Bachelorarbeit, 2019
49 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Theoretische Diskurse in den „Jahrestagen“
2.1. Zusammenhang von individuellem und kollektivem Gedächtnis
2.2. Das Konzept der transgenerationalen Übertragung
2.3. Vergangenheitsbewältigung in der Nachkriegszeit
3. Narrative Inszenierung von Erinnerungen
3.1. Zeit
3.2. Raum
3.3. Modus und Stimme
4. Analyse der Kommunikationssituation
4.1. Kommunikationsverhältnis zwischen Marie und Gesine
4.2. Maries Rolle in der Erzählung
5. „Das Haus“ als literarisches Motiv
5.1. Analyse der narratologischen Funktion
5.1.1. Die Hausnachbildung als „Geschenk“
5.1.2. Die Hausnachbildung als „Gedenkort“
5.1.3. Die Hausnachbildung als „Ergebnissicherung“
5.2. Funktion der Hausnachbildung für die Figuren
5.2.1. Maries Intention
5.2.2. Gesines Interpretation
5.3. Von der Hausnachbildung zum „Puppenhaus“
6. Untersuchung auf eine transgenerationale Weitergabe des Familiengedächtnisses
7. Fazit
Die Arbeit untersucht die narratologische Inszenierung von Gedächtniskonzeptionen in Uwe Johnsons „Jahrestagen“ mit dem Ziel, eine generationsübergreifende Tradierung von Erinnerungen und Traumata nachzuweisen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, ob und wie diese transgenerationale Weitergabe stilistisch und inhaltlich im Roman dargestellt wird.
3.1 Zeit
Auf der erzähltheoretischen Ebene ist der Aspekt der „Zeit“ in den „Jahrestagen“ besonders interessant. Auf der rein formalen Betrachtungsebene liegen zwei zeitlich unterschiedliche Erzählsituationen vor. Die Gegenwart, in der sich Gesine und Marie 1967 bis 1968 befinden, wird der Vergangenheit, von der die Figur Gesine ihrer Tochter berichtet, gegenübergestellt. Die Art der Zusammensetzung aus Gegenwarts und Vergangenheitserzählungen ist offenkundig relevant für die Untersuchung der narratologischen Darstellung von Erinnerungen. Da es sich bei Erinnerungen um einen Aspekt handelt, der durch zeitliche Faktoren determiniert wird, ist die Analyse dieses erzähltheoretischen Mittels relevant.
In der Analyse der „Zeit“, ist zunächst einmal der Zusammenhang von „erzählte[r] Zeit vs. Erzählzeit“ relevant. Bei letzterer handelt es sich nach Martinez und Scheffel um die Zeit, die der Erzähler braucht, um die Geschichte zu erzählen. In den „Jahrestagen“ umfasst sie das Jahr, in dem Gesine ihre Geschichte erzählt, beginnend am „21. August 1967“ bis zum „20.August, 1968“. Abgeschlossen wird das Werk durch die Kapitelüberschrift „Last and Final“, sodass die Erzählung mit einem zeitlichen Indikator endet, der impliziert, dass das Werk in sich abgeschlossen ist. Die „erzählte Zeit“ findet auf einer anderen Ebene statt und ist zu definieren als „Dauer der erzählten Geschichte“. In den Jahrestagen ist sie um einiges länger als die Erzählzeit. Nach Martinez und Scheffel bezeichnet man eine derartige Erzählung als „zeitdehnend“. In dem zuvor angeführten Jahr, in dem Gesine tatsächlich erzählt, werden ihre Vergangenheitserzählungen, beginnend mit ihrer frühesten Erinnerung im August 1931, andauernd bis in die Gegenwart im Jahr 1968 abgehandelt.
Abgesehen von der „Dauer“ der Erzählung ist für Martinez und Scheffel die „Ordnung“ einer Erzählung von Bedeutung.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Gedächtniskonzeptionen und die zentrale Forschungsfrage zur transgenerationalen Weitergabe von Erinnerungen.
2. Theoretische Diskurse in den „Jahrestagen“: Theoretische Grundlegung zu individuellem und kollektivem Gedächtnis sowie Phänomenen der transgenerationalen Übertragung.
3. Narrative Inszenierung von Erinnerungen: Analyse der erzähltheoretischen Mittel wie Zeit, Raum sowie Modus und Stimme in Bezug auf die Erinnerungsdarstellung.
4. Analyse der Kommunikationssituation: Untersuchung des Dialogs zwischen Gesine und Marie als notwendige Bedingung für die Tradierung des Familiengedächtnisses.
5. „Das Haus“ als literarisches Motiv: Detaillierte narratologische Analyse der Hausnachbildung und ihrer Funktionen als Geschenk, Gedenkort und Ergebnissicherung.
6. Untersuchung auf eine transgenerationale Weitergabe des Familiengedächtnisses: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf das Romanwerk zur Verifizierung der transgenerationalen Weitergabe.
7. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Bestätigung der transgenerationalen Tradierung in den „Jahrestagen“.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
Jahrestage, Uwe Johnson, Transgenerationalität, Gedächtniskonzeptionen, Kollektives Gedächtnis, Erinnerungskultur, Trauma, Familiengedächtnis, Narratologie, Hausmotiv, Kommunikation, Vergangenheitsbewältigung, Identität, Generationenwechsel, Mnemotechnik.
Die Arbeit untersucht die narratologische Darstellung von Gedächtniskonzeptionen in Uwe Johnsons „Jahrestagen“ und analysiert, wie Erfahrungen durch einen Generationendialog tradiert werden.
Zu den Kernbereichen gehören das individuelle und kollektive Gedächtnis, die transgenerationale Weitergabe von Traumata sowie die Analyse von erzähltechnischen Mitteln in Johnsons Werk.
Ziel ist es aufzuzeigen, inwieweit die „Jahrestage“ eine literarische Darstellung transgenerationaler Erinnerungstradierung bieten und welche Rolle dabei die Kommunikationssituation und symbolische Motive spielen.
Die Arbeit stützt sich primär auf erzähltheoretische Ansätze (nach Genette sowie Martinez/Scheffel) sowie kulturwissenschaftliche Diskurse zum Gedächtnis (u.a. Assmann, Halbwachs).
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung, die erzähltheoretische Analyse des Werkes, die Untersuchung der Kommunikationssituation und eine detaillierte Deutung des Hausmotivs.
Wichtige Begriffe sind Transgenerationalität, Familiengedächtnis, Trauma, Erzählinstanzen und Mnemotechnik.
Das Haus dient als zentrales Symbol und Gedächtnisort, anhand dessen Gesine und Marie ihre Beziehung zur Vergangenheit und ihre traumatischen Belastungen verhandeln und weiterentwickeln.
Er bildet den Rahmen der Erzählung und fungiert als "intendierte Tradierungsbewegung", ohne die eine Weitergabe des Familiengedächtnisses im Roman nicht möglich wäre.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

