Diplomarbeit, 1994
106 Seiten, Note: gut
Einleitung
1 Mathematische und physikalische Grundlagen
1.1 Partielle Differentialgleichungen
1.2 Numerische Behandlung parabolischer Anfangsrandwertaufgaben
1.2.1 Differenzenverfahren
1.2.2 Konsistenz, Konvergenz und Stabilität
1.2.3 Das Courant-Friedrichs-Lewy-Kriterium
1.3 Hydrodynamik
1.3.1 Physikalische Erhaltungssätze
1.3.2 Die Grundgleichungen als Anfangsrandwertaufgabe
1.4 Einige meteorologische Elementarphänomene
2 Das meteorologische Modell MM5 (Mesoscale Model 5)
2.1 Aufbau und Konzept des MM5-Modells
2.2 Physikalische Modellierung
2.2.1 Hydrostatische Approximation
2.2.2 Vertikale Modellkoordinate
2.2.3 Projektion des Modellgebiets
2.2.4 Grundgleichungen des MM5-Modells
2.3 Parametrisierung physikalischer Prozesse
2.3.1 Horizontale Diffusion
2.3.2 Feuchtigkeit
2.4 Diskretisierung des Modellgebiets
2.4.1 Horizontale Auflösung als „Staggered Grid“
2.4.2 Vertikale Auflösung in σ-Niveaus
2.5 Finiter-Differenzen-Algorithmus
2.5.1 Diskretisierung der Grundgleichungen
2.5.2 Zeitintegration und Filterung
2.5.3 Seitliche Randbedingungen („Randrelaxation“)
2.6 Sequentielles Programm
3 Konzepte zur Parallelisierung meteorologischer Modelle
3.1 Paralleles Rechnen
3.1.1 Aufbau und Ablauf paralleler Programme
3.1.2 Bewertung paralleler Programme
3.2 Ansätze zur Parallelisierung des MM5
3.2.1 Analyse der Parallelisierbarkeit
3.2.2 Daten-paralleles Modell
3.2.3 Dekomposition des Modellgebiets
4 Parallelisierung des MM5-Programmcodes
4.1 Erfahrungen bei der Portierung des sequentiellen Codes
4.1.1 Portierung des CRAY-Codes in Standard-Fortran
4.1.2 Konvertierung der Daten
4.2 Das parallele MM5-Programm
4.2.1 Datenabhängigkeiten
4.2.2 Partitionierung des Rechengitters
4.2.3 Kommunikation der Prozesse
5 Ergebnisse
5.1 Untersuchungen von Laufzeit, Effizienz und Load-Balancing
5.2 Meteorologische Überprüfung der Ergebnisse
Schlußbetrachtung
Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung von Möglichkeiten zur Parallelisierung meteorologischer Atmosphärenmodelle, wobei als Fallstudie das Programmpaket MM5 (Mesoscale Model 5) verwendet wird. Aufgrund des hohen Rechenaufwands bei feinmaschigen Wettervorhersagemodellen liegt der Fokus darauf, durch die Übertragung auf massiv-parallele Rechnerarchitekturen mit verteiltem Speicher eine signifikante Leistungssteigerung zu erreichen, um feinere räumliche Auflösungen mit vertretbarem Zeitaufwand zu ermöglichen.
2.4.1 Horizontale Auflösung als „Staggered Grid“
Der naheliegende Diskretisierungsansatz für die horizontalen Variablen x und y im MM5-Modell besteht nach Abschnitt 1.2 gerade daraus, daß über das Modellgebiet ein quadratisches, achsenparalleles Gitter mit der konstanten Maschenweite Δs:= Δx = Δy gelegt wird.
In speziellen Problemstellungen ist es günstig oder sogar erforderlich diesen Diskretisierungsansatz weiter zu entwickeln, um z.B. dem Verhalten der Lösungsfunktion besser gerecht zu werden. Neben Gittern mit variablen Maschenweiten oder Dreiecksnetzen spielen in meteorologischen Modellen „Staggered Grids“ eine große Rolle, über die es im Bereich der Meteorologie zahlreiche theoretische wie praktische Untersuchungen gibt. So testen z.B. Arakawa und Lamb verschiedene „Staggered Grids“ anhand einfacher Testgleichungen bezüglich ihrer Approximationseigenschaften [5].
