Diplomarbeit, 2007
94 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1 Theoretische Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft
1.1 Der ökonomische Liberalismus als Wurzel der Sozialen Marktwirtschaft
1.2 Neoliberalismus und Ordoliberalismus - ideengeschichtliche Erneuerung
1.2.1 Die Freiburger Schule unter W. Eucken
1.2.2 Der soziologische Neoliberalismus um W. Röpke und A. Rüstow
1.3 Christliche Sozialethik
1.3.1 Das Prinzip der Subsidiarität
1.3.2 Das Prinzip der Solidarität
2 A. Müller-Armacks Konzept der Sozialen Marktwirtschaft
2.1 Der Begriff
2.2 Theoretische Einflüsse auf Müller-Armack
2.3 Entstehung der Stileinheit Soziale Marktwirtschaft und Soziale Irenik
2.4 Marktwirtschaft als notwendiges und tragendes Gerüst
2.5 Der soziale Charakter der Marktwirtschaft
2.6 Aufgaben der Politik des Staates
2.7 Soziale Marktwirtschaft als offener Stilgedanke
3 Einführung der Sozialen Marktwirtschaft
3.1 Die wirtschaftliche und politische Situation nach dem Krieg
3.2 Erste Konzepte für eine Nachkriegsordnung
3.3 Vorstellungen der politischen Kräfte - die Sozialisierungsdebatte
3.4 Die Besatzungspolitik der Alliierten und ihr Einfluss auf die deutsche Nachkriegsordnung
3.5 Die deutsche Diskussion um eine Nachkriegsordnung - das Ende der Sozialisierungsdebatte und ihr Ergebnis
3.6 Die Bedeutung der Wirtschafts- und Währungsreform für die Umsetzung der Sozialen Marktwirtschaft
4 Entwicklung von Wirtschaft und Politik in Deutschland seit 1948
4.1 Der Wiederaufbau - das westdeutsche „Wirtschaftswunder“ (1948 - 1966)
4.2 Erste Turbulenzen - Keynesianische Globalsteuerung (1966 - 1982)
4.3 Angebotsorientierte Politik der Regierung Kohl (1982 - 1989)
4.4 Wirtschaftliche und politische Entwicklung nach der Wiedervereinigung (1990 - 1993)
4.5 Letztere Tendenzen im vereinten Deutschland (seit 1994)
5 Subsidiarität und Solidarität als Grundprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft
5.1 Die Grundprinzipien als Gefährdungsmomente der Sozialen Marktwirtschaft
5.1.1 Zielkonflikte zwischen den beiden Grundprinzipien
5.1.2 Überbetonung des Prinzips der Solidarität und ihre Auswirkungen
5.2 Die Grundprinzipien als Erfolgsfaktoren der Sozialen Marktwirtschaft
5.2.1 Erfolgsfaktor Subsidiarität - Die Leistungskraft der deutschen Volkswirtschaft
5.2.2 Erfolgsfaktor Solidarität - Sozialer Friede und Stabilität in Deutschland
5.2.3 Die Kombination beider Prinzipien als Erfolgsfaktor - „Wohlstand für alle“
5.3 Ergebnis der Betrachtung
6 Zusammenfassung
Diese Diplomarbeit untersucht das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft im Spannungsfeld zwischen den Prinzipien der Subsidiarität und Solidarität. Dabei wird analysiert, ob diese Prinzipien als Gefährdungsmomente für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit oder als entscheidende Erfolgsfaktoren für die Stabilität der deutschen Volkswirtschaft zu werten sind.
1.1 Der ökonomische Liberalismus als Wurzel der Sozialen Marktwirtschaft
Als eine wichtige ideengeschichtliche Wurzel des Leitbildes der Sozialen Marktwirtschaft, die insbesondere für das Denken der Ökonomen bedeutsam und prägend ist, zeichnet sich die Ideenwelt des ökonomischen Liberalismus aus (vgl. Gutmann 1998, S. 52).
Der spezifisch ökonomische Liberalismus hat sich, im Zuge einer durch liberale Gesinnung getragenen politischen Bewegung, herausgebildet. Als Reaktion auf das Versagen des protektionistischen Merkantilismus zu Beginn der Industriellen Revolution entstand er in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Er entwickelte sich nicht nur in England, sondern auch in Frankreich durch die Wirtschaftslehre der Physiokratischen Schule1, wobei punktuelle Forderungen nach Freiheit2 auch auf wirtschaftlichem Gebiet bis weit in das 17. Jahrhundert zurückreichen. (vgl. Gutmann 1998, S. 52; Quaas 1999, S. 99)
Seine Grundgedanken verbanden sich mit den Ideen des sich seit Ende des 16. Jahrhunderts entwickelnden politischen Liberalismus, der die vom Feudalismus geprägte politische Ordnung bekämpfte. Vorkämpfer des ökonomischen Liberalismus und einer vollständigen industriellen Bewegungsfreiheit waren vor allem Adam Smith, David Ricardo und John Stuart Mill (Quaas 1999, S. 99).
