Bachelorarbeit, 2007
259 Seiten, Note: 1.0
1. Einleitung
2. Chat-Kommunikation
2.1 Technisches und kommunikatives Setting
2.2 Charakteristika der Chat-Kommunikation
2.2.1 Moderierte vs unmoderierte Chats
2.2.2 Sprachliche Besonderheiten der Chat-Kommunikation
3. Schriftlichkeit vs. Mündlichkeit
3.1 Schriftlichkeit vs. Mündlichkeit in der Chat-Kommunikation
4. Konfliktkommunikation
4.1 Dissente Sequenzen und andere nichtkonsensuelle Gesprächsformen
4.2 Inhaltliche Merkmale
4.3 Formale Merkmale
4.4 Zur Rolle von Emotionen in nichtkonsensuellen Gesprächsformen
5. Übertragbarkeit der Organisationsstruktur nicht-konsensueller Gesprächsformen auf die Chat-Kommunikation
5.1 Exemplarische Untersuchung
5.2 Inhaltliche Ebene
5.3 Formale Ebene
5.4 Kompensations- und Substitutionsmöglichkeiten
6. Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, wie Kommunikationsteilnehmer in unmoderierten Chat-Umgebungen die kommunikative Handlung "Dissens" bewältigen. Im Fokus steht dabei die Frage, inwieweit essenzielle Merkmale nichtkonsensueller Gesprächsformen, wie sie aus der Face-to-Face-Kommunikation bekannt sind, unter den spezifischen medialen und technischen Bedingungen des Chats realisierbar sind oder wie diese durch verbale und semiotische Mittel kompensiert werden.
4.3 Formale Merkmale
Charakteristische formale Merkmale nichtkonsensueller Gesprächsformen lassen sich vor allem auf der Ebene der Gesprächsorganisation benennen. Hierzu zählen verbale Kämpfe um das Wort, simultane Sprechphasen, Unterbrechungen und Forderungen jemanden Aussprechen zu lassen, aber auch auffällig lange Gesprächspausen. (Vgl. Fiehler 1993:161f; Schwitalla 2001:1379).
Das wichtigste Merkmal zur Kennzeichnung von DS ist der Wechsel in der Präferenzorganisation. Das Verfahren der Präferenzorganisation wird von Interaktanten aktiv dazu benutzt die Kooperation zu maximieren und das Konfliktpotential zu minimieren. (Vgl. Heritage/Atkinson 1984: 55) Dabei wird als Antwort auf den ersten Teil einer Paarsequenz vom Rezipienten diejenige mögliche Antwort bevorzugt, die die geringste Imagebedrohung für den Produzenten bedeutet.20 Diese ist also die präferierte Äußerung. Es treten zwar auch in konsensuellen Gesprächsformen nichtpräferierte Äußerungsteile auf, jedoch werden diese speziell markiert.
Die Kommunikation in DS ist hingegen nicht mehr durch die Ausrichtung auf Kooperation, sondern bewusste Nichtübereinstimmung gekennzeichnet. Daneben scheinen noch weitere Merkmale ausschlaggebend für die Bewertung einer unkooperativen Gesprächsphase als DS zu sein.
Folgende Merkmale kennzeichnen nach Gruber (1996: 60) eine dissente Sequenz:
a) strukturelle Markierungen von Übereinstimmungsäußerungen, Nichtübereinstimmung wird zum präferierten zweiten Teil in Gesprächssequenzen
b) Sprecherwechsel/Turn-taking finden nicht an transition relevant places (TRP's statt, sondern an disagreement relevant places (DRPs)
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der computervermittelten Kommunikation ein und skizziert das Forschungsziel der Untersuchung von Dissens-Prozessen in unmoderierten Chats.
2. Chat-Kommunikation: Dieses Kapitel definiert den Untersuchungsgegenstand, differenziert zwischen technischen Chat-Formen und beleuchtet sprachliche sowie nichtsprachliche Besonderheiten.
3. Schriftlichkeit vs. Mündlichkeit: Hier wird der Chat anhand des Modells von Koch/Oesterreicher in das Nähe-Distanz-Kontinuum eingeordnet und als konzeptionell mündliche Form charakterisiert.
4. Konfliktkommunikation: Das Kapitel widmet sich theoretischen Grundlagen von Konflikten, insbesondere der "dissenten Sequenz" (DS), deren inhaltlicher und formaler Organisation sowie der Rolle von Emotionen.
5. Übertragbarkeit der Organisationsstruktur nicht-konsensueller Gesprächsformen auf die Chat-Kommunikation: Dieses Hauptkapitel prüft anhand von Chat-Logfiles, wie sich theoretische Konzepte der Konfliktaustragung auf die Chat-Praxis übertragen lassen und welche Kompensationsmechanismen auftreten.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach zwar eine Übertragbarkeit der DS-Struktur gegeben ist, jedoch die fehlende Nonverbalität und Anonymität die Konfliktbewältigung im Chat maßgeblich beeinflussen.
Chat-Kommunikation, Computervermittelte Kommunikation, Dissens, Dissente Sequenz, Konfliktkommunikation, Gesprächsorganisation, Präferenzorganisation, Nähe-Distanz-Kontinuum, Emoticons, Sprachwandel, Konversationsanalyse, Chat-Protokolle, Kommunikative Handlung, Interaktion, Responsivität.
Die Arbeit analysiert, wie Nutzer in unmoderierten Chats auf Konflikte (Dissens) reagieren und welche sprachlichen oder formalen Muster sie dabei verwenden.
Zentrale Themen sind die Charakteristika der Chat-Kommunikation, die Abgrenzung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit sowie die Analyse von Konfliktaustragungsformen (Streit, Argumentation, DS).
Das primäre Ziel ist es, die Übertragbarkeit gesprächsanalytischer Modelle für nichtkonsensuelle Interaktionen auf das Medium Chat zu untersuchen.
Die Arbeit basiert auf einer konversationsanalytischen Untersuchung von Chat-Protokollen (Logfiles) aus verschiedenen Chat-Formen.
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Konfliktkommunikation erarbeitet und anschließend auf konkrete Chat-Beispiele angewandt, um die Besonderheiten der Konfliktbewältigung im Chat aufzuzeigen.
Die zentralen Schlagworte sind Chat-Kommunikation, Dissens, Dissente Sequenz, Konfliktkommunikation und Konversationsanalyse.
Emotionen, wie insbesondere Wut, fungieren als Kontrollsignale und werden im Chat aufgrund fehlender physischer Kanäle oft durch formale Strukturen, Wortwahl oder Sonderzeichen wie Emoticons vermittelt.
Konflikte im Chat sind häufig durch eine fehlende "Aushandlungsphase" oder eine niedrige Hemmschwelle zum Kommunikationsabbruch (Ausloggen) geprägt, da nonverbale Rückversicherungssignale schwerer zu deuten oder zu vermitteln sind.
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