Examensarbeit, 2006
68 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
2 Verhaltensstörungen bei Kindern an Förderschulen
2.1 Verhaltensstörungen – eine mögliche Komorbidität der Lernbehinderung?
2.2 Verhaltensauffälligkeiten – bestimmte Störungen des Sozialverhaltens
2.2.1 Angst
2.2.2 Aggression
2.2.3 Hyperaktivität
2.3 Was ist soziale Kompetenz?
3 Die tiergestützte Therapie
3.1 Der internationale Forschungsstand
3.2 Begriffsklärung der englischen Fachtermini
3.3 Die Kind-Tier-Beziehung
3.3.1 Die Grenzen der Kind-Tier-Beziehung
4 Reittherapie
4.1 Die Mensch-Pferd-Beziehung
4.2 Historie des Therapeutischen Reitens
4.3 Das Therapeutische Reiten
4.3.1 Hippotherapie
4.3.2 Reiten als Sport für Behinderte
4.3.3 Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten
4.4 Der Reittherapeut
4.4.1 Die Übertragung
4.4.2 Die Gegenübertragung
4.4.3 Widerstand
4.5 Das Pferd
4.5.1 Anforderungen an die Größe des Pferdes
4.5.2 Anforderungen an den Charakter des Pferdes
4.5.3 Die Ausbildung und Haltung des Therapiepferdes
4.5.4 Das Pferd als Co-Therapeut
5 Die Therapie mit verhaltensauffälligen Kindern
5.1 Förderung im senso-motorischen Bereich
5.2 Förderung im kognitiven Bereich
5.3 Förderung im sozial-emotionalen Bereich
6 Das Heilpädagogische Reiten und Voltigieren am praktischen Beispiel
6.1 Protokoll einer ersten Heilpädagogischen Therapieeinheit
6.2 Kommentar zur Heilpädagogischen Therapieeinheit
6.3 Die gefilmte Heilpädagogische Therapieeinheit
6.3.1 Die Kinder
6.3.2 Die Reitstunde
6.4 Soziale Kompetenz fördern, Beziehungsaufbau erlernen
6.5 Selbstvertrauen stärken und Ausgeglichenheit fördern
6.6 Ängste abbauen
6.7 Aggressionen abbauen
6.8 Abschlussgedanken zu meinen Praxiserfahrungen
7 Abschließender Kommentar und kritische Gedanken
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial der tiergestützten Therapie, insbesondere des therapeutischen Reitens, zur Förderung der sozialen und emotionalen Entwicklung von Kindern mit Lern- und Verhaltensauffälligkeiten. Ziel ist es, durch die Analyse von theoretischen Grundlagen und praktischen Beispielen aufzuzeigen, wie der Einsatz des Pferdes als Co-Therapeut positive Verhaltensveränderungen bewirken kann.
Die Kind-Tier-Beziehung
Bei einer Studie im Jahr 1985, bei welcher Kinder nach ihrem größten Wunsch gefragt wurden, fiel die Wahl bei einem Viertel der befragten Kinder auf ein eigenes Tier (vgl. GEBHARD 1994). Dieses Ergebnis ist umso bedeutsamer, bedenkt man, dass nur ein einziger Wunsch geäußert werden durfte. „Der Wunsch nach einem Tier gehört zu den tiefsten Kindersehnsüchten“ (GEBHARD 1994, 97).
In einer Studie von PROTHMANN und ETTRICH (2004) wurde die Wirkung der tiergestützten Therapie auf die Befindlichkeit von Kindern und Jugendlichen untersucht. Es zeigte sich, dass selbst eine halbstündige, nicht gezielt therapeutisch ausgerichtete Spielsituation sowohl zu einem signifikanten Anstieg der Vitalität, Daueraufmerksamkeit und sozialen Kontaktfreude, als auch zu einem ausgewogeneren intrapsychischen Gleichgewicht und insgesamt zu einer Verbesserung der Gesamtbefindlichkeit führte. Diese Effekte ließen sich bei der Kontrollgruppe, welche keinen Tierkontakt hatte, nicht nachweisen (vgl. PROTHMANN 2005, 14).