Das Grundanliegen des Liberalismus als geistige, politische und ökonomische Bewegung gilt dem Nachweis, dass die Menschen aufgrund eigener Einsicht und Erfahrungen fähig sind, ihr gesellschaftliches Zusammenleben zu ordnen, ohne sich dabei irgendwelchen von ´oben´, also von Kirche, Staat, Fürsten oder anderen Obrigkeiten vorgegebenen Werten, Regeln und Institutionen unterwerfen zu müssen (Hamel 1979, S. 18). Die liberale Gesellschaftstheorie geht davon aus, dass eine spontane, aufgrund von autonom handelnden Menschen zustande kommende, freie Ordnung nicht nur möglich, sondern darüber hinaus auch noch produktiver als eine zentral diktierte und kontrollierte Ordnung ist.
1 Theoretische Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft: Erläutert die ideengeschichtlichen Wurzeln, insbesondere den Liberalismus, Ordoliberalismus sowie die christliche Sozialethik.
2 A. Müller-Armacks Konzept der Sozialen Marktwirtschaft: Analysiert den Kern der Konzeption Müller-Armacks und seine Synthese aus Freiheit und sozialem Ausgleich.
3 Einführung der Sozialen Marktwirtschaft: Beschreibt die historische Situation nach dem Zweiten Weltkrieg und die Einflussfaktoren auf die deutsche Nachkriegsordnung.
4 Entwicklung von Wirtschaft und Politik in Deutschland seit 1948: Dokumentiert die verschiedenen politischen Phasen, von der Gründungsphase über das "Wirtschaftswunder" bis zur Wiedervereinigung.
5 Subsidiarität und Solidarität als Grundprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft: Untersucht die beiden Prinzipien kritisch hinsichtlich ihrer Wirkung als Risikofaktoren oder Erfolgsfaktoren.
6 Zusammenfassung: Fasst die theoretischen Erkenntnisse und die historische Überprüfung der Wirksamkeit der Sozialen Marktwirtschaft zusammen.
Soziale Marktwirtschaft, Subsidiarität, Solidarität, Ordoliberalismus, Walter Eucken, Alfred Müller-Armack, Wirtschaftsordnung, Wirtschaftswunder, Soziale Irenik, Marktkonformität, Sozialpolitik, Wettbewerbsordnung, Globalsteuerung, Strukturwandel, Wiedervereinigung.
Die Arbeit analysiert die theoretischen Fundamente und die historische Entwicklung der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland, mit Fokus auf die beiden zentralen Prinzipien der Subsidiarität und Solidarität.
Zu den Schwerpunkten zählen die ordnungstheoretischen Grundlagen des Neoliberalismus, das Konzept von Alfred Müller-Armack, die historische Einführung der Marktwirtschaft in der Nachkriegszeit sowie die wirtschaftspolitische Praxis der BRD bis zur Wiedervereinigung.
Ziel ist es zu klären, ob die Prinzipien Subsidiarität und Solidarität die heutige wirtschaftliche Krise durch ein Systemversagen oder eine Fehlsteuerung (Versagen der Politik) erklären können.
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die primär auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung wirtschaftsgeschichtlicher Daten und Konzepte basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Prinzipien, eine detaillierte Darstellung der Konzepte Müller-Armacks, eine historische Aufarbeitung der wirtschaftlichen Phasen der BRD sowie eine kritische Untersuchung der Prinzipien als Gefährdungs- oder Erfolgsfaktoren.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Soziale Marktwirtschaft, Subsidiarität, Solidarität, Ordnungspolitik und Marktkonformität geprägt.
Die Arbeit betont, dass der Staat nicht als passiver Beobachter, sondern als aktiver Gestalter des ordnungspolitischen Rahmens gefordert ist, wobei Eingriffe marktgerecht sein müssen.
Die Arbeit nutzt die Wiedervereinigung als Exkurs, um aufzuzeigen, dass die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands nicht zwangsläufig an einem Konzeptionsversagen liegen, sondern durch komplexe historische Lasten und den Strukturwandel verstärkt wurden.
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