Bachelorarbeit, 2020
60 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Definitionen
2.1 Öffentlicher Raum
2.2 Privatheit
2.3 Grenzverschiebung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit
3 Handarbeit und Feminismus in der Moderne – Revolutionäre Aktivistinnen
4 Übergang der Handarbeit vom privaten in den öffentlichen Raum – Warum wird die Handarbeit politisiert?
4.1 Historische Hintergründe der Craftistas
4.2 Do-It-Yourself im 19. Jahrhundert und heute
5 Radical Crafting & D.I.Y.-Aktivismus
5.1 Handarbeitsprojekte, Ausstellungen und Werke
5.2 Craftivismus im öffentlichen Raum
5.3 Gattungshierarchien und Geschlechterkonstruktionen
6 Problematik Craftivismus
6.1 D.I.Y. – Produkt, das Märkte schafft, oder Kritik an Konsumgesellschaft?
7 Interviews
7.1 Craftivismus im Kunstunterricht – Interview mit einer Kunstlehrerin
7.2 Interview mit einer Craftivismus-Künstlerin
8 Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht die Politisierung textiler Handarbeit im öffentlichen Raum und analysiert den sogenannten "Craftivismus" als Form des urbanen Protests sowie seine Bedeutung in der heutigen Gesellschaft. Im Fokus steht dabei die Transformation häuslicher Tätigkeiten in einen öffentlichen Akt der Rebellion gegen kapitalistische Konsumstrukturen.
Handarbeit und Feminismus in der Moderne – Revolutionäre Aktivistinnen
Die Tricoteuses (dt. Strickerinnen) galten als politische Aktivistinnen während der französischen Revolution. Sie waren Untergrundkämpferinnen, die mit Stricknadeln gegen das System vorgingen. Am 5. und 6. Oktober 1789 nahmen sie am Zug der Frauen nach Versailles teil, um den französischen König zur Verhaftung nach Paris zu treiben. Zudem wollte eine große Anzahl der revolutionären Strickerinnen zur Errichtung der Jakobinerherrschaft beitragen.15
Die Tricoteuses waren Frauen, die durch Stricken öffentlich gegen das aristokratische sowie patriarchale Herrschaftssystem vorgingen. Indem sie diese private Tätigkeit in die Öffentlichkeit trugen, setzten sie ein Zeichen für gesellschaftliche Teilhabe. Stricken war zuvor als ein Zeitvertreib angesehen worden, der die Frau als typisch weiblich Betätigung klar von der Teilhabe am öffentlichen, männlichen Raum trennte.16
1 Einleitung: Vorstellung des Begriffs Craftivismus und der zentralen Forschungsfrage zur Politisierung der Handarbeit.
2 Definitionen: Klärung der Grundbegriffe öffentlicher Raum, Privatheit und deren Grenzverschiebung im digitalen Zeitalter.
3 Handarbeit und Feminismus in der Moderne – Revolutionäre Aktivistinnen: Historischer Rückblick auf die Rolle der Tricoteuses als frühe politische Aktivistinnen.
4 Übergang der Handarbeit vom privaten in den öffentlichen Raum – Warum wird die Handarbeit politisiert?: Untersuchung der gesellschaftlichen Hintergründe und der Entwicklung der Handarbeit zur Protestform.
5 Radical Crafting & D.I.Y.-Aktivismus: Analyse aktueller Formen des Craftivismus und Vorstellung spezifischer Projekte und Künstlerinnen.
6 Problematik Craftivismus: Kritische Reflexion der D.I.Y.-Kultur im Spannungsfeld zwischen Marktkritik und kommerzieller Vermarktung.
7 Interviews: Qualitative Forschung durch Befragung einer Kunstlehrerin und einer Craftivismus-Künstlerin zur Anwendung und Motivation.
8 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Bedeutung des Craftivismus als Mittel für gesellschaftliche Teilhabe und Veränderung.
Craftivismus, Handarbeit, Politisierung, D.I.Y., Feminismus, öffentlicher Raum, Protest, Konsumkritik, Textilkunst, Geschlechterkonstruktion, Tricoteuses, Radical Crafting, Garn-Guerilla, Prosumer, Kulturwandel.
Die Arbeit befasst sich mit der Bewegung des Craftivismus, bei der textile Handarbeiten als Werkzeug für politischen Aktivismus und urbane Interventionen im öffentlichen Raum eingesetzt werden.
Das Hauptziel ist es zu verstehen, wie Handarbeit als "Privatsache" in den öffentlichen Raum gelangte und welche Bedeutung diese Politisierung für die heutige Gesellschaft hat.
Die Arbeit beleuchtet die historische Rolle von Frauen in der Handarbeit, die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, feministische Kunstpositionen und die Ambivalenz der D.I.Y.-Kultur im globalen Kapitalismus.
Neben einer tiefgehenden Literaturrecherche führt die Autorin eigene empirische Forschung durch, bestehend aus einem Experteninterview mit einer Kunstlehrerin und einem E-Mail-Interview mit einer australischen Craftivismus-Künstlerin.
Der Hauptteil analysiert historische Vorläufer wie die Tricoteuses, stellt moderne Craftivismus-Gruppen und ihre Aktionen vor und diskutiert die Problematik, ob D.I.Y.-Bewegungen als Konsumkritik oder als neue Marktform zu bewerten sind.
Zu den zentralen Begriffen zählen Craftivismus, Feminismus, öffentlicher Raum, Konsumkritik, D.I.Y., Prosumer und Geschlechterkonstruktion.
Sie betont, dass der Kunstunterricht ein entscheidender Ort ist, um Stereotype und Geschlechterhierarchien durch das gemeinsame Arbeiten und das Aufbrechen traditioneller Rollenbilder zu dekonstruieren.
Sie dient als Praxisbeispiel für moderne Craftivismus-Künstlerinnen, die ihre Werke als "Guerrilla Kindness" nutzen, um Fremden den Alltag zu verschönern und einen friedlichen Akt der Rebellion gegen soziale Kälte zu setzen.
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