Bachelorarbeit, 2018
46 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Quellen/Quellenlage
3. Forschungsstand
4. Zufallstheorie
4.1 Die Ernennung von Bonifaz von Montferrat zum Kreuzzugsführer
4.2 Finanzielle Schwierigkeiten
4.3 Das Auftauchen des jungen Alexios
4.4 Exkurs: Der Vierte Kreuzzug in seinen aufeinanderfolgenden und einander bedingenden Ereignissen als Erklärung der Ableitung des Kreuzzuges nach Konstantinopel im Rahmen der Zufallstheorie
5. Intrigentheorie
5.1 Die machtpolitischen Interessen Venedigs
5.2 Ein staufisches Komplott? Die Rolle Philipps von Schwaben und seines Vetters Bonifaz von Montferrat
5.3 Die machtpolitischen Interessen Philipps von Schwaben
5.4 Die persönlichen Interessen des Bonifaz von Montferrat
5.5 Möglichkeiten einer gemeinsamen Intrige
6. Griechenhass der Lateiner
7. Reichtum und Reliquien
8. Fazit
9. Quellenverzeichnis
Diese Arbeit untersucht die historisch umstrittenen Ursachen für die Umleitung des Vierten Kreuzzuges von seinem ursprünglichen Ziel Ägypten hin zur Eroberung und Plünderung Konstantinopels im Jahr 1204. Dabei werden zwei prominente Erklärungsmodelle – die Zufallstheorie und die Intrigentheorie – gegenübergestellt und einer kritischen wissenschaftlichen Untersuchung unterzogen, um zu klären, ob es sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände oder ein geplantes Komplott handelte.
4.3 Das Auftauchen des jungen Alexios
Ein weiteres von den Vertretern der Zufallstheorie ins Feld geführte Argument ist die Flucht Alexios IV. aus der byzantinischen Haft. So sei ohne dessen Auftreten in Zara eine Umleitung des Kreuzzuges unmöglich gewesen.96
Und in der Tat lieferte erst die Ankunft Alexios IV. in Zara um die Jahreswende 1202/1203 einen legitimen Grund für die Umleitung des Kreuzzuges gegen Konstantinopel.97 Schließlich sei Alexios, so argumentierten die Befürworter des Zuges gegen Byzanz, der rechtmäßige Erbe des byzantinischen Reiches, welcher von einem Usurpator, dem jetzigen byzantinischen Kaiser Alexios III., um sein rechtmäßiges Erbe gebracht wurde. Dieses Argument der rechtmäßigen Dynastie ist als Legitimierung der Wendung gegen Konstantinopel nicht zu vernachlässigen, da es auf die mittelalterlichen Ritter und deren Moralvorstellungen großen Eindruck gemacht haben musste.98 Ohne eine solche Legitimation durch das Auftreten des Alexios wären die Versuche, einen Angriff auf Byzanz herbeizuführen, wohl zum Scheitern verurteilt gewesen.99
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Zäsur der Eroberung Konstantinopels 1204 ein und präsentiert die zwei maßgeblichen wissenschaftlichen Theorien, die den Ablenkungsprozess zu erklären versuchen.
2. Quellen/Quellenlage: Dieses Kapitel ordnet und bewertet die zeitgenössischen Chroniken (insb. Villehardouin, Robert de Clari, Niketas Choniates) sowie päpstliche Regesten hinsichtlich ihrer Authentizität und Subjektivität.
3. Forschungsstand: Hier wird der wissenschaftliche Diskurs dargelegt, in dem die Umleitung des Kreuzzuges als eine der größten Kontroversen der Mittelalterforschung identifiziert wird.
4. Zufallstheorie: Dieses Kapitel beleuchtet Ereignisse wie die Ernennung Bonifaz von Montferrats zum Anführer, die finanziellen Notlagen des Kreuzheeres und die Flucht des jungen Alexios als zufällige, aber kausale Faktoren für die Umleitung.
5. Intrigentheorie: Hier werden die machtpolitischen Interessen Venedigs sowie die potenziellen staufischen Ambitionen Philipps von Schwaben und Bonifaz von Montferrats als geplante Strategie gegen Byzanz untersucht.
6. Griechenhass der Lateiner: Dieses Kapitel analysiert, wie die seit dem Schisma 1054 gewachsene Feindschaft und religiöse Stereotype das Vorgehen der Kreuzfahrer gegen Byzanz mental vorbereiteten.
7. Reichtum und Reliquien: Hier wird dargelegt, wie die enorme materielle Gier nach byzantinischen Gütern und der religiöse Wunsch nach Reliquien als zusätzliche Triebfedern für die Plünderung fungierten.
8. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und resümiert, dass die Intrigentheorie trotz fehlender schriftlicher Beweise nicht vollständig widerlegt werden kann, da die Interessenlagen der Akteure eindeutig auf eine Umleitung hindeuteten.
9. Quellenverzeichnis: Ein detailliertes Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Vierter Kreuzzug, Konstantinopel, 1204, Zufallstheorie, Intrigentheorie, Enrico Dandolo, Bonifaz von Montferrat, Philipp von Schwaben, Byzanz, Kreuzzugsgedanke, Geopolitik, Mittelalter, Reliquienraub, Kirchenunion, Kreuzzugsgeschichte.
Die Arbeit untersucht die historische Fragestellung, warum der Vierte Kreuzzug, der eigentlich für einen Feldzug gegen Ägypten vorgesehen war, stattdessen das christliche Konstantinopel angriff.
Der Autor analysiert die sogenannte Zufallstheorie, die das Ereignis als unglückliche Verkettung von Umständen sieht, im Vergleich zur Intrigentheorie, welche von einer bewussten Verschwörung zur Eroberung Byzanz' ausgeht.
Das Ziel ist es, beide Theorien einander gegenüberzustellen, die vorliegenden Quellen kritisch zu prüfen und zu einer fundierten Einschätzung über die Ursachen der Umleitung zu gelangen.
Es wird eine quellenkritische Methode angewandt, bei der die Berichte von Zeitgenossen wie Geoffrey de Villehardouin oder Niketas Choniates analysiert und in den historischen Kontext der Forschungsdiskussion eingeordnet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Zufallsmomenten (z.B. finanzielle Not, Ankunft des jungen Alexios) und die Analyse machtpolitischer Interessen (Venedigs Handelsinteressen, Staufer-Dynastie) sowie psychologischer Faktoren wie den Griechenhass der Lateiner.
Zentrale Begriffe sind der Vierte Kreuzzug, Intrigentheorie, Zufallstheorie, Byzanz, Venedig und die politischen Interessen der beteiligten Akteure.
Dandolo wird als zentraler Akteur und Realpolitiker dargestellt, der geschickt die finanzielle Abhängigkeit der Kreuzfahrer nutzte, um Venedigs Handelsmonopol und wirtschaftliche Interessen in Byzanz zu sichern.
Das Auftauchen des Thronprätendenten lieferte den Kreuzfahrern die juristische und moralische Legitimation, um das byzantinische Reich unter dem Vorwand der Wiedereinsetzung eines rechtmäßigen Herrschers anzugreifen.
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