Aus der Klasse der „Staggered Grids“ wird im MM5-Modell ein sogenanntes „Arakawa B - Gitter“ (Arakawa, Lamb 1977) verwendet. Dazu wird zuerst ein quadratisches, achsenparalleles Gitter mit der konstanten Maschenweite Δs in herkömmlicher Weise über das Modellgebiet gelegt (vgl. Figur 1.1 aus Abschnitt 1.2). Dann wird ein zweites Gitter über das Modellgebiet gelegt, das die gleichen Eigenschaften wie das erste hat, aber um Δs/2 in positiver x- bzw. y-Richtung bezüglich des ersten Gitters verschoben ist. Die diskreten Punkte des ersten Gitters werden als „Dot-Points (●)“, die des zweiten Gitters als „Cross-Points (×)“ bezeichnet, um eine eindeutige Zuordnung zu definieren. Die Geschwindigkeitsvariablen p*u und p*v werden an Dot-Points definiert, während alle anderen Diagnose- und Prognosevariablen (p*, p*T, p*qv, φ, σ̇, ρ) an Cross-Points definiert werden (Figur 2.2).
Einleitung: Einführung in die Problematik numerischer Wettervorhersage, die Notwendigkeit von Hochleistungsrechnern und das Ziel der Arbeit, das MM5-Modell auf massiv-parallelen Rechnern zu implementieren.
1 Mathematische und physikalische Grundlagen: Darstellung der mathematischen Theorie partieller Differentialgleichungen, numerischer Differenzenverfahren, Stabilitätskriterien und der hydrodynamischen Erhaltungssätze.
2 Das meteorologische Modell MM5 (Mesoscale Model 5): Detaillierte Beschreibung der physikalischen Modellierung, der Koordinatentransformationen und des zur Diskretisierung verwendeten Finiten-Differenzen-Algorithmus.
3 Konzepte zur Parallelisierung meteorologischer Modelle: Theoretische Untersuchung von Parallelisierungsansätzen, Datenlokalität und den Anforderungen an verteilte Speicherarchitekturen (MIMD-Rechner).
4 Parallelisierung des MM5-Programmcodes: Beschreibung der praktischen Portierung des sequentiellen Quellcodes in Standard-Fortran und die Implementierung des parallelen Konzepts mittels 2D-Dekomposition auf einem Parsytec-System.
5 Ergebnisse: Dokumentation der Performance-Analyse (Speed-Up, Effizienz, Load-Balancing) der parallelen Programmversion sowie die qualitative meteorologische Überprüfung der Simulationsergebnisse.
Schlußbetrachtung: Zusammenfassung der erreichten Ziele, Reflexion über die Parallelisierungsstrategie und Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Bereich der meteorologischen Modellierung auf Parallelrechnern.
Parallelisierung, MM5, Numerische Wettervorhersage, Differenzenverfahren, Hydrodynamik, Massiv-parallele Rechner, Parsytec, Load-Balancing, Datendekomposition, Staggered Grid, Arakawa B-Gitter, Fortran 77, Performance-Analyse, Atmosphärenmodellierung.
Die Arbeit befasst sich mit der Parallelisierung des meteorologischen Modells MM5, um dessen Ausführungsgeschwindigkeit auf massiv-parallelen Rechnerarchitekturen mit verteiltem Speicher zu erhöhen.
Die Schwerpunkte liegen auf den mathematischen Grundlagen der numerischen Modellierung, den Strategien zur Daten-Parallelisierung, der praktischen Portierung eines sequentiellen Codes auf einen Parallelrechner und der quantitativen Bewertung der Performance.
Das primäre Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie ein komplexes, sequentielles meteorologisches Programm effizient auf einen massiv-parallelen Rechner (Parsytec GCel) portiert werden kann, um eine höhere Rechenleistung für detailliertere Wetterprognosen zu erzielen.
Es wird eine 2D-Dekomposition des Modellgebiets („Domain Decomposition“) angewendet, bei der das Rechengitter schachbrettartig in Teilgebiete unterteilt wird, die parallel auf verschiedenen Prozessoren bearbeitet werden.
Der Hauptteil behandelt die physikalische Modellierung (Grundgleichungen, σ-Koordinaten), die mathematische Diskretisierung (Finite-Differenzen-Verfahren), das Konzept der Daten-Parallelisierung und die konkrete technische Umsetzung der Parallelisierung durch entsprechende Datenstrukturen und Kommunikationsroutinen.
Die wichtigsten Begriffe sind Parallelisierung, MM5, Numerische Wettervorhersage, Datendekomposition, Staggered Grid, Load-Balancing und Performance-Analyse.
Die dynamische Randrelaxation wird verwendet, um die prognostizierten Werte an den Randgitterpunkten des Modellgebiets mit externen Daten des größeren Rahmens sanft abzugleichen, um numerische Stabilität zu gewährleisten.
Das Staggered Grid (hier Arakawa B-Gitter) erfordert aufgrund der räumlichen Verschiebung von Variablen eine spezielle Datenstruktur mit Überlappungsbereichen („Ghost Cells“), die nach jedem Zeitschritt zwischen den Prozessoren synchronisiert werden müssen.
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