Magisterarbeit, 2003
88 Seiten, Note: 1.0
1 Einleitung
2 Grundlagen und Befunde
2.1 Das Zürcher Erziehungssystem
2.2 Sonderklassen im Kanton Zürich
2.3 Ausländische Schüler und Schülerinnen auf der Primarschulstufe
2.4 Ausländische Schüler und Schülerinnen auf der Sekundarstufe I
2.5 Vergleich zwischen den Kantonen
3 Definitionen
3.1 Lernbehinderung
3.2 Schulschwäche
3.3 Schulerfolg
3.4 Immigranten, Ausländer
4 Bedingungen der Schulschwäche: Sechs Erklärungsansätze
4.1 Demographische Erklärungen
4.2 Individuumorientierte Erklärungsansätze
4.2.1 Ansatzpunkte für eine Intervention
4.3 Der interaktionstheoretische Ansatz
4.3.1 Die Bedeutung von Stereotypen und Vorurteilen für die schulische Leistung
4.3.2 Die Übertragung des Etikettierungsansatzes auf die Situation ausländischer Schüler und Schülerinnen
4.3.3 Möglichkeiten der Intervention
4.4 Soziokulturelle Erklärungsansätze
4.4.1 Die Bedeutung der Kultur für den Schulerfolg
4.4.1.1 Definitorische Annäherung an den Begriff der Kultur
4.4.1.2 Kulturkonflikt bzw. Identitätskonflikt
4.4.1.3 Kultur oder Schicht?
4.4.2 Die Bedeutung der Sprache für den Schulerfolg
4.4.2.1 Die Beeinflussung der Zweitsprache durch die Erstsprache
4.4.2.2 Die Interdependenzhypothese
4.4.2.3 Die Schwellenhypothese
4.4.2.4 Zweitspracherwerb unter den Bedingungen der Diglossie
4.4.2.5 Die mangelnde schulische Berücksichtigung der Zweisprachigkeit in der Schweiz
4.4.2.6 Mögliche Massnahmen
4.4.3 Die Rolle der Herkunftsfamilie für den Schulerfolg
4.4.3.1 Mangelnde Passung von Familie und Schule als mögliche Bedingung für Schulmisserfolg
4.5 Organisationsbezogene Erklärungsansätze
4.5.1 Die Selektions- bzw. Allokationsfunktion der Schule
4.5.2 Die Instrumentalisierung von Differenz für schuleigene Zwecke
4.5.3 Institutionelle Diskriminierung
4.5.4 Ansatzpunkte für Interventionen
4.6 Multikausale Erklärungsansätze
5 Interkulturelle Pädagogik als Lösung?
6 Ausblick
Das Hauptziel der Arbeit ist es, die Ursachen für den mangelnden Schulerfolg von Kindern mit Migrationshintergrund im Schweizer Schulsystem, insbesondere im Kanton Zürich, zu analysieren und kritisch zu hinterfragen. Die Forschungsfrage befasst sich damit, wie sich Schulmisserfolg erklären lässt, ohne ihn auf monokausale Defizite zu reduzieren, und welche Rolle das Schulsystem selbst dabei spielt.
4.2.1 Ansatzpunkte für eine Intervention
Erklärungsansätze, welche die Ursache von Schulschwierigkeiten allein den Individuen zuschreiben, lassen denn auch nur Interventionen zu, die ausschliesslich dieses Individuum im Blick haben und darauf ausgerichtet sind, durch entsprechende Sonderbeschulung und andere kompensatorische Massnahmen das individuelle Defizit soweit auszugleichen, dass eine Beschulung im Rahmen der Regelschule möglich ist.
Massnahmen der Sonderbeschulung wie Einführungsklassen und Fremdsprachenklassen sind eine Gratwanderung. Einerseits wird zwar versucht, auf die individuellen Bedürfnisse eines Kindes, beispielsweise im Hinblick auf seine ungenügende Beherrschung der Schulsprache, einzugehen, und es steht ausser Zweifel, dass solche Massnahmen oft notwendig sind. Andererseits birgt aber jegliche Art von Sonderbehandlung die Gefahr der Stigmatisierung und die Gefahr, dass das Kind sich gerade durch die Sonderbehandlung als anders als die anderen wahrzunehmen lernt und sich dieses Anderssein zu einem Dauerzustand perpetuieren kann.
