Bachelorarbeit, 2006
49 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Die Völkische Bewegung und ihre Ideologie
2.1. Völkischer Nationalismus
2.2. Vordenker der Völkischen Bewegung
2.3. Organisationen
a)Alldeutscher Verband
b)Antisemitische Parteien
c) Reichshammerbund
3. Völkische Religiosität
3.1. Quellen der Völkischen Religiosität
3.2. Völkisch-religiöse Gruppen
a)Germanengläubige Gruppen
b)Germanenorden
c) Lanz von Liebenfels und die Neutempler
d)Rudolf von Sebottendorf und die Thule-Gesellschaft
4. Fazit
Die Arbeit untersucht die Völkische Bewegung und ihre Religiosität im deutschen Kaiserreich (1871–1919) unter der zentralen Forschungsfrage, inwieweit diese als eigenständige religiöse Form oder als politisches Phänomen der Sakralisierung antimodernen Denkens zu verstehen ist.
Wilhelm Marr (1819 – 1904) und der moderne Antisemitismus
1879 gründete der Berliner Journalist Wilhelm Marr, der zuvor seinen Arbeitsplatz wegen anti-jüdischer Hetze verloren hatte, die „Antisemiten-Liga“, die erste Organisation die den von ihm selbst geprägten Begriff des „Antisemitismus“ im Namen und im Programm führte. Bereits einige Jahre zuvor hatte Marr mit seiner Schrift Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum. Vom nicht confessionellen Standpunkt aus betrachtet (1873) ein breites publizistisches Echo erreicht. 1880 trat Marr zudem als Schriftleiter der antisemitischen Zeitung Deutsche Wacht in Erscheinung, mit dem erklärten Ziel „Das deutsche Vaterland vor der vollständigen Verjudung retten“ zu wollen.
Obwohl wenige Jahre zuvor, mit der deutschen Reichsverfassung von 1871, die vollständige rechtliche Gleichstellung der deutschen Juden kodifiziert worden war, leisteten die Schriften Marrs einen nicht unerheblichen Beitrag zum Wiederaufflammen der Judenfeindlichkeit. Während sich die antijüdische Agitation und Diskriminierung jedoch zuvor, wie beispielsweise bei Paul de Lagarde, auf soziale und religiöse Argumentationen gestützt hatte, wurde sie nun von Marr und anderen Publizisten (namentlich genannt seien an dieser Stelle Eugen Dühring und Adolf Wahrmund) mit Hilfe von Argumenten aus der Rassenlehre fortgeführt.
Der Übergang vom traditionellen Antijudaismus zum rassistisch argumentierenden Antisemitismus - die „Umwandlung des Judentums in eine Rasse“ - war deshalb so gravierend, da der Antisemitismus vor dem Hintergrund des sich zeitgleich ausbreitenden Sozialdarwinismus eine naturgesetzliche Dimension erhielt: Die Biologisierung der Judenfeindlichkeit machte eine Emanzipation oder eine Bekehrung durch eine christliche Taufe unmöglich – wer als Jude geboren wurde blieb – biologisch-genetisch – Jude.
1. Einleitung: Klärung der zentralen Begrifflichkeiten „Völkische Religiosität“ und „Antimodernismus“ sowie Definition des Untersuchungsrahmens und der Forschungshypothese.
2. Die Völkische Bewegung und ihre Ideologie: Skizzierung der geistesgeschichtlichen Grundlagen und Organisationen der Bewegung, die den Rahmen für die Analyse der völkischen Religiosität bilden.
2.1. Völkischer Nationalismus: Untersuchung der Tradition des völkischen Nationalismus und der Mythologisierung des „Volkes“ im 19. Jahrhundert.
2.2. Vordenker der Völkischen Bewegung: Vorstellung einflussreicher Theoretiker wie Gobineau, Lagarde, Marr und Chamberlain, deren Konzepte den völkischen Diskurs maßgeblich prägten.
2.3. Organisationen: Darstellung der strukturellen Vernetzung der Bewegung durch Verbände und Parteien, die als Multiplikatoren völkischer Weltanschauungen dienten.
3. Völkische Religiosität: Analyse der Formierung einer institutionalisierten völkischen Religiosität nach der Jahrhundertwende als integraler Bestandteil der Ideologie.
3.1. Quellen der Völkischen Religiosität: Beleuchtung der Einflüsse von Romantik, Germanenkult und Okkultismus auf die Entstehung völkisch-religiöser Strömungen.
3.2. Völkisch-religiöse Gruppen: Untersuchung spezifischer Gruppierungen und Geheimbünde, deren Weltanschauungen den Übergang in den politischen Radikalismus nach 1918 markieren.
4. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung der Hypothese, dass völkische Religiosität keine eigenständige Religion, sondern eine sakralisierte Form des antimodernen politischen Denkens darstellt.
Völkische Bewegung, Antimodernismus, Völkische Religiosität, Nationalismus, Antisemitismus, Rassenlehre, Sozialdarwinismus, Kaiserreich, Germanenglaube, Thule-Gesellschaft, Alldeutscher Verband, Ariosophie, Politische Religion, Moderne, Ideologie.
Die Arbeit analysiert die „Völkische Religiosität“ in Deutschland zwischen 1871 und 1919. Sie untersucht, ob diese Strömungen als authentische religiöse Ausprägungen oder als ein politisches Phänomen zu verstehen sind, das modernen politischen Zielen eine metaphysische Überhöhung verlieh.
Zu den Kernbereichen zählen die geistesgeschichtlichen Wurzeln des völkischen Denkens, die Entwicklung rassistischer Theorien, die Institutionalisierung germanen-religiöser Gruppen und die enge ideologische Verbindung zwischen Antimodernismus und Antisemitismus.
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, dass die Religiosität innerhalb der völkischen Bewegung als Sakralisierung des Politischen fungierte und als Instrument diente, um gegen die Moderne gerichtete, völkisch-nationalistische Weltanschauungen zu radikalisieren.
Die Arbeit stützt sich auf eine Literatur- und ideengeschichtliche Untersuchung, in der die Thesen renommierter Historiker (wie Mosse oder Goodrick-Clarke) aufgegriffen und an exemplarischen Akteuren und Organisationen angewandt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der ideologischen Grundlagen (Vordenker, Nationalismus) und eine Untersuchung konkreter Organisationen (Alldeutscher Verband, Reichshammerbund) sowie völkisch-religiöser Gruppen (Germanenorden, Thule-Gesellschaft, Neutempler).
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie „völkischer Antimodernismus“, „Rassenideologie“, „Sakralisierung des Politischen“, „Germanenverehrung“ und die „Dialektik der Moderne“ charakterisiert.
Der Antisemitismus bildete das integrierende Feindbild, das die verschiedenen Facetten der Moderne bündelte. In der völkischen Religiosität wurde er biologisiert, wodurch die Judenfeindlichkeit eine naturgesetzliche Dimension erhielt.
Die zeitliche Begrenzung soll den Fokus auf die Entstehungsgeschichte der völkischen Ideologie vor der Gründung der NSDAP legen, um die völkische Religiosität als eigenständiges Phänomen antimodernen Denkens zu betrachten, ohne die spätere Entwicklung zum Nationalsozialismus in den Vordergrund zu drängen.
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