Diplomarbeit, 2006
288 Seiten, Note: 1,0
1 Annäherung an den Begriff ‚Familie’
1.1 Familienbegriffe
1.2 Annäherung an den in dieser Arbeit verwendeten Familienbegriff
2 Familie und Ehe im Wandel
3 Kennzeichen des aktuellen Wandels
3.1 Wandel der Einstellung zur Ehe
3.1.1 Gesellschaftliche Veränderungen zeigen Einstellungswandel an
3.1.2 Bedeutungswandel der Institution Ehe
3.2 Veränderte Erwartungen an Familie
3.3 Steigende Pluralität der Familienformen und Individualisierung
3.4 Zeitliche Veränderungen der Lebens- und Familienzyklen
3.5 Veränderung der Rollen von Vater und Mutter
3.6 Kindheit und Rolle des Kindes im Wandel
4 Familie und Gewalt
4.1 Annäherung an den Begriff ‚Gewalt’
4.2 Physische Gewalt
4.3 Weitere Gewaltformen
1 Veränderte Sichtweise auf Trennung und Scheidung
2 Trennungs- und Scheidungsursachen
2.1 Wertwandel in der Sinnzuschreibung an Ehe und Partnerschaft
2.2 Abnahme traditioneller Rollenvorgaben
2.3 Veränderung der Partnerbeziehung nach Übergang zur Elternschaft
3 Trennungs- und Scheidungszyklus
3.1 Vorscheidungsphase
3.1.1 Verschlechterung der Partnerbeziehung
3.1.2 Entscheidungskonflikte
3.1.3 Entscheidung zur Trennung ist revidierbar
3.2 Scheidungsphase
3.2.1 Situation und Reaktionen der Erwachsenen allgemein
3.2.2 Situation und Reaktionen der Erwachsenen nach Alter und Geschlecht
3.2.3 Beziehung zwischen den getrennt lebenden Partnern in der Scheidungsphase
3.2.4 Neue Partnerbeziehungen
3.2.5 Situation und Reaktionen der Kinder allgemein
3.2.6 Situation und Reaktionen der Kinder nach Alter und Geschlecht
3.2.7 Geschwisterbeziehungen
3.2.8 Eltern-Kind-Beziehungen in der Scheidungsphase
3.2.9 Zeitraum der gerichtlichen Scheidung
3.3 Nachscheidungsphase
3.3.1 Psychische Scheidung
3.3.2 Beziehung zwischen den getrennt lebenden Partnern in der Nachscheidungsphase
3.3.3 Eltern-Kind-Beziehungen in der Nachscheidungsphase
3.3.4 Ablösung der Partner- von der Elternrolle und Reorganisation
3.3.5 Patchworkfamilien
4 Günstige und ungünstige Trennungs- und Scheidungsverläufe
4.1 Schutz- und Risikofaktoren für die Kinder
4.2 Was Kinder sich von ihren getrennten Eltern wünschen
4.3 Schutz- und Risikofaktoren für die Erwachsenen
4.4 Zusammenspiel von Schutz- und Risikofaktoren
1 Unterstützung durch soziale Netzwerke
1.1 Unterstützung durch verwandtschaftliche Netzwerke
1.2 Unterstützung durch Selbsthilfegruppen
2 Unterstützung durch professionelle Angebote
2.1 Beratungsangebote allgemein
2.2 Scheidungsberatung
2.3 Mediation
2.4 Gruppenintervention für Kinder aus Trennungs- und Scheidungsfamilien
3 Möglichkeiten und Grenzen von Unterstützungsangeboten
1 Vorüberlegungen und methodisches Vorgehen
2 Auswertung der Interviews
2.1 Beginn der Beziehung bzw. Familiengründung
2.2 Vorscheidungsphase
2.2.1 Verschlechterung der Partnerbeziehung
2.2.2 Entscheidungskonflikte
2.2.3 Entscheidung zur Trennung ist revidierbar
2.3 Scheidungsphase
2.3.1 Trennung
2.3.2 Situation und Reaktionen der Erwachsenen
2.3.3 Situation und Reaktionen der Kinder
2.3.4 Zeit der gerichtlichen Scheidung
2.4 Nachscheidungsphase / heute
2.4.1 Beziehung zwischen den ehemaligen Partnern
2.4.2 Eltern-Kind-Beziehungen
2.4.3 Beziehungen in Patchworkfamilien
2.4.4 Neue Partnerbeziehungen
2.5 Möglichkeiten und Grenzen von Unterstützungsangeboten
3 Ausblick
Die Arbeit untersucht die komplexen Dynamiken von Familie, Trennung und Scheidung sowie die Rolle von Unterstützungsangeboten für betroffene Familien. Das primäre Ziel ist es, die Auswirkungen von Trennungsprozessen auf Erwachsene und Kinder zu beleuchten, die Reorganisationsprozesse nach einer Trennung zu verstehen und Chancen sowie Grenzen professioneller und privater Hilfsangebote kritisch zu diskutieren.