Die Frage, die sich hier stellt bzw. die Balance, die hier gefunden werden muss, ist die zwischen Integration und Separation. Wie kann ein Kind möglichst gut in die Regelschule integriert werden, ohne dass seine individuellen Bedürfnisse ausser Acht gelassen werden, was vielleicht auch eine zeitweilige Separation vom Klassenverband notwendig macht? Kronig et al. (2000) haben in ihrer Studie klar gezeigt, dass „Immigrantenkinder mit Schulleistungsschwächen (…) in Regelklassen die grösseren Lernfortschritte in der Unterrichtssprache (machen, A. Z.) als bezüglich Alter, Intelligenz und Ausgangsleistung vergleichbare Immigrantenkinder gleichen Geschlechts in Sonderklassen für Lernbehinderte oder in Fremdsprachenklassen“ (ebd., S. 189). Dieser Befund wird mit dem in Regelklassen höheren Anregungspotential und der Möglichkeit, sich an leistungsfähigeren Mitschülern und Mitschülerinnen zu orientieren erklärt, wohingegen eine Sonderklassenüberweisung einer „institutionalisierten Untauglichkeitserklärung“ (ebd.) gleichkommt, was eine absinkende Erwartungshaltung der betroffenen Kinder nach sich zieht.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die statistische Übervertretung ausländischer Kinder in Sonderklassen im Kanton Zürich und skizziert die Notwendigkeit eines multikausalen Erklärungsansatzes.
2 Grundlagen und Befunde: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über das Schweizer Föderalismus-geprägte Schulsystem und präsentiert statistisches Zahlenmaterial zur Sonderklassen-Zuweisung.
3 Definitionen: Hier werden zentrale Fachbegriffe wie Lernbehinderung, Schulschwäche, Schulerfolg und Migration definiert, um eine theoretische Basis für die weitere Analyse zu schaffen.
4 Bedingungen der Schulschwäche: Sechs Erklärungsansätze: Das umfangreichste Kapitel systematisiert verschiedene Ursachen für den Schulerfolg bzw. -misserfolg, unterteilt in demographische, individuumorientierte, interaktionistische, soziokulturelle, organisationsbezogene und multikausale Erklärungsmodelle.
5 Interkulturelle Pädagogik als Lösung?: Das Kapitel hinterfragt kritisch, ob interkulturelle Pädagogik tatsächlich zu einer Chancengleichheit führt oder ob sie lediglich ein Symptom der bisherigen defizitorientierten Ausländerpädagogik bleibt.
6 Ausblick: Der Ausblick resümiert, dass ohne fundamentale Strukturveränderungen im Schulsystem eine nachhaltige Angleichung der Bildungschancen von Migrantenkindern kaum zu erreichen ist.
Schulerfolg, Schulmisserfolg, Migrationshintergrund, Sonderklassen, Interkulturelle Pädagogik, institutionelle Diskriminierung, Schichtzugehörigkeit, Zweisprachigkeit, Schwellenhypothese, Interdependenzhypothese, Identitätskonflikt, Selektion, Integration, Bildungschancen, Zürcher Erziehungssystem.
Die Arbeit untersucht die Ursachen für den häufigen Schulmisserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund in der Schweiz, wobei der Fokus auf den strukturellen und systemischen Bedingungen liegt.
Die zentralen Themen sind der Zusammenhang von Herkunft, Sprache und sozialer Schicht mit dem Schulerfolg, die Rolle der Schule als Selektionsinstanz sowie die Wirksamkeit pädagogischer Interventionsmaßnahmen.
Das Ziel ist es, den Schulerfolg von Immigrantenkindern nicht als individuelles Defizit zu betrachten, sondern die institutionellen Mechanismen des Schulsystems aufzudecken, die diesen Erfolg verhindern.
Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Analyse sowie die Auswertung umfangreicher empirischer Studien und statistischer Daten zur Bildungsbeteiligung im Kanton Zürich und in der gesamten Schweiz.
Der Hauptteil analysiert sechs verschiedene Erklärungsansätze für Schulschwäche, von demographischen Faktoren bis hin zur institutionellen Diskriminierung durch das Schulsystem als Organisation.
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Bildungsgerechtigkeit, Sonderklassenüberweisung, institutionelle Diskriminierung und Interkulturelle Pädagogik charakterisieren.
Die Autorin argumentiert, dass dieser Begriff in der Praxis oft diskriminierend wirkt und suggeriert, das Problem liege allein beim Kind, anstatt die Schwächen des Schulsystems bei der Förderung als Ursache anzuerkennen.
Sprache fungiert als entscheidender Selektionsfaktor; die Autorin betont, dass die Erstsprache oft vernachlässigt wird, obwohl sie für die Entwicklung komplexer kognitiver Fähigkeiten (CALP) eine wichtige Grundlage bildet.
Das Rekrutierungsverhalten bezeichnet die Tendenz von Schulsystemen, Sonderklassen zu füllen, um Organisationsinteressen zu wahren und Homogenität herzustellen, anstatt individuelle Förderung in Regelklassen zu priorisieren.
Die Autorin bezweifelt, dass interkulturelle Pädagogik allein ausreicht, da sie ohne flankierende strukturelle und politische Veränderungen oft wirkungslos bleibt und lediglich folkloristisch integriert wird.
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