
3.3.3.5. Bewertung der Pressemitteilung
3.3.3.6. Weiterer Verlauf der Krise
4. Ergebnisdarstellung
4.1. Zusammenfassung der Analyseergebnisse - Forderungen an die Krisen-PR
Ziel der Arbeit ist es, die Rolle von Pressemitteilungen als einflussreiches Instrument der Unternehmenskommunikation in Krisensituationen zu untersuchen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie Unternehmen durch sprachlich-rhetorische Techniken in Pressemitteilungen den öffentlichen Krisendiskurs beeinflussen und zur Bewältigung von Vertrauenskrisen beitragen können.
3.1.1.1. Morde und Massenpanik
Frühmorgens am 30. September 1982 erwacht die zwölfjährige Mary Kellerman in einem Vorort Chicagos mit Halsschmerzen. Ihre Eltern geben ihr eine Kapsel des Schmerzmittels „Tylenol Extrastark“ und schicken sie zurück ins Bett. Kurz darauf ist das Kind tot. Wenige Stunden später stirbt in einem anderem Chicagoer Vorort der 27jährige Adam Janus aus unbekannter Ursache. Als seine Familie abends in seinem Haus zusammenkommt, sterben plötzlich auch sein Bruder und dessen Frau. Dadurch entdeckt die Polizei am folgenden Tag, dass das frei verkäufliche Schmerzmittel Tylenol die Todesfälle herbeigeführt hat. Adam Janus´ Bruder und seine Frau hatten bei der Trauerzusammenkunft im Haus des Verstorbenen aufgrund von Kopfschmerzen Tylenol-Kapseln aus seiner Flasche eingenommen.
Insgesamt sieben Menschen sterben am 30. September und 1. Oktober 1982 durch die Einnahme einer mit jeweils 65 Milligramm des Atemgiftes Zyanid gefüllten Kapsel „Tylenol Extrastark“. Zyanid lähmt die innere Atmung und führt bereits ab einer Menge von fünf Mikrogramm den sicheren Tod eines Menschen herbei, in den Kapseln befindet sich also das über zehntausendfache einer tödlichen Dosis.
Die Nachricht über das zyanidverseuchte Medikament verbreitet sich schnell. Am folgenden Tag füllt das vergiftete Tylenol die Titelschlagzeilen der großen Zeitungen. Ein Reporter nennt die Tragödie „one of the most heavily covered news events since Vietnam.“ Einer Studie zufolge wissen 90 % der US-Amerikaner in der ersten Woche der Krise über die Todesfälle Bescheid, eine landesweite Panik setzt ein: „People all over the country wondered if the Tylenol in their medicine cabinet had the power to take their life. (…) It struck home with the force of an ancient fear. The routine purchases of everyday life at once seemed ominous and threatening.“ Um einen Maßstab zu liefern: In den USA kamen 1998 auf jeden Einwohner elf verordnete Medikamente, frei verkäufliche Ware wie Tylenol nicht einbezogen. Ein Krankenhaus in Chicago erhält täglich bis zu 700 Anrufe wegen angeblicher Vergiftungssymptome nach der Einnahme von Tylenol. Im ganzen Land werden Menschen mit Verdacht auf Zyanidvergiftungen in die Notaufnahmen eingeliefert. Das „Newsweek Magazine“ zitiert einen Arzt: „I prefer to call this American roulette: Russian roulette with drugs.“
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung der Beeinflussung von öffentlichen Diskursen durch Unternehmens-PR ein und definiert das Ziel, die Bedeutung von Pressemitteilungen als Analysegegenstand zu begründen.
2. Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Fundamente von Public Relations, die Mechanismen der Medienlandschaft sowie die Natur von Unternehmenskrisen als Kommunikationsphänomene.
3. Empirische Analyse anhand von Fallbeispielen: Hier werden drei prominente deutsche Öffentlichkeitskrisen (Hoechst, Deutsche Bank, Daimler-Benz) detailliert analysiert, um spezifische Kommunikationsfehler und rhetorische Strategien in der Krise zu identifizieren.
4. Ergebnisdarstellung: Das abschließende Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse über Erfolgsfaktoren in der Krisenkommunikation zusammen und leitet Forderungen für eine verbesserte, ethisch geleitete Krisen-PR ab.
Krisen-PR, Pressemitteilungen, Öffentlichkeitsarbeit, Krisenmanagement, Unternehmenskommunikation, Medienwirkung, Kritische Diskursanalyse, Textlinguistik, Glaubwürdigkeit, Vertrauenskrise, Nachrichtenfaktoren, Medienagenda, Fallstudien, Kommunikation, Deutungsbeeinflussung
Die Arbeit untersucht, wie Unternehmen in Krisensituationen durch Pressemitteilungen die mediale Berichterstattung und damit die öffentliche Wahrnehmung zu beeinflussen versuchen.
Zentral sind die Dynamik zwischen Wirtschaft und Medien, die linguistische Analyse von Krisenkommunikation sowie die Rolle von Vertrauen und Glaubwürdigkeit bei der Skandalbewältigung.
Ziel ist es, die Lücke in der wissenschaftlichen Literatur zur Krisen-PR zu schließen, indem die sprachlichen Techniken und Mechanismen identifiziert werden, die PR-Experten zur Krisenbewältigung einsetzen.
Die Arbeit nutzt die Kritische Diskursanalyse nach Siegfried Jäger sowie textlinguistische Ansätze, um die Wirkung von Unternehmens-Botschaften in Krisenzeiten methodisch zu erfassen.
Der Hauptteil analysiert drei bedeutende Krisenfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte (Hoechst AG, Deutsche Bank, Daimler-Benz) anhand ihrer Pressemitteilungen, um Strategien und Defizite in der Krisenkommunikation offenzulegen.
Zu den prägenden Begriffen gehören Krisen-PR, Glaubwürdigkeit, Medienagenda, Deutungsbeeinflussung und Unternehmenskommunikation.
Der Autor zeigt auf, dass Pressemitteilungen oft versuchen, eine eigene "Medienrealität" zu schaffen, indem sie Fakten selektieren, interpretieren und als unumstößliche Deutungen präsentieren, um das öffentliche Bild des Unternehmens zu stabilisieren.
Schweigen schafft ein Informationsvakuum, das zwangsläufig durch Gerüchte, externe Spekulationen und eine negative Berichterstattung gefüllt wird, was den Vertrauensverlust massiv beschleunigt.
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