Bachelorarbeit, 2020
65 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Hintergrund: Friedensprozess und Statebuilding in Somaliland
3. Forschungsstand: Ansätze des Statebuilding
3.1 Liberalization First
3.2 Institutionalization First
3.3 Security First
3.4 Civil Society First
3.5 Anwendbarkeit der Strategien in Somaliland
4. Methodisches Vorgehen
5. Fallstudie: Statebuilding in Somaliland
5.1 Integration von Clanstrukturen in das politische System
5.2 Somali National Movement (SMN) und nationale Identität
5.3 Lokale Finanzierung und wirtschaftliche Infrastruktur
5.4 Konflikte zur Regelstandardisierung und -konsolidierung
5.5 Nicht-Anerkennung und internationale Normen
5.6 Rolle der Diaspora
6. Chancen und Grenzen eines Bottom-Up Entwicklungsansatzes
7. Zusammenfassung
Diese Arbeit untersucht den Statebuilding-Prozess in Somaliland, um zu analysieren, wie sich dort eine De-Facto-Staatlichkeit bilden konnte und welche Chancen sowie Grenzen ein Bottom-Up Ansatz gegenüber klassischen, extern gesteuerten Modellen aufweist.
5.1 Integration von Clanstrukturen in das politische System
Ein wichtiger Faktor auf dem Weg zum De-Facto Staat stellen die Clans und somit das sozio-politische System Somalilands dar. In der somalischen Gesellschaft ist die wichtigste Identitätseinheit die Clanzugehörigkeit. Diese verwandtschaftlichen Beziehungen sind das Zentrum des somalischen Lebens: der Clan bietet nicht nur eine Grundlage für die Identität, sondern übernimmt auch die kollektive Verantwortung für seine Mitglieder, ihre Verluste und ihre Sicherheit.
In Somaliland gibt es verschiedene Clans, aber eine Mehrzahl bildet der Isaaq-Clan, der auch das Somali National Movement (SNM) dominiert (Abbildung 3). Nicht zuletzt aufgrund der Dominanz dieses einzigen Clans fiel es in Somaliland leichter als beispielsweise in Somalia, einen Staat aufzubauen und zu konsolidieren.
Traditionelle Werte und Brauchtum haben den Statebuilding-Prozess insofern beeinflusst, als dass der Staat wie er heute in Somaliland existiert, auf Grundlage der Vermittlung zwischen Clans durch sogenannte Guurti (Ältestenräte) und deren spätere Institutionalisierung entstanden ist. Die Guurti sind einerseits ein Element der Tradition Somalilands und auf der lokalen Ebene angesiedelt, andererseits wurden sie im Laufe des Versöhnungsprozesses auch auf nationaler Ebene eingesetzt und später als zweite Kammer institutionalisiert. Die Clan-Ältesten spielten nicht nur eine Rolle beim Konfliktmanagement, sondern ebenfalls bei der Anwendung des Gewohnheitsrechts (xeer) und bei politischen Auseinandersetzungen. Sie werden deshalb in der Literatur als ein Schlüsselfaktor für den Statebuilding-Prozess Somalilands angesehen.
1. Einleitung: Einführung in das Thema Statebuilding, die Ausgangslage in Somalia und Somaliland sowie die Forschungsfrage der Arbeit.
2. Hintergrund: Friedensprozess und Statebuilding in Somaliland: Überblick über die historische Entwicklung Somalilands ab 1991 und die Phasen des Staatsaufbaus durch Versöhnungskonferenzen.
3. Forschungsstand: Ansätze des Statebuilding: Theoretische Einordnung verschiedener Statebuilding-Strategien wie Liberalization First, Institutionalization First, Security First und Civil Society First.
4. Methodisches Vorgehen: Beschreibung der induktiven Analyse mittels Literatur- und Quellenanalyse zur Untersuchung des Statebuilding-Prozesses.
5. Fallstudie: Statebuilding in Somaliland: Detaillierte Analyse der Einflussfaktoren wie Clanstrukturen, das Somali National Movement, lokale Finanzierung, Konfliktdynamiken, internationale Anerkennung und die Rolle der Diaspora.
6. Chancen und Grenzen eines Bottom-Up Entwicklungsansatzes: Evaluation der Ergebnisse und Vergleich zwischen Bottom-Up und Top-Down Ansätzen im somaliländischen Kontext.
7. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Fazit zum Statebuilding-Modell Somalilands.
Statebuilding, Somaliland, Bottom-Up, Clanstrukturen, Guurti, De-Facto-Staat, Friedensprozess, Diaspora, Legitimität, Nationale Identität, Institutionenaufbau, Lokale Finanzierung, Konfliktmanagement, Staatsaufbau, Governance.
Die Arbeit analysiert das somaliländische Modell des Staatsaufbaus, das sich durch einen Bottom-Up Ansatz auszeichnet, und vergleicht dieses mit klassischen, international geprägten Statebuilding-Strategien.
Die zentralen Themen umfassen die Rolle von traditionellen Clanstrukturen, die Bedeutung der Diaspora, die Auswirkungen lokaler Wirtschaftsfinanzierung und die Entstehung einer nationalen Identität im Kontext eines De-Facto-Staates.
Die Forschungsfrage lautet: Wie konnte sich in Somaliland eine De-Facto-Staatlichkeit herausbilden und welche Chancen und Grenzen zeigt dieser Bottom-Up Statebuilding-Prozess gegenüber klassischen Ansätzen auf?
Die Arbeit nutzt eine induktive Analyse basierend auf einer Literatur- und Quellenanalyse, um den Statebuilding-Prozess in Somaliland zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Übersicht der Statebuilding-Ansätze und eine detaillierte Fallstudie zu den Faktoren, die den Staatsaufbau in Somaliland maßgeblich beeinflusst haben.
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Statebuilding, Somaliland, Bottom-Up-Ansatz, Clan-Governance, De-Facto-Staat, lokale Legitimität und Diaspora-Engagement.
Die Guurti (Ältestenräte) fungieren als wichtiges Bindeglied zwischen traditioneller Clan-Governance und modernen staatlichen Institutionen, was dem Staat vor Ort hohe Legitimität verleiht.
Somaliland dient als interessantes Fallbeispiel für eine funktionierende De-Facto-Staatlichkeit, die trotz fehlender internationaler Anerkennung durch interne Bottom-Up Prozesse und eigene Ressourcen eine bemerkenswerte Stabilität erreicht hat.
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