Diplomarbeit, 2004
70 Seiten, Note: 2,00
1. Einleitung
2. Syndrome
2.1. Definition des Begriffs „Syndrom“
2.2. Symptome
2.3. Der Verhaltensphänotyp
2.3.1. Erklärungen für das Zustandekommen unterschiedlicher Verhaltensphänotype bei ein und demselben genetischen Syndrom
2.4. Entstehung genetischer Syndrome
2.4.1.Kurzer Überblick über einige Komponenten der Humangenetik
2.4.2. Die verschiedenen Arten von Mutationen
2.4.2.1.Genommutationen
2.4.2.2.Chromosomenmutationen
2.4.2.3.Genmutationen
2.5.Diagnosestellung eines genetischen Syndroms
2.5.1. Humangenetische Diagnosestellung eines genetischen Syndroms
2.5.2. Diagnosestellung auf der Grundlage der Syndromanalyse
2.6. Zur Namensgebung genetischer Syndrome
3. Fallbeispiel
3.1. Philipp
3.2. Angelman-Syndrom
3.2.1. Entdeckung und Häufigkeit
3.2.2. Diagnosestellung
3.2.3. Genetische Ursachen des Angelman-Syndroms
3.2.4. Klinische Merkmale des Angelman-Syndroms
3.3. Vergleich mit dem Angelman-Syndrom
4. Aspekte der Literatur
4.1. Diagnosen
4.1.1.Vorteile von Diagnosen
4.1.1.1.Vorteile von Diagnosen für das Kind
4.1.1.2. Vorteile von Diagnosen für die Eltern
4.1.1.3. Vorteile von Diagnosen für Experten
4.1.2. Nachteile von Diagnosen
4.1.2.1. Nachteile von Diagnosen für das Kind
4.1.2.2. Nachteile von Diagnosen für die Eltern
4.1.2.3. Nachteile von Diagnosen für Experten
4.1.3.Umgang mit der Diagnose eines genetischen Syndroms
4.1.4. Nichtbeachtung von Diagnosen
4.2. Zuschreibungsprozesse
4.2.1. Etikettierung
4.2.2. Stigmatisierung
4.2.3. Selbsterfüllende Prophezeiung
4.2.4. Der Zusammenhang von Etikettierung, Stigmatisierung und der sich selbst erfüllenden Prophezeiung
4.3. Anlage-Umwelt-Kontroverse
4.3.1.Die Kontroverse um den Einfluss von Anlage und Umwelt auf die menschliche Entwicklung
4.3.2. Entwicklungstheorien im Hinblick auf die Anlage-Umwelt-Kontroverse
4.3.2.1. Piagets Theorie der kognitiven Stadien
4.3.2.2. Kohlbergs moralische Entwicklung des Kindes
4.3.2.3. Die soziale Lerntheorie und Skinners operatives Konditionieren
4.3.2.5. Die Ethologie
4.3.2.6. Die modularen Theorien
4.3.2.7. Ökologische Psychologie
4.4. Zusammenfassung der Erkenntnisse der Literatur über die Erziehung und Förderung von Kindern mit einem genetischen Syndrom
5. Interviews
5.1. Ziele der Interviews
5.2. Die einzelnen Fragen der Interviews und was ich mit ihnen klären möchte
5.3. Angaben zu den befragten Personen
5.4. Die Methode
5.4.1. Wissenschaftliche Methoden der Datengewinnung
5.4.1.1. Die Befragung
5.4.2. Die gewählte Form der Befragung
5.5. Die Vorbereitung meiner Interviews
5.6. Ablauf der Interviews
5.7. Auswertung der Interviews
5.7.1. Graphische Darstellung der Ergebnisse der Interviews
5.7.1.1. Auswertung der Fragestellung, ob und wenn ja, wann sich Sonderschullehrer über neue Schüler informieren
5.7.1.2. Auswertung der Fragestellung, ob sich Lehrer über genetische Syndrome informieren, wenn sie über diese noch kaum etwas oder gar nichts wissen
5.7.1.3. Auswertung der Fragestellung, ob Lehrer Wissen über ein genetisches Syndrom im Unterricht anwenden
5.7.1.4. Auswertung der Fragestellung, ob Lehrer sich durch ihr Wissen um ein genetisches Syndrom beeinflusst fühlen
5.7.1.5. Auswertung der Fragestellung, ob die Umwelt die typischen Syndromträger produziert
5.7.1.6. Auswertung der Fragestellung, ob man Symptomen gezielt entgegenwirken kann
5.7.2. Zusammenfassung der Erkenntnisse der Interviews über die Erziehung und Förderung von Kindern mit einem genetischen Syndrom
6. Vergleich der Erkenntnisse der Literatur mit denen der Interviews
7. Schlussbemerkung
8. Literaturverzeichnis
8.1. Selbstständig erschienene Literatur
8.2. Unselbstständig erschienene Literatur
8.3. Literatur aus dem Internet
Die Arbeit untersucht die erziehungswissenschaftliche Fragestellung, wie Kinder, bei denen ein genetisches Syndrom mit geistiger Behinderung diagnostiziert wurde, optimal gefördert und erzogen werden können, insbesondere im Hinblick auf das Spannungsfeld zwischen syndromorientierter Diagnostik und der Betrachtung des Kindes als Individuum.
