Masterarbeit, 2015
89 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1 Wohlfahrtspluralismus im Kontext sozialstaatlicher Umbaumaßnahmen
1.1 Wohlfahrtspluralismus: Der Dritte Sektor
1.1.1 Eine ordnungsschematische Betrachtung: Die Vier-Sektoren-Theorie
1.1.2 Solidarität
1.1.3 Interdependenzen und Interpenetrationen
1.2 Ökonomisierung und Ökonomismus
1.2.1 Effizienz und Effektivität
1.2.2 Selbstzweck des Markts
1.3 Sozialpolitische Umstrukturierung, Legitimationskrisen und Paradigmenwechsel im professionellen Hilfesystem
1.3.1 Umbau des Sozialstaats
1.3.2 Soziale Dienste unter Legitimierungsdruck
1.3.3 Neuorientierungen in der Heil- und Sonderpädagogik
2 Gültiges Wissen, Professionalität und Dienstleistung im Kontext sozialer Aushandlungsprozesse
2.1 Die Evidenzdiskussion im Gesundheits- und Sozialwesen
2.1.1 Wozu Evidenz?
2.1.2 Evidenz und evidence – eine semantische Hürde
2.1.3 Das Konzept der Evidenzbasierten Medizin (EbM) nach Sackett et al.
2.1.4 Die Rezeption der EbM im Gesundheits- und Sozialwesen
2.1.5 Die beste verfügbare Evidenz
2.1.6 Evidenztypen: Externe, interne und externalisierte lokale Evidenz
2.1.7 Evidenz und evidence - ein Annäherungsversuch
2.2 Gültiges Wissen und Profession
2.2.1 Sozialität der Erkenntnis nach Fleck
2.2.2 Konsens, Legitimation und Innovation
3.2.3 Professionalität
2.2.4 Vom Transfermodell zum Kooperativen Wissensmodell
2.2.5 Reflexive Wirkungsorientierung
2.3 Personenbezogene Dienstleistung
2.3.1 Soziale Dienstleistung und Ko-Produktion
2.3.2 Partizipative Entscheidungsfindung in der Evidenzbasierten Medizin
2.3.3 Besondere Merkmale eines neueren Dienstleistungsverständnisses
2.3.4 Soziale Qualität
2.3.5 Qualitätsausschnitt 1: Helferqualität - wer darf helfen?
2.3.6 Qualitätsausschnitt 2: Vermittlung zwischen „Evidenz“ und dem „Evidenten“
2.3.7 Qualitätsausschnitt 3: Die (vermeintlich) aktive Rolle Professioneller
3 Implikationen eines Motivs Evidenzbasierter Praxis in der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung
3.1 Erbringungsverhältnis und –kontext sozialer Dienstleistung als Spannungsfelder
3.1.1 Das sozialrechtliche Dreiecksverhältnis
3.1.2 Hilfe als komplexes Vertragsverhältnis
3.1.3 Aspekte der Limitation und Kritik des Dienstleistungsverständnisses
3.2 Case Management und Evidenzbasierte Praxis
3.3 Evidenz in lebensweltlichen Bezügen
3.3.1 Das bio-psycho-soziale Modell von Behinderung
3.3.2 Evidenz und Hilfe im Alltäglichen
3.3.3 Exkurs: Das Zeitproblem als Technologiedefizit – eine Skizze
3.3.4 Fallbeispiel: Konflikte der Vertrauensförderung und Entscheidungsfindung
3.4 Weitere Anmerkungen zur Akteurskonzeption im Dienstleistungsprozess
3.4.1 Notwendige Bedingungen einer Perspektivenöffnung
3.4.2 Entscheidungsfähigkeit als handlungstheoretische Grundlage
3.4.3 Der Capability Ansatz aus Sicht einer Befähigungsökonomie
3.4.4 Exkurs: Loyalitätsverhältnisse
3.5 Erkenntnistheoretische und ethische Perspektiven evidenzbasierter Entscheidungen
3.5.1 Drei erkenntnistheoretisch relevante Perspektiven nach Dederich
3.5.2 Ethische Entscheidungskriterien nach Schnell
3.6 Zur Evidenz des Selbsthilfegedankens
3.6.1 Historische Evidenz der Selbsthilfebewegungen in der Behindertenhilfe
3.6.2 Selbsthilfeförderung als Stärkung der Adressatenperspektive
4 Fazit
5 Ausblick
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Anwendbarkeit des Konzepts der "Evidenzbasierten Praxis" im Kontext der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung. Ziel ist es, konzeptionelle Anhaltspunkte zu liefern, um den Evidenzbegriff im Sozialwesen im Sinne eines sozialen Aushandlungsprozesses produktiv zu integrieren und dabei die spezifischen Anforderungen der Behindertenhilfe, wie die Notwendigkeit von Flexibilität und Adressatenorientierung, zu berücksichtigen.
