Bachelorarbeit, 2017
54 Seiten, Note: 1,3
0. Einleitung
1. Das Anthropozän: Mensch gegen Erdsystem?
1.1. Begriffsklärung
1.2. Die Erdsystemwissenschaft als Grundlage des Anthropozän
1.3. Naturwissenschaftliche Sicht auf das Anthropozän
2. Gesellschaft im Anthropozän – Anthropozän als Diskurs
2.1. Sozialwissenschaftliche Annäherung
2.1. environmental discourses als Mittel der Konzeptionalisierung des Antrhopozän
2.2 Prometheanischer Diskurs: Natur als störende Einschränkung
2.2. Limits & Survival Diskurs: Natur als zu respektierende Schranke
2.3. Diskurse ökologischer Nachhaltigkeit
2.4. Zwischenfazit zum Anthropozän aus sozialwissenschaftlicher Sicht
3. Grundlagen eines marxistischen Ansatzes
3.1. Streitpunkt des Marxschen Naturbegriffes
3.2. Methodisch und theoretische Abgrenzungen
3.3. Der holistische Charakter einer marxistischen Soziologie der Ökologie
4. Natur und Ökonomie
4.1. Vorbemerkung
4.2. Doppelcharakter und immanenter Widerspruch der Ware
4.3. Die Verwertung: Der Widerspruch von unendlicher Zirkulation und endlicher Natur
4.4. Erzeugung von Mehrwert in der Produktion: Naturzerstörung als Resultat des subsumierten Arbeitsprozesses
4.5. Vergrößerung des Mehrwerts: Zwang der Naturnutzung
4.5. Zwischenfazit zum Konnex Natur-Ökonomie
5. Natur und Gesellschaft
5.1. Vorbemerkung
5.2. Die Stoffwechsel-Riss-Theorie
5.3. Ökologischer Imperialismus oder Akkumulationsregime?
5.4. Das Anthropozän in marxistischer Theorie: Der globale Riss und seine Grenzen
5.5. Der Wert-Fetisch: Subjektive Handlungsrahmen des Mensch-Natur Verhältnis
5.6. Theoretische Divergenzen: Vom Anthropozän ins Kapitalozän?
6. Schluss und Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht das Anthropozän aus einer marxistischen Perspektive, um die sozio-ökonomischen Ursachen und Konsequenzen dieser neuen Epoche kritisch zu hinterfragen. Ziel ist es, ein marxistisches Framework zu entwickeln, das über rein naturwissenschaftliche Erklärungen hinausgeht und die Interaktion zwischen kapitalistischer Produktionsweise und ökologischen Stoffwechseln analysiert.
0. Einleitung
"Après moi le déluge!“: Nach mir die Sintflut! Mit diesen Worten charakterisiert Marx im ersten Band des Kapitals die gleichgültige Position von Fabrikeigentümern gegenüber den sozialen Folgen ihres Wirtschaftens (MEW 23: 285). Der ökologische Bezug des Zitates ist höchstes eine Konnotation, es bezieht sich vollständig auf die sozio-ökonomischen Phänomene in Form einer dahinsiechenden Schicht von Lohnarbeitern, die der sich entfaltende Kapitalismus des 19. Jahrhunderts hervorbrachte. Dabei erscheint das mythische Bild einer Sintflut heute jedoch aktueller denn je.
Die Gefahr, dass in Konsequenz eines sich erwärmenden Erdklimas erhebliche Teile bewohnten Landes von einem steigendem Meeresspiegel 'geschluckt' werden, ist eines der plastischeren Szenarien, die in Konsequenz eines sich veränderten Klimas drohen (Vgl. Foster et al. 2010: 424f.) Der Grad menschlichen Einflusses auf ökologische Prozesse hat sich in wenigen Jahren dermaßen verschärft, dass von einer neuen Qualität der Einwirkung gesprochen werden kann.
0. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Anthropozän ein und verknüpft das Marxsche Zitat "Après moi le déluge" mit heutigen ökologischen Krisenszenarien.
1. Das Anthropozän: Mensch gegen Erdsystem?: Dieses Kapitel beleuchtet die naturwissenschaftlichen Ursprünge des Anthropozän-Begriffs sowie dessen Bedeutung in der Erdsystemwissenschaft.
2. Gesellschaft im Anthropozän – Anthropozän als Diskurs: Hier werden verschiedene soziologische Diskurse hinsichtlich ihrer Konzeptualisierung von Umwelt und Natur untersucht.
3. Grundlagen eines marxistischen Ansatzes: Das Kapitel diskutiert den Marxschen Naturbegriff und setzt den theoretischen Rahmen für eine marxistische Soziologie der Ökologie.
4. Natur und Ökonomie: Es wird die ökonomische Logik der Kapitalverwertung und deren inhärenter Widerspruch zur endlichen natürlichen Umwelt dargelegt.
5. Natur und Gesellschaft: Dieses Kapitel zentralisiert die Stoffwechsel-Riss-Theorie, um das globale Verhältnis zwischen kapitalistischer Akkumulation und ökologischer Zerstörung zu erklären.
6. Schluss und Resümee: Die Arbeit fasst die zentralen Argumente zusammen und reflektiert über die Notwendigkeit einer systemkritischen Transformation.
Anthropozän, Kapitalozän, Marxistische Theorie, Stoffwechsel-Riss, Kapitalakkumulation, Mehrwert, Naturzerstörung, Ökologischer Imperialismus, Erdsystemwissenschaft, Wert-Fetisch, Nachhaltigkeit, Umweltsoziologie, Wertverwertung, Produktionsweise.
Die Arbeit untersucht das Konzept des Anthropozän aus einer kritisch-marxistischen Perspektive und beleuchtet die ökologischen Folgen der kapitalistischen Produktionsweise.
Zentral sind die Wechselwirkungen zwischen dem kapitalistischen Wirtschaftssystem und den ökologischen Grenzen der Erde, die als Stoffwechsel-Prozesse verstanden werden.
Das Ziel ist die Erarbeitung eines marxistischen Frameworks, das erklärt, warum kapitalistische Akkumulationsregime systematisch ökologische Krisen wie den "Stoffwechsel-Riss" erzeugen.
Es wird ein theoretisch-deduktiver Ansatz gewählt, der auf der Marxschen Ökonomiekritik und aktuellen marxistischen Ansätzen wie der Stoffwechsel-Riss-Theorie basiert.
Der Hauptteil analysiert die Logik der Wertverwertung, die Erzeugung von Mehrwert und wie diese ökonomischen Prozesse zwangsläufig zu einer rücksichtslosen Naturnutzung führen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Anthropozän, Stoffwechsel-Riss, Kapitalakkumulation, Wert-Fetisch und Kapitalozän charakterisieren.
Während das Anthropozän den Fokus auf den menschlichen Einfluss auf das Erdsystem legt, betont das "Kapitalozän" die spezifische Rolle des Kapitalismus als weltökologisches System.
Er beschreibt die Zerstörung natürlicher Kreisläufe durch die kapitalistische Entfremdung von Mensch und Natur, bei der Rohstoffe und Nährstoffe aus ökologischen Systemen entzogen werden.
Die Arbeit kritisiert, dass ökologische Modernisierung die kapitalistische Wachstumslogik unangetastet lässt und ökologische Probleme lediglich durch technokratische Korrekturen oder Marktmechanismen zu lösen versucht.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass eine nachhaltige Transformation nur durch die Überwindung der auf unendlicher Akkumulation basierenden kapitalistischen Ordnung möglich ist.
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