4.2.3. Selbsterfüllende Prophezeiung
„Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung ist eine Annahme oder Voraussage, die rein aus der Tatsache heraus, daß sie gemacht wurde, das angenommene, erwartete, oder vorhergesagte Ereignis zur Wirklichkeit werden lässt und so ihre eigene ‚Richtigkeit‘ bestätigt.“
Im traditionellen Ursachendenken ist ein Ereignis (Ereignis A) die Ursache und ein anderes (Ereignis B) die Wirkung. Ereignis A ist die Vergangenheit, Ereignis B die Gegenwart. Das Ereignis der Gegenwart wurde von dem Ereignis in der Vergangenheit beeinflusst. Der umgekehrte Fall ist unmöglich.
Beim Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiung ist dies anders. Hier wird die Gegenwart nicht von der Vergangenheit, sondern von der Zukunft geprägt.
1. Einleitung: Die Autorin begründet ihr Interesse am Thema durch eigene praktische Erfahrungen mit einem Jungen mit unklarer Behinderung und skizziert den Aufbau der Arbeit.
2. Syndrome: Dieses Kapitel definiert den Begriff Syndrom, erläutert die genetischen Grundlagen, Arten von Mutationen und die Methoden der humangenetischen sowie syndromanalytischen Diagnosestellung.
3. Fallbeispiel: Es wird die Entwicklungsgeschichte eines achtjährigen Jungen namens Philipp präsentiert, um die Schwierigkeiten der Diagnostik und den Vergleich mit einem spezifischen Angelman-Syndrom zu verdeutlichen.
4. Aspekte der Literatur: Dieser Teil analysiert die Vor- und Nachteile von Diagnosen, soziologische Zuschreibungsprozesse und die wissenschaftliche Kontroverse um den Einfluss von Anlage und Umwelt auf die Entwicklung.
5. Interviews: Hier wird die Methodik der empirischen Datenerhebung durch halbstrukturierte Interviews mit Sonderschullehrern dargelegt und die Ergebnisse grafisch aufbereitet sowie ausgewertet.
6. Vergleich der Erkenntnisse der Literatur mit denen der Interviews: Die theoretischen Ergebnisse aus der Literaturrecherche werden mit den praktischen Erfahrungen der befragten Lehrkräfte in Beziehung gesetzt.
7. Schlussbemerkung: Die Autorin fasst ihre Erkenntnisse zusammen und plädiert für einen Mittelweg, der das Wissen über ein Syndrom als Hintergrundinformation nutzt, ohne die Individualität des Kindes aus den Augen zu verlieren.
Genetische Syndrome, geistige Behinderung, Angelman-Syndrom, Diagnostik, Verhaltensphänotyp, Anlage-Umwelt-Kontroverse, Etikettierung, Stigmatisierung, selbsterfüllende Prophezeiung, Sonderschulpädagogik, Inklusion, Förderung, Lehrereinstellung, Fallbeispiel, Entwicklungspsychologie.
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Kinder mit einem diagnostizierten genetischen Syndrom und einer geistigen Behinderung in der schulischen Praxis optimal erzogen und gefördert werden können.
Die Arbeit behandelt die medizinischen Grundlagen genetischer Syndrome, die Auswirkungen von Diagnosen auf die pädagogische Arbeit sowie soziologische und entwicklungspsychologische Perspektiven auf die Erziehung behinderter Kinder.
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob eine syndromorientierte Erziehung sinnvoll ist oder ob diese durch Etikettierung und Stigmatisierung eher negative Folgen für die Entwicklung des Kindes haben könnte.
Die Autorin nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse und einer empirischen Befragung (halbstrukturierte Interviews) von 25 Sonderschullehrern.
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Konzepte (z.B. Anlage-Umwelt-Kontroverse, Pygmalion-Studie) als auch die Ergebnisse der Lehrerbefragungen zur Praxis der Informationsgewinnung und zum Umgang mit Syndromwissen im Unterricht diskutiert.
Die Begriffe konzentrieren sich auf das Spannungsfeld zwischen medizinischer Klassifizierung (Syndrome) und individueller pädagogischer Freiheit.
Während die humangenetische Diagnostik stark auf die biologischen Ursachen fokussiert, stellt die Syndromanalyse nach Lurija die Ganzheit des Menschen und die Funktion der Symptome in den Mittelpunkt.
Philipp dient als konkretes Praxisbeispiel, um zu verdeutlichen, wie schwierig es sein kann, bei fehlender Eindeutigkeit zwischen genetischer Diagnose und äußeren Umwelteinflüssen als Ursache der Behinderung zu differenzieren.
Die meisten befragten Lehrer nutzen Informationen über Syndrome lediglich als Hintergrundwissen und betrachten ihre Schüler vorrangig als Individuen, wobei sie der Umwelt eine stärkere Bedeutung für die Entwicklung zuschreiben als den genetischen Anlagen.
Damit ist die Gefahr beschrieben, dass Erwartungen der Bezugspersonen (z.B. Lehrer) an ein Kind aufgrund einer Diagnose dazu führen, dass das Kind genau das erwartete Verhalten zeigt und somit die ursprüngliche Erwartung (das Etikett) bestätigt.
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