Masterarbeit, 2019
116 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der widersprüchlichen Tendenzen
2.1 Die Antike als Ausgangspunkt
2.2 Die Dialektik bei Immanuel Kant
2.3 Die Dialektik bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel
2.4 Die materialistisch-dialektische Gesellschafts-Theorie von Karl-Marx
2.5 Exkurs: Wilhelm von Humboldt
3. Die kritische Bildungstheorie Heydorns
3.1 Der Widerspruch bei Heinz Joachim Heydorn
3.2 Kategoriale Bestimmungen des Widerspruchs
3.2.1 Die Kohärenz zwischen materialer und formaler Bildung
3.2.2 Das Bewusstsein des Menschen
3.2.3 Mündigkeit durch Rationalität
3.3 Die Fusion der Begriffe
3.4 Zusammenfassung zur kritischen Bildungstheorie
4. Das Bildungssystem in Deutschland
4.1 Einleitung
4.2 Geschichte des Bildungswesens in Deutschland
4.3 Strukturierungen des Schulwesens
4.4 Steuerung des Bildungswesens
4.4.1 Von der Input- zur Outputsteuerung
4.4.2 Bildungsstandards und Kompetenzen
5. Politische Bildung in der Schule
5.1 politdidaktische Entwicklungen
5.2 Der bildungspolitische Rahmen der Politischen Bildung
5.2.1 bildungspolitische Rahmenbedingungen
5.2.2 Standards und Kompetenzen der Politischen Bildung
5.3 kritische Politische Bildung
5.3.1 allgemeine Anmerkungen zur kritischen Politischen Bildung
5.3.2 Positionierung
6. Schlussbetrachtungen
Die Arbeit untersucht das deutsche Bildungssystem unter Berücksichtigung der kritischen Bildungstheorie von Heinz Joachim Heydorn, wobei insbesondere der Widerspruch zwischen Bildungsintention und institutioneller Umsetzung analysiert wird. Ziel ist es, die Auswirkungen aktueller bildungspolitischer Steuerungsmechanismen am Beispiel des Fachs Politische Bildung kritisch zu bewerten und die Möglichkeiten für die Entwicklung politischer Mündigkeit unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auszuloten.
3.2.1 Die Kohärenz zwischen materialer und formaler Bildung
Der Zwiespalt des Begriffes Bildung wird durch Heydorn (1995a) insbesondere bei der kategorialen Aufspaltung dessen in die materiale und formale Bildung sichtbar. Beide haben für sich isoliert genommen einen bestimmten Stellenwert und Platz innerhalb des Bildungsbegriffs, und spiegeln sich nach ihm gleichzeitig auch in ihrer jeweiligen Form in den Bildungsinstitutionen wieder. In der Synthese Beider liegen für ihn letztlich die Perspektiven, die für eine Neufassung von Bildung als kritische Bewusstseinsbildung notwendig sind. Doch was versteht Heydorn unter den Begriffen der materialen und formalen Bildung?
Um dieser Frage nachzukommen, wird zuerst der Begriff der materialen Bildung konkretisiert. Nach Heydorn (1995a) ist dieser eng verbunden mit der Historie der Bildungsinstitutionen und spiegelt sich in dieser wieder. Am Anfang der massenhaften institutionalisierten Bildung stand die Reproduktion der Produktionsverhältnisse, demnach also die Vermittlung von Arbeitsinhalten, die Beherrschung der Natur. Es bestand eine enge Verflechtung zwischen der Produktion und rein materialen Bildungsinhalten, und „erst mit dem Einbrechen der abstrakten industriellen Produktion […]“ (Heydorn, 1995a, S.160) wurde eine inhaltliche Änderung möglich, aber dann auch notwendig. Und dennoch verblieb es, Heydorn weiter folgend, lange bei einem funktionellen Zusammenhang zwischen Arbeitsprozess und bildungstheoretischem Inhalt (vgl. Heydorn, 1995a).
