Bachelorarbeit, 2007
80 Seiten, Note: 2,0
Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
1 Einleitung
2 Forschungsstand
2.1 Kommunikation als Forschungsgegenstand
2.2 Herrschaft als Forschungsgegenstand
2.3 „Absolutismus“
3 Brandenburg im 18. Jahrhundert
4 Formen der Kommunikation
4.1 Supplikationen
4.2 Bekanntmachungen
4.3 Dörfliche Konflikte
4.4 Landes- und Kirchenvisitationen
5 Der frühneuzeitliche Amtsträger als Herrschaftsgarant
5.1 Amtsträgerformen im frühneuzeitlichen Brandenburg
5.2 Aufgaben des Amtsträgers
5.3 Soziale Stellung der Amtsträger
5.4 Die Bedeutung des Amtsträgers
6 Auswertung eines Visitationsprotokolls des Krieges-Raths Cramer
7 Schlussbetrachtungen
8 Anhänge
8.1 Transkribiertes Bereisungsprotokoll (Auszug)
8.2 Bereisungsakte Stendal den 6./7. April 1740 (Kopie)
Die Arbeit untersucht die Herrschaftspraxis im Brandenburg des 18. Jahrhunderts, indem sie Herrschaft nicht als einseitige Anordnung durch einen omnipotenten Herrscher, sondern als komplexen, sozialen Prozess des Aushandelns und Kontrollierens zwischen Obrigkeit und Untertanen betrachtet.
1 Einleitung
Um das Thema Herrschaftspraxis im Brandenburg des 18. Jahrhunderts zu beschreiben, wird oft schnell und ohne größere Überlegungen die bisher noch weit verbreitete Lehrmeinung herangezogen: Das Brandenburg im 18. Jahrhundert, in der friderizianischen Zeit, ging vollends in Preußen und dem Absolutismus, zuweilen in einer aufgeklärten Form desselben, auf. Die ältere Forschung erschuf den schwammigen Begriff des Absolutismus und vermittelte den Eindruck der uneingeschränkten Macht eines Souveräns über seine Untergebenen. Fraglich bleibt hierbei die hohe Anzahl von Unterbedienten, die in den Gebieten eines absoluten Herrschers u. a. für Ordnung und „gute Policey“ sorgten.
Die jüngere Forschung entkräftet nach und nach die Vorstellung eines omnipotenten und omnipräsenten Herrschers, betrachtet die Herrschaftsstrukturen in den sich bildenden Territorialstaaten deutlich feinfühliger und zeigt auf, dass Herrschaft, in seinen unterschiedlichsten Erscheinungsformen, nur durch Kompromisse erhalten blieb: Herrschaft ist der neueren Forschung nach als soziale Praxis zu verstehen.
1 Einleitung: Die Einleitung hinterfragt das klassische Absolutismus-Modell und führt den Forschungsansatz ein, Herrschaft als soziales Aushandeln und Kommunizieren zu verstehen.
2 Forschungsstand: Dieses Kapitel diskutiert verschiedene theoretische Zugriffe auf die Begriffe Kommunikation und Herrschaft im Kontext der Frühen Neuzeit.
3 Brandenburg im 18. Jahrhundert: Der historische Rahmen des preußischen Staates und die Entwicklung unter Friedrich Wilhelm I. sowie Friedrich II. werden beleuchtet.
4 Formen der Kommunikation: Es werden zentrale Interaktionsformen wie Supplikationen, Bekanntmachungen, dörfliche Konflikte sowie Visitationen analysiert.
5 Der frühneuzeitliche Amtsträger als Herrschaftsgarant: Dieses Kapitel untersucht die Rolle, Aufgaben und soziale Stellung der Amtsträger als Bindeglied zwischen Obrigkeit und Untertanen.
6 Auswertung eines Visitationsprotokolls des Krieges-Raths Cramer: Anhand handschriftlicher Quellen wird die praktische Herrschaftskontrolle und Interaktion in der Altmark analysiert.
7 Schlussbetrachtungen: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Herrschaft ein Ergebnis ständiger Kommunikation und Aushandlungsprozesse war.
8 Anhänge: Die Anhänge enthalten transkribierte Bereisungsprotokolle, Quellennachweise und ein Literaturverzeichnis.
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Die Arbeit analysiert die Herrschaftspraxis im Brandenburg des 18. Jahrhunderts und widerlegt die Vorstellung eines starren, absoluten Herrschaftssystems durch die Untersuchung sozialer Interaktionsprozesse.
Zentral sind die Wechselwirkungen zwischen Herrschenden und Beherrschten, die Rolle von Kommunikation, die Funktion lokaler Amtsträger und die Bedeutung staatlicher Kontrollinstanzen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Herrschaft tatsächlich durch Kompromisse, Aushandlungen und Kommunikation zwischen Obrigkeit und Bevölkerung praktiziert und stabilisiert wurde.
Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus theoretischer Aufarbeitung aktueller Forschungsansätze und der empirischen Auswertung handschriftlicher Bereisungsprotokolle des Kriegsrats Cramer.
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen die Formen dörflicher Kommunikation und die Rolle der Amtsträger im Staatswerdungsprozess detailliert analysiert.
Wichtige Begriffe sind Herrschaftspraxis, soziale Kommunikation, Amtsträgerfunktion, Herrschaftskontrolle und das Aushandeln von Interessen.
Sie dienen als konkrete Fallbeispiele, die belegen, dass die Obrigkeit trotz autoritärer Ansprüche auf Beschwerden der Bürger einging und somit lokale Probleme in einen Aushandlungsprozess einbezog.
Das Konzept wird als unpräzise und historisch überholt betrachtet, da es die in der Realität stattfindende Partizipation und die notwendigen Kompromisse mit den Untertanen ignoriert.
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