Examensarbeit, 2007
103 Seiten, Note: 1,0
1. Sozial- und bildungsgeschichtliche Grundlegung
1.1 Kindheit und Jugend im kaiserzeitlichen Deutschland
1.1.1 Kindheiten
1.1.2 Jugendleben
1.1.2.1 Idealbild der Jugend und gelebte Jugend
1.1.2.2 Organisierte Jugend und Jugendbewegung
1.2 Das deutsche Schulwesen im Kaiserreich
1.2.1 Dichotomie des Schulwesens
1.2.1.1 Höheres Schulwesen
1.2.1.2 Niederes Schulwesen
1.2.2 ‚Untertanenerziehung’
1.3 Schule in der Krise und Reformpädagogik
1.3.1 Bildungs- und Gesellschaftskrise
1.3.2 Populäre reformpädagogische Ansätze
2. Schule und Schüler als Motive der Literatur um 1900
2.1 Versuch einer gattungsmäßigen Bestimmung
2.1.1 Das Schul- und Schülermotiv als Adoleszenzthematik der Kinder- und Jugendliteratur
2.1.1.1 Wurzeln des klassischen beziehungsweise traditionellen Adoleszenzromans
2.1.1.2 Der klassische beziehungsweise traditionelle Adoleszenzroman
2.1.2 Das Schul- und Schülermotiv als Stoffgruppe der Allgemeinliteratur und Zeugnis der literarischen Moderne
2.2 Themen moderner Schul- und Schülergeschichten um 1900
2.2.1 Der Schüler im Angesicht des Feindbildes Schule
2.2.2 Der Schüler im Angesicht seines Seelenlebens
2.2.3 Der Schüler im Angesicht seines sozialen Umfeldes
2.2.4 Der Schüler im Angesicht der Lebenswirklichkeit
2.3 Zwischenbilanz
3. Oscar A. H. Schmitz’ Der Untergang einer Kindheit
3.1 Oscar Adolf Hermann Schmitz – Ein Schriftsteller des Fin de siècle
3.2 Der Untergang einer Kindheit – Literarisierte Autobiographie
3.2.1 Inhalt
3.2.2 Entstehungs- und Wirkungsgeschichte
3.3 Der Untergang einer Kindheit – Ein Schülerroman
3.3.1 Vorbemerkung
3.3.2 Entwicklungsstationen des Protagonisten
3.3.2.1 Früheste Kinderzeit im Geburtshaus – Vorprägung eines inneren Zwiespalts
3.3.2.2 Kinderjahre in der Villa Gabriel – Bindung an Familie und Garten
3.3.2.3 Ende der Kindheit und Beginn der Schülerzeit – Ahnungen von der Schule als „böse Macht“ und Vorboten einer sexuellen Reife
3.3.2.4 Neue Heimat, neue Schule – Das ganze Ausmaß der Schulmisere
3.3.2.5 Erfahrungen der Pubertät – Alte Zerrissenheit und neue Gefühlsdimensionen
3.3.2.6 Künstlerische Reifung – Schule als „Kerker“ des Geistes
3.3.2.7 Die letzten Jahre als Schüler – Akzeptieren der Schule als notwendiges Übel
3.3.3 Bilanz zu Oscar A. H. Schmitz’ Schülerroman
4. Zusammenfassung der Ergebnisse
Die vorliegende Arbeit untersucht das literarische Motiv des an der Schule leidenden Schülers um 1900, um dieses als ein spezifisches Epochenphänomen der beginnenden Moderne zu etablieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die schulspezifische Literatur dieser Zeit von einer bloßen Adoleszenzthematik abgrenzen lässt und welche Rolle die Schule als Spiegel gesellschaftlicher Krisen und autoritärer Strukturen für die psychologische Entwicklung der Protagonisten spielt. Anhand des exemplarischen Romans „Der Untergang einer Kindheit“ von Oscar A. H. Schmitz werden die theoretischen Erkenntnisse vertieft und die spezifische „Décadence“-Problematik im Kontext wilhelminischer Bildungszwänge aufgezeigt.
3.3.2.5 Erfahrungen der Pubertät – Alte Zerrissenheit und neue Gefühlsdimensionen
Das für die Entwicklung zum Jugendlichen so typische Interesse am Zeitvertreib mit Gleichaltrigen kann Lothar nicht teilen. Bis auf wenige Freundschaftsbeziehungen bevorzugt er es, seine freie Zeit allein und abgeschieden zu verbringen, um seinen eigensten Gedanken und Vorlieben nachzugehen. Die vielen Ecken und Winkel der Großstadt werden Lothar in dieser Hinsicht zum bevorzugten Raum. Es sollte angenommen werden, dass in einem Roman aus der Zeit der Jahrhundertwende die Stadt in allen Facetten einer modernen Metropole, das heißt mit Automobilen und großen Einkaufstempeln, Darstellung findet. Dem ist in Der Untergang einer Kindheit jedoch nicht so; Schmitz’ Protagonist Lothar liebt es vielmehr, „Orte und Dinge zu umwandeln, die so uralten täglichen Gepflogenheiten der Menschen dienen, dass sie der Natur an überzeugender Unwandelbarkeit und den Einzelnen überdauernder Zeitlosigkeit gleichkommen: so die alten Märkte, Schenken, Herbergen, Latrinen“.