Die materiale Bildung als Prozess zur Erreichung der Mündigkeit über die Natur nimmt dennoch eine zentrale Rolle in der Geschichte der Bildungsinstitutionen ein, v.a. in der Ausbildung der quantitativen Struktur der Institutionen (vgl. Wilsrecht, 2017). Nur durch die Elemente der materialen Bildung, im Zusammenhang mit der Abstrahierung der Produktionsprozesse, bildeten sich die zahlreichen Institutionen und es kam zu einer Vermittlung von Inhalten auf gesonderter Ebene, wie Heydorn schreibt: „Mit ihr setzt Massenbildung an, in ihr ist der uneingelöste Hinweis auf die Bewältigung der materiellen Determination, die sie zugleich voraussetzt“ (Heydorn, 1995a, S.161).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel des deutschen Bildungssystems durch den PISA-Schock und die daraus resultierende Hinwendung zur Output-Steuerung, wobei kritische Stimmen zur Ökonomisierung der Bildung aufgegriffen werden.
2. Die Entwicklung der widersprüchlichen Tendenzen: Dieses Kapitel zeichnet die historische Genese der Dialektik von der Antike bis zu Karl Marx nach, um das theoretische Fundament für Heydorns Denken in Widersprüchen zu legen.
3. Die kritische Bildungstheorie Heydorns: Hier wird Heydorns Kernkonzept erläutert: das Denken in Widersprüchen und die Unterscheidung von materialer und formaler Bildung, die das Spannungsfeld zwischen Herrschaft und Bildung aufspannen.
4. Das Bildungssystem in Deutschland: Es wird die historische und aktuelle Strukturierung des deutschen Schulwesens analysiert, insbesondere im Hinblick auf sozioökonomische Einflüsse und den Wandel der Steuerungsprozesse.
5. Politische Bildung in der Schule: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Erkenntnisse mit dem Fach Politische Bildung und analysiert, inwieweit aktuelle Konzepte der politischen Mündigkeit unter den gegebenen Rahmenbedingungen realisierbar sind.
6. Schlussbetrachtungen: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass die intendierte Mündigkeit durch die Funktionalisierung der Bildungsprozesse erschwert wird und fordert eine verstärkte Einbindung kritischer Bildungselemente.
Kritische Bildungstheorie, Heinz Joachim Heydorn, Mündigkeit, Bildung und Herrschaft, Dialektik, Output-Steuerung, PISA-Schock, Politische Bildung, Kompetenzorientierung, Sozioökonomischer Status, Bildungsreform, Bildungsstandards, Gesellschaftliche Reproduktion, Emanzipation, Rationalität.
Die Arbeit analysiert das deutsche Bildungssystem kritisch auf Basis der Bildungstheorie von Heinz Joachim Heydorn, um aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse und ökonomische Interessen die Bildungsprozesse prägen.
Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Grundlagen der Dialektik, die Entwicklung des deutschen Bildungssystems, die Rolle von Bildungsstandards und Kompetenzen sowie die Herausforderungen der politischen Bildung in der Schule.
Ziel ist es zu prüfen, inwieweit Bildungsinstitutionen den Anspruch auf Mündigkeit der Lernenden erfüllen können oder ob sie stattdessen primär der Reproduktion gesellschaftlicher und ökonomischer Verhältnisse dienen.
Die Arbeit nutzt einen bildungstheoretischen und analyseorientierten Ansatz, der vor allem auf der kritischen Bildungstheorie von Heinz Joachim Heydorn aufbaut und diese auf aktuelle bildungspolitische Entwicklungen in Deutschland überträgt.
Im Hauptteil werden zunächst die philosophischen Wurzeln der Dialektik erörtert, anschließend Heydorns Theorie detailliert dargestellt und schließlich diese Theorie auf das deutsche Bildungssystem und das Unterrichtsfach Politik angewandt.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie "Kritische Bildungstheorie", "Mündigkeit", "Output-Steuerung", "Widerspruch von Bildung und Herrschaft" und "Partikuläre Rationalitäten" geprägt.
Der Autor führt den PISA-Schock als zentralen Auslöser für die "Output-Steuerung" an, durch die Bildung in messbare Kompetenzen verwandelt wurde, was nach Heydorn zu einer problematischen Funktionalisierung führt.
Das Fach Politische Bildung dient als beispielhafter Untersuchungsgegenstand, um aufzuzeigen, wie politisch-ökonomische Anforderungen die Erziehung zu Mündigkeit einschränken oder in Richtung Systemkonformität lenken können.
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