Diplomarbeit, 2002
94 Seiten, Note: Gut
Einleitung
1. Entwicklung und Verlauf des Phänomens Kindheit
1.1 Die Zeit vor der Entdeckung der Kindheit
1.1.1 Die Antike
1.1.2 Das Mittelalter
1.2 Die Entdeckung der Idee der Kindheit
1.3 Der Bedeutungswandel des Phänomens Kindheit
1.3.1 Allgemeine Entwicklung
1.3.2 Die rechtliche Stellung des Kindes im Wandel der Zeit
1.4 Das Verschwinden der Kindheit
1.4.1 Gründe
1.4.2 Verlauf
1.5 Wie sieht die Situation heute aus?
2. Kostümgeschichte der Kindermode
2.1 Die Zeit vor der französischen Revolution
2.1.1 Die aristokratische Kinderkleidung
2.1.2 Die ländliche Kinderkleidung
2.2 Französische Revolution bis 1815
2.2.1 Die aristokratische Kindermode
2.2.2 Die bürgerliche Kindermode
2.2.3 Die ländliche Kindermode
2.3 Biedermeierkinder
2.3.1 Die bürgerliche Kindermode
2.3.2 Die Kleidung der Arbeiterkinder
2.4 Nachmärz
2.4.1 Die bürgerliche Kindermode
2.4.2 Die Kleidung der Arbeiterkinder
2.5 Kinderkleidung im Kaiserreich
2.5.1 Die Kleidung der Herrschaftskinder
2.5.2 Die Kleidung der Arbeiterkinder
2.6 Reformkleidung und Wandervogelkluft
2.6.1 Der Reformgedanke in der Kinderkleidung
2.6.2 Die Wandervogelkluft
2.7 Kindermode in den 20ern
2.7.1 Die städtisch-bürgerliche Kinderkleidung
2.7.2 Die Kleidung der Arbeiterkinder
2.8 Die Zeit des Nationalsozialismus
2.8.1 Die Uniformen der Jungen
2.8.1.1 Das deutsche Jungvolk
2.8.1.2 Die Hitlerjugend
2.8.2 Die Uniformen der Mädchen
2.8.2.1 Die Jungmädel
2.8.2.2 Bund deutscher Mädel
2.9 Vom zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart
2.9.1 Interview mit Frau Marianne Giretzlehner
2.9.2 Interview mit Frau Gudrun Hirz
2.9.3 Interview mit Frau Gudrun Hirz und ihrer Tochter Astrid
3. Die symbolische Bedeutung der beiden typischen Kinderfarben
3.1 Rosa für die Mädchen
3.2 Blau für die Buben
3.3 Die Umkehrung der Farbbedeutung
4. Befragung
4.1 Fragebögen
4.2 Thesen hinter der Befragung
4.2.1 Wichtigkeit der Mode
4.2.2 Mode und Qualität
4.2.3 Wer hilft beim Aussuchen der Kleidung?
4.2.4 Die Farbigkeit
4.3 Auswertung der Befragung
4.3.1 Wichtigkeit der Mode
4.3.2 Mode und Qualität
4.3.3 Wer hilft beim Aussuchen der Kleidung?
4.3.4 Die Farbigkeit
5. Didaktische Überlegungen
5.1 Zusammenhang mit dem Lehrplan
5.2 Wie sind andere Personen an das Thema Mode im Unterricht herangegangen?
5.2.1 Traute El-Gebali-Rüter
5.2.1 Doris Schmidt
5.2.3 Bärbel Kursawe
5.3 Meine eigenen Überlegungen
5.3.1 Eine Unterrichtssequenz für die 1./2. Klasse
5.3.2 Eine Unterrichtssequenz für die 3./4. Klasse
5.3.3 Weiterführendes zum Thema
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Phänomens Kindheit unter besonderer Berücksichtigung der Kinderkleidung und Mode. Ziel ist es, die gesellschaftliche Stellung des Kindes im Wandel der Zeit zu analysieren und zu prüfen, inwieweit heutige Trends bei Kindern und Jugendlichen (Modebewusstsein, Farbwahl, Einkaufsverhalten) von den historisch gewachsenen Strukturen geprägt sind und welche didaktischen Konsequenzen daraus für den textilen Werkunterricht gezogen werden können.