Lothar ähnelt in diesem Punkt seinen literarischen Leidensgenossen, denn ebenso wie auch Hans Giebenrath den längst vergangenen Kindertagen in melancholischer Erinnerung nachhängt, ist Lothars Wahrnehmung geprägt von Rückwärtsgewandheit und dem Nachdenken über die Ursprünglichkeit und Endlichkeit der Dinge. Weil nun der Großvater in der Altstadt einige Mietshäuser besitzt, in deren niedrig-morschen Räumen schmierige Leute arbeiten und leben, fühlt sich Lothar als Teil dieser angestammten Welt. Dabei übt insbesondere das städtische Volk wie einst auch die Dienstmädchen des Geburtshauses oder der rohe Freund Fritz Herling in seiner Unverfälschtheit eine geheimnisvolle Anziehungskraft auf Lothar aus.
1. Sozial- und bildungsgeschichtliche Grundlegung: Das Kapitel erläutert die sozioökonomischen Bedingungen im Kaiserreich, einschließlich der hierarchischen Familienstrukturen und des dichotomen, autoritär geprägten Schulsystems.
2. Schule und Schüler als Motive der Literatur um 1900: Hier wird die Gattungsfrage erörtert und die schulkritische Literatur als Spiegel der ästhetischen Moderne sowie als Adoleszenzthematik in einen literaturhistorischen Kontext gestellt.
3. Oscar A. H. Schmitz’ Der Untergang einer Kindheit: Dieses Kapitel widmet sich der Person und dem Werk Schmitz’ sowie einer detaillierten Analyse seines Romans als „literarisierte Autobiographie“ und „Schülerroman“.
4. Zusammenfassung der Ergebnisse: Das Fazit fasst die Rolle der schulkritischen Literatur als Ausdruck des Fin de siècle zusammen und bestätigt die Bedeutung des untersuchten Romans als psychologisch tiefgründiges, wenn auch widersprüchliches Epochenzeugnis.
Kaiserreich, Schule, Schulkritik, Fin de siècle, Adoleszenzroman, Bildungsgeschichte, Oscar A. H. Schmitz, Moderne, Literatur um 1900, Décadence, Pubertät, Künstlerproblematik, Identitätskrise, Schülerroman.
Die Hausarbeit untersucht die Darstellung von Schule und Schülern in der deutschen Literatur um 1900, wobei ein besonderer Fokus auf dem Roman „Der Untergang einer Kindheit“ von Oscar A. H. Schmitz liegt.
Zentrale Themen sind die soziale und bildungsgeschichtliche Einordnung des Kaiserreichs, die literarische Auseinandersetzung mit autoritären Erziehungspraktiken sowie das Spannungsfeld zwischen der kindlichen Entwicklung und den Erwartungen einer bürgerlichen Leistungsgesellschaft.
Das Ziel ist es, schulkritische Texte um 1900 nicht nur als Adoleszenzliteratur zu begreifen, sondern sie als epochenspezifische Zeugnisse der „ästhetischen Moderne“ und des „Fin de siècle“ neu zu bewerten.
Die Arbeit nutzt eine literaturhistorische und gattungstheoretische Perspektive, um die Texte in ihrem zeithistorischen Kontext zu analysieren, ergänzt durch biographische Bezüge und vergleichende Werkbetrachtungen.
Neben der theoretischen Herleitung werden die Motive der Schule als „Feindbild“, die Darstellung des Seelenlebens der Schüler und das soziale Umfeld detailliert analysiert und am Beispiel von Schmitz’ Roman exemplarisch manifestiert.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Schulkritik“, „Décadence“, „Kaiserreich“, „Autobiographik“ und „Moderne“ charakterisiert.
Schmitz’ Roman wird als ein weitgehend vergessener, aber hochgradig interessanter Text hervorgehoben, der die Zerrissenheit zwischen künstlerischer Begabung und gesellschaftlicher Anpassung im Fin de siècle besonders deutlich illustriert.
Der „Untergang“ wird nicht als physischer Tod, sondern als der schmerzhafte Verlust der kindlichen Unbeschwertheit und der erzwungenen Integration in ein autoritäres System interpretiert, das den Künstler als Außenseiter ausgrenzt.
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