3.3.4 Fallbeispiel: Konflikte der Vertrauensförderung und Entscheidungsfindung
Bei einer Klientin mit einer psychischen und geistigen Behinderung äußerten sich zunehmend Luftprobleme und Müdigkeit. Der langjährig vertraute Hausarzt ging von einem internistischen Befund aus und verwies zu weiteren Untersuchungen an das Krankenhaus. Nach mehreren Untersuchungen stellte sich eine Herzinsuffizienz heraus. Es wurden in den Beratungsgesprächen zwei mögliche Behandlungsoptionen aufgezeigt: Eine konventionelle OP am offenen Herzen und alternativ eine Klappensprengung mithilfe eines Ballons im Rahmen einer örtlichen Betäubung. Die minimalinvasive „Ballon-Methode“ wurde vom behandelnden Arzt empfohlen, da grundsätzlich keine Herzprobleme bei der Klientin vorlagen. In den Gesprächen unter anderem auch im Beisein des Betreuers im Ambulant Betreuten Wohnen zeigten sich einige Schwierigkeiten, die sich vor allem in der Überforderung des Arztes im Umgang mit der Klientin z.B. hinsichtlich der Unsicherheit gegenüber ihrer Reaktionen oder der Wahl angemessener Erklärungsformen zeigte. Es fand schließlich die „Ballon-Methode“ bei örtlicher Betäubung Anwendung, die die Klientin jedoch eigenmächtig abbrach. Für die Fortsetzung der Behandlung wurde schließlich ein anderes Krankenhaus aufgesucht. Es wurde von Beginn an viel Wert auf die Einbindung der Bezugsbetreuer der Klientin gelegt. Auch hier führten einige Voruntersuchungen zu einer Abwägung der o.g. Behandlungsformen aus medizinischer Sicht. Wieder wurde ihr zunächst zur „Ballon-Methode“ geraten. Nach der Erfahrung im ersten Krankenhaus war die Meinung der Klientin jedoch verfestigt und bot keinerlei Restspielraum für Verhandlung. Von einer Priorisierung der konventionellen OP ließ sie nicht ab, sodass die behandelnde Ärztin schließlich an den zuständigen Oberarzt verwies. Aufgrund der Präferenzen der Klientin stimmte dieser schließlich einer OP zu, auch in Kenntnis möglicher wiederkehrender Probleme im Anschluss an die minimalinvasive Behandlungsmethode. Das Vorgespräch zur OP führte mithilfe einer empathischeren und flexibleren Umgangsweise, visuellen Darstellungen und über Rückversicherungen des Arztes im Austausch mit dem Bezugsbetreuer zu einem erkennbar besseren Verständnis und Vertrauen bei der Klientin. Vom Zeitpunkt der Diagnose bis zur Operation vergingen insgesamt eineinhalb Jahre.
1 Wohlfahrtspluralismus im Kontext sozialstaatlicher Umbaumaßnahmen: Das Kapitel verortet den Dritten Sektor im Spannungsfeld von Staat, Markt und Familie und analysiert, wie soziale Dienste unter den Druck von Ökonomisierung und Legitimationsbedarf geraten.
2 Gültiges Wissen, Professionalität und Dienstleistung im Kontext sozialer Aushandlungsprozesse: Hier wird die Evidenzdiskussion aus dem Gesundheitswesen kritisch auf das Sozialwesen übertragen, wobei Konzepte wie das "Kooperative Wissensmodell" als Antwort auf das Transfermodell von Wissen diskutiert werden.
3 Implikationen eines Motivs Evidenzbasierter Praxis in der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung: Dieses Kapitel transferiert die theoretischen Überlegungen in die Praxis der Eingliederungshilfe und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen formalen Anforderungen und individueller Lebensbegleitung.
Evidenzbasierte Praxis, Wohlfahrtspluralismus, Soziale Arbeit, Eingliederungshilfe, Professionalität, Ko-Produktion, Soziale Qualität, Case Management, Behindertenhilfe, Lebensbegleitung, Soziale Aushandlungsprozesse, Evidenz, Partizipative Entscheidungsfindung, Hilfemanagement, Wirkungsorientierung
Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit und die kritischen Potenziale evidenzbasierter Ansätze innerhalb der sozialen Arbeit, insbesondere im Bereich der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen.
Zu den zentralen Themen gehören Wohlfahrtspluralismus, Professionalisierung sozialer Dienste, der Umgang mit Wissen in sozialen Aushandlungsprozessen sowie die Rolle von Evidenz in der Qualitätsentwicklung.
Das primäre Ziel ist es, konzeptionelle Anhaltspunkte zu entwickeln, wie ein evidenzorientierter Ansatz produktiv in das Sozialwesen integriert werden kann, ohne dabei die spezifischen Bedürfnisse der Klienten zu vernachlässigen.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und Diskursanalyse, die verschiedene wissenschaftliche Modelle (wie z.B. das Kooperative Wissensmodell oder Case Management) in Bezug auf ihre Relevanz für das Handlungsfeld der Eingliederungshilfe zueinander in Beziehung setzt.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit dem Evidenzbegriff, der Differenzierung von Wissensformen, den Anforderungen an eine "Soziale Qualität" sowie den Implikationen für das Ambulant Betreute Wohnen.
Wichtige Begriffe sind Evidenzbasierte Praxis, Ko-Produktion, Soziale Aushandlung, Behindertenhilfe, Professionalität und Lebensbegleitung.
Das Ambulant Betreute Wohnen dient als zentrales Fallbeispiel, da es die Notwendigkeit von hoher Flexibilität, Alltagsbegleitung und individueller Anpassung verdeutlicht, was ein rein technokratisches Evidenzverständnis infrage stellt.
Der soziale Aushandlungsprozess ist das zentrale Element der Arbeit; er bedeutet, dass fachliches Wissen, institutionelle Vorgaben und die individuellen Lebenswelten der Adressaten kooperativ und situativ zueinander in Beziehung gesetzt werden müssen, statt starren Regeln zu folgen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