1.1.1 Die Antike
Wenn man auf die Kunstwerke dieser Zeit sieht, so wird man kein einziges Kind finden, denn die alten Griechen widmeten der Kindheit kaum Aufmerksamkeit. Zwar wurde sie als Zeitabschnitt auf dem Weg zum Erwachsenen festgehalten, aber für etwas Besonderes wurde sie nicht gehalten. Kinder wurden vermutlich früh wie Erwachsene behandelt oder hatten gar keine Rechte, wie die ungestrafte Kindestötung in dieser Zeit beweist. Es wurde also wenig darauf geachtet, was Kindheit in unserem heutigen Sinn ausmacht. Mit der Ausnahme, dass die Griechen der Erziehung besonderes Augenmerk schenkten, was noch heute durch die zahlreiche Literatur zu diesem Thema belegt.
Es besteht kein Zweifel, dass die Griechen die Idee der Schule erfunden haben. Ihr Wort für Schule bedeutet zugleich Muße und spiegelt so die typisch athenische Überzeugung wider, dass ein zivilisierter Mensch, der Muße hat, seine Zeit ganz natürlich mit Denken und Lernen zubringen wird. ( Postman 1983: 17 )
Und man weiß ja, dass die Griechen eine Vielfalt von Schulen gründeten und darin ihre unterschiedlichsten Erziehungsmodelle ausprobierten. Was wiederum beweist, dass den Erwachsenen eine gewisse Besonderheit der Kindheit bewusst war.
1. Entwicklung und Verlauf des Phänomens Kindheit: Dieses Kapitel analysiert die historische Entstehung von Kindheit als soziale Struktur, beeinflusst durch Buchdruck, Schule und gesellschaftliche Vorstellungen.
2. Kostümgeschichte der Kindermode: Eine chronologische Übersicht, wie sich soziale Stellung und Kindheitskonzepte direkt in der Kleidung der jeweiligen Epochen widerspiegelten.
3. Die symbolische Bedeutung der beiden typischen Kinderfarben: Untersuchung des historischen Bedeutungswandels der Farben Blau und Rosa, die erst im 20. Jahrhundert ihre heutige geschlechtsspezifische Zuordnung erhielten.
4. Befragung: Eine empirische Auswertung von Fragebögen bei Kindern und Eltern zum modernen Kauf- und Modeverhalten.
5. Didaktische Überlegungen: Praktische Ansätze und Konzepte, wie die Erkenntnisse über Mode und Kindheit didaktisch im textilen Werkunterricht aufgearbeitet werden können.
Kindheit, Kindermode, Kostümgeschichte, Sozialgeschichte, Bildung, Schamgefühl, Sozialisation, Modebewusstsein, Farbsymbolik, Konsumverhalten, Didaktik, Textilunterricht, Industrialisierung, Erziehung, Kindrechtsentwicklung.
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Wandel der Kindheit im Laufe der Geschichte und zeigt auf, wie sich die jeweilige Wahrnehmung von Kindern in ihrer Kleidung und Mode manifestiert hat.
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung der Kindheit, die Kostümgeschichte der Kindermode, die Symbolik von Farben wie Rosa und Blau sowie eine empirische Befragung zum modernen Modeverhalten heutiger Kinder.
Die Autorin untersucht, wie eng die Mode mit der gesellschaftlichen Stellung des Kindes verknüpft ist und ob sich daraus didaktische Möglichkeiten für die Schule ableiten lassen, um Kinder zu einem bewussten Umgang mit Mode zu erziehen.
Neben einer umfassenden Literaturanalyse (u.a. Postman, Ariés) führt die Autorin eine eigene empirische Fragebogenerhebung durch, um das aktuelle Konsum- und Modeverhalten von Kindern in verschiedenen Altersstufen zu evaluieren.
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Teil (Entwicklung der Kindheit), eine detaillierte Kostümgeschichte und eine Auswertung der Befragung, ergänzt durch didaktische Konzepte für den Unterricht.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Kindheit, Kostümgeschichte, Modebewusstsein, Farbsymbolik, Erziehung und didaktische Vermittlung.
Laut der in der Arbeit zitierten Theorie von Neil Postman schuf der Buchdruck die Voraussetzung für Kindheit, da er eine Wissenskluft zwischen Lesenden (Erwachsenen) und Nicht-Lesenden (Kindern) etablierte.
Die Untersuchung zeigt, dass Rosa historisch gesehen (als "kleines Rot") lange Zeit männlich konnotiert war; die heutige Zuordnung etablierte sich erst um 1920 als Gegenpol zum Blau, das zur Farbe der Arbeitswelt und Marine wurde.
Die Befragung der Autorin zeigt, dass der Übergang zur Hauptschule mit einem deutlichen Anstieg des Modeinteresses und einem stärkeren Bedürfnis korreliert, sich über Kleidung an Peer-Groups anzupassen.
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