Diplomarbeit, 2020
87 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Kostüm als raumkonstituierendes Hilfsmittel des Darstellers
2.1. Definition Kostüm
2.2. Textile Komposition
2.2.1. Materialfunktion
2.2.2. Schnittkonstruktion
2.2.3. Formgebung
2.3. Qualität des physischen Kostümraums
2.3.1. Kontrahierend – expandierend
2.3.2. Statisch – dynamisch
2.4. Kostümraum und Kinesphäre
3. Raum und Kostüm als interagierende Inszenierungskategorien
3.1. Funktionen von Kostüm und Raum im theatralischen Code
3.2. Visuelle Designelemente
3.2.1. Prinzipien der Komposition
3.2.2. Licht und Farbe
3.3. Beziehungsprinzipien zwischen Kostüm und Raum
4. Untersuchungsgegenstand Titanic
4.1. Das Schiff: Zeitkapsel edwardianischer Opulenz
4.1.1. Menschengemachte Hybris
4.1.2. Multiperspektivische Räumlichkeit
4.1.3. Titanic als Heterotopie
5. Figurenpersonal
6. Jack Dawson
6.1. Assimilation als Lebens- und Kleidungsstrategie
6.2. Symbolische Markierung der Räume: Freiheit
6.3. Enthüllung als Rettungstaktik
6.4. Werdegang eines Fracks
6.4.1. Mimikry der Oberschicht
6.4.2. Dekonstruktion des Kostümraums
6.5. Raumnutzung durch Verkleidung
7. Rose Dewitt Bukater
7.1. Das butterfly-Motiv
7.2. Markierung der Räume: Gefangenschaft und Niedergang
7.3. Reiseensemble: Verbildlichung emotionaler Befindlichkeit
7.4. Gegensätzliche Abendkleider
7.4.1. Überlebenskampf zwischen zwei Farbräumen
7.4.2. Entdeckung textilen Freiraums
7.5. Die blaue Phase der Selbstfindung
7.5.1. Metamorphose
7.5.2. Entfaltung des neuen Selbst
8. Resumée
Die Arbeit untersucht das Zusammenspiel von Kostüm und Raum als zentrale Inszenierungskategorien am Beispiel von James Camerons Film Titanic. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diese Elemente gemeinsam Bedeutung generieren und die Heldenreise der Protagonisten unterstützen.
6.4.2. Dekonstruktion des Kostümraums
Zunächst auffällig ist, dass der Zuschauer den Raum nicht als solchen vorgestellt bekommt. Statt eines ausgiebig schweifenden Blicks über das Interieur wie zuvor im Treppenhaus, fängt die Kamera die Hände der Musiker ein, das Gesicht des Dudelsackspielers und öffnet sich erst dann in den Raum, der Fokus liegt jedoch auf zwei ausgelassen tanzenden Männern.76 Diese Tatsache gibt die Prämisse für die nachfolgende Szene vor: sämtliches Geschehen entspringt dem Impuls der Bewegung. Der Aufenthaltsraum der dritten Klasse auf der Heckseite des C-Decks wird durch die vielen verschiedenen Bewegungsmuster charakterisiert, die dort Umsetzung finden. Der erhebliche Unterschied, der sich dadurch zur ersten Klasse ergibt, dient nicht nur einer klaren Unterscheidung, sondern demonstriert über die qualitative wie quantitative Nutzung der Räumlichkeiten die gegensätzliche Wesensart von Passagieren der ersten und der dritten Klasse. Der Aufenthaltsraum mutet relativ karg an; er ist durchwachsen von notwendigen Säulen, die die Decke tragen, Holzbänke ohne Polster sind vorhanden, sowie ein paar Tische und Stühle. In dieser Anordnung wird alles über die Motorik bestimmt: unterschiedliche Tanzstile, klatschende Hände, ein stetes Mitwippen, es wird gedreht, gehüpft und mancher fällt
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Inszenierungskategorien und die Bedeutung von Kostüm und Raum im theatralen Code.
2. Kostüm als raumkonstituierendes Hilfsmittel des Darstellers: Untersuchung der materiellen und funktionalen Aspekte des Kostüms und dessen Einfluss auf den Körper.
3. Raum und Kostüm als interagierende Inszenierungskategorien: Analyse der Wechselbeziehungen zwischen Designelementen wie Farbe, Linie und Raumgestaltung.
4. Untersuchungsgegenstand Titanic: Einordnung des Films Titanic als historischen und soziokulturellen Mikrokosmos.
5. Figurenpersonal: Begründung der Fokussetzung auf die beiden Protagonisten Rose und Jack im Kontext ihrer Entwicklung.
6. Jack Dawson: Untersuchung von Jacks Rolle als Werkzeugfigur und seiner flexiblen, strategischen Kleidungswahl.
7. Rose Dewitt Bukater: Analyse von Roses Emanzipationsprozess, dargestellt durch ihr Kostüm und die Nutzung verschiedener Räume.
8. Resumée: Zusammenführende Betrachtung der Analyseergebnisse im Hinblick auf eine ganzheitliche Inszenierungsanalyse.
Kostümdesign, Raumwirkung, Theatralischer Code, Titanic, James Cameron, Inszenierung, Semiotik, Figurenidentität, Kinesphäre, Materialität, Transformation, Kleidungsstrategie, Raumkonstitution, Designelemente, Dramaturgie
Die Arbeit analysiert die Wechselwirkung von Kostüm und Raum als zwei zentrale Kategorien der theatralen Inszenierung am Beispiel des Spielfilms Titanic.
Im Zentrum stehen die Konzepte des Kostümraums, die Bedeutung textiler Kompositionen sowie die Art und Weise, wie soziale Strukturen durch die Interaktion von Figur, Kleidung und Raum in einer Inszenierung visualisiert werden.
Ziel ist es zu zeigen, wie durch Kostüm und Raum übergeordnete dramaturgische Motive wie Freiheit, Gefangenschaft und gesellschaftliche Stellung verhandelt werden.
Die Arbeit nutzt semiotische Ansätze der Theaterwissenschaft, um die Zeichenhaftigkeit von Kostümen und Räumen zu dekonstruieren und in ihren Funktionen zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Definition von Kostüm und Raum sowie einen Analyseteil, der die Entwicklung der Protagonisten Jack Dawson und Rose Dewitt Bukater anhand ihrer Kleidung auf der Titanic detailliert untersucht.
Wesentliche Begriffe sind Kostümraum, Kinesphäre, Heterotopie, Farbraum, textile Komposition und Werkzeugfigur.
Der Frack dient Jack als temporäre Tarnung und Eintrittskarte in die Oberschicht, wird aber durch seine spezifische Nutzung und anschließende Dekonstruktion als Mittel zur Wahrung seiner persönlichen Freiheit umgedeutet.
Roses Kleidung entwickelt sich vom "schützenden Panzer" der ersten Klasse bis hin zum leichten, bewegungsfreudigen Seidenchiffonkleid, welches ihre gewonnene individuelle Freiheit und ihr neues Selbst widerspiegelt.
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