Kinder können von Tieren viel lernen. Nach VANEK-GULLNER (vgl. 2003, 16) sind Kinder, die ein Haustier besitzen, sensibler für das Verständnis mimischer Ausdrucksnuancen als gleichaltrige Nichttierbesitzer. Um dieses zu lernen, haben sie auch mit einem Haustier den richtigen Lehrer. Tiere sind überaus scharfe Beobachter, welche unwillkürliche und unbewusste Zeichen vom Menschen erkennen können. Das Pferd zum Beispiel ist in der Lage, mimische Veränderungen von weniger als einem Fünftel Millimeter Ausschlag wahrzunehmen. Unter Umständen sind Tiere dadurch weit bessere Beobachter als Menschen; wir fühlen uns somit für Tiere oft emotional durchsichtig, was uns sowohl angenehm als auch unangenehm berühren kann. Kindern wird durch die Reaktion der Tiere ihr eigenes Verhalten widergespiegelt. Somit lernen sie ihr eigenes Verhalten zu reflektieren und auf das Verhalten des Gegenübers zu achten (vgl. JACKI/KLOSINSKI 1999, 397).
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Förderungsmöglichkeit von Kindern mit Lern- und Verhaltensauffälligkeiten durch tiergestützte Therapie dar und skizziert den Aufbau der Arbeit.
2 Verhaltensstörungen bei Kindern an Förderschulen: Dieses Kapitel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Lernbehinderung und Verhaltensauffälligkeiten, diskutiert Komorbiditäten und beschreibt häufige Symptome wie Angst, Aggression und Hyperaktivität.
3 Die tiergestützte Therapie: Hier werden der internationale Forschungsstand, die Entwicklung der Fachtermini sowie die essenzielle Bedeutung der Kind-Tier-Beziehung und deren Grenzen wissenschaftlich fundiert erläutert.
4 Reittherapie: Dieser umfangreiche Abschnitt widmet sich der Mensch-Pferd-Beziehung, der Geschichte, den verschiedenen Formen des therapeutischen Reitens, den Anforderungen an den Therapeuten (inkl. Übertragung/Widerstand) sowie den Kriterien für das Therapiepferd.
5 Die Therapie mit verhaltensauffälligen Kindern: Dieses Kapitel analysiert spezifische Fördermöglichkeiten in den Bereichen Motorik, Kognition und dem sozial-emotionalen Bereich durch das therapeutische Reiten.
6 Das Heilpädagogische Reiten und Voltigieren am praktischen Beispiel: Anhand einer Fallstudie des Hofes Wolkenstein werden Therapieeinheiten protokolliert, analysiert und die praktischen Effekte auf die Kinder im Vergleich dargestellt.
7 Abschließender Kommentar und kritische Gedanken: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion der Ergebnisse, einer kritischen Betrachtung der Uneinheitlichkeit der Reittherapie-Ausbildungen und einer Bestätigung der gewählten Forschungsansätze.
Tiergestützte Therapie, Heilpädagogisches Reiten, Verhaltensauffälligkeit, Lernbehinderung, Mensch-Pferd-Beziehung, Sozialkompetenz, Co-Therapeut, Hippotherapie, Förderbedarf, Übertragung, Gegenübertragung, Widerstand, Angststörung, Aggression, Selbstvertrauen
Die Arbeit untersucht die Wirksamkeit der tiergestützten Therapie, speziell des Heilpädagogischen Reitens, zur Unterstützung von Kindern mit Lern- und Verhaltensauffälligkeiten in ihrer Entwicklung.
Neben den psychologischen Grundlagen von Verhaltensstörungen und sozialen Kompetenzen liegt der Fokus auf der Bedeutung der Mensch-Pferd-Beziehung, den therapeutischen Prozessen und den spezifischen Fördermöglichkeiten durch Pferde.
Das Ziel ist zu analysieren, inwiefern das Medium Pferd als "Co-Therapeut" dazu beitragen kann, Kinder in ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung gezielt zu fördern und dabei bestehende Auffälligkeiten zu mildern.
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse (nationaler und internationaler Forschungsstand) und eine qualitative Einzelfallbetrachtung von praktischen Erfahrungen auf einem heilpädagogischen Reithof.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Störungsbildern, die wissenschaftliche Einordnung der tiergestützten Therapie, die spezifische Ausbildung und Rolle des Reittherapeuten sowie die konkreten Fördermöglichkeiten und Fallbeispiele aus der Praxis.
Kernbegriffe sind tiergestützte Therapie, Heilpädagogisches Reiten, Sozialkompetenz, Verhaltensauffälligkeit, Kind-Tier-Beziehung sowie therapeutische Übertragungsprozesse.
Das Pferd fungiert als motivierender Partner, der durch sein offenes und direktes Verhalten dem Kind wertfreie Rückmeldung gibt, Ängste abbaut und eine Brücke für sozialen Kontakt und Beziehungsaufbau schlägt.
Diese Differenzierung dient dazu, die entwicklungsfördernden Effekte des therapeutischen Reitens über einen längeren Zeitraum zu verdeutlichen und den Lernfortschritt bei verschiedenen Ausbildungsständen der Kinder sichtbar zu machen.
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