3.1.1 Verschlechterung der Partnerbeziehung
Die Verschlechterung der Partnerbeziehung verläuft meist schleichend. Beziehungsstärkende Verhaltensweisen nehmen ab, an sich unbedeutende negativ bewertete Vorkommnisse summieren sich, positive Gefühle werden schwächer und Zufriedenheit sowie die Beziehungsqualität verringern sich. Die eigene Beziehung wird – vor allem im Vergleich mit Beziehungen, die bei anderen Paaren beobachtet werden – zunehmend negativ bewertet (vgl. Textor, 2004a).
Die Verschlechterung der Partnerbeziehung kann sich in einer zunehmenden Konflikthaftigkeit äußern. Streiten gehört zum Familienleben dazu, um Lösungen für anstehende Probleme zu finden. Mit der Klärung der Streitfrage ist der ‚Familienfrieden’ wieder hergestellt, Entspannung stellt sich ein.
Wenn jedoch nicht wirklich um das gestritten wird, woran sich der Streit entzündet hat, sondern wenn Konflikte als Ventil genutzt werden, um Unzufriedenheit zu äußern, dann kann der Streit auch nicht wirklich zu einer Klärung der Atmosphäre führen. Es kommt nur zu einem ‚Scheinfrieden’ bzw. zu einem zeitweiligen ‚Waffenstillstand’, der so lange anhält, bis der nächste Konfliktanlass gefunden ist (vgl. Niesel, 2004). Im Verlauf zahlreicher Konfliktsituationen gehen Geduld und Kompromissbereitschaft immer mehr zurück, während Frustration und Verärgerung wachsen. Manche Paare leben in einer permanent spannungsgeladenen Atmosphäre. Ihre Partnerschaft ist geprägt durch ständige Konflikte, die sich auch in Gewalttätigkeiten entladen können. Andere beginnen, den ständig schwelenden Konflikten aus dem Weg zu gehen.
Statt zu einer erhöhten Konflikthaftigkeit oder zur Konfliktvermeidung kann es auch zu einem Rückzug der Partner voreinander kommen. Sie haben sich immer weniger zu sagen, erleben sich gegenseitig als distanziert, bewegen sich in getrennten Freundeskreisen und konzentrieren sich zunehmend auf ihren Beruf oder ihre Hobbies. Sie entfremden sich einander, Probleme werden verdrängt (vgl. Textor, 2004a).
I FAMILIE: Theoretische Annäherung an den Familienbegriff, gesellschaftlicher Wandel der Familie und die Rolle von Gewalt in familiären Systemen.
II TRENNUNG UND SCHEIDUNG: Analyse der Ursachen von Trennung sowie die detaillierte Darstellung des Trennungs- und Scheidungszyklus in drei Phasen.
III UNTERSTÜTZUNGSANGEBOTE BEI TRENNUNG UND SCHEIDUNG: Vorstellung von privaten sozialen Netzwerken und professionellen Angeboten sowie deren Möglichkeiten und Grenzen.
IV EMPIRISCHER TEIL: INTERVIEWS MIT BETROFFENEN: Auswertung narrativer Interviews mit drei Betroffenen, um theoretische Erkenntnisse mit realen Lebensgeschichten zu verknüpfen.
Familie, Trennung, Scheidung, Scheidungszyklus, Ehe, Elternschaft, Patchworkfamilie, Gewalt in der Familie, Unterstützung, Beratung, Mediation, Kinder, Bindung, Loyalitätskonflikt, Resilienz
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Situation von Familien, die sich in Trennungs- und Scheidungsprozessen befinden, und analysiert, welche Unterstützungsangebote für die Betroffenen hilfreich sein können.
Die Arbeit deckt ein breites Spektrum ab: vom Wandel des Familienbegriffs über die verschiedenen Phasen einer Trennung und Scheidung bis hin zu den psychischen Auswirkungen auf Kinder und Erwachsene sowie den Möglichkeiten professioneller Intervention.
Ziel ist es, den Trennungsprozess als vielschichtiges Ereignis zu verstehen und aufzuzeigen, wie Familien in dieser schwierigen Phase durch soziale Netzwerke oder professionelle Angebote wie Mediation und Beratung entlastet werden können.
Die Arbeit kombiniert einen theoretischen Theorieteil zur Aufarbeitung des wissenschaftlichen Stands mit einem empirischen Teil, in dem drei narrative Interviews mit Betroffenen ausgewertet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Analyse des Familienwandels und der Scheidungsursachen, die detaillierte Beschreibung des Scheidungszyklus (Vorscheidung, Scheidung, Nachscheidung) sowie die Diskussion von Schutz- und Risikofaktoren.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Trennung, Scheidung, Familie, Unterstützungsangebote, Loyalitätskonflikte, Elternschaft und Patchworkfamilien.
Die Arbeit betont, dass die Ablösung der Partnerrolle von der Elternrolle für eine gelungene Reorganisation nach der Trennung entscheidend ist, um die Kinder nicht in die Konflikte zwischen den ehemaligen Partnern hineinzuziehen.
Die psychische Scheidung wird als Voraussetzung für eine konfliktarme Beziehung nach der Trennung beschrieben; sie umfasst die Verarbeitung des Scheiterns der Beziehung und die Verarbeitung eigener Schuldgefühle.
Günstige Verläufe sind dadurch gekennzeichnet, dass Eltern ihre Konflikte konstruktiv bewältigen, die Belastung für die Kinder gering halten und eine stabile, positive Beziehung zu beiden Elternteilen fördern.
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