Diplomarbeit, 2005
153 Seiten, Note: 1
1 EINLEITUNG
2 DEFINITION
3 DIE FAKTEN: WIE VIELE KINDER WERDEN SEXUELL MISSBRAUCHT?
3.1 DER STREIT UM DATEN
3.2 WER SIND DIE OPFER ?
3.3 ALTER DER OPFER
4 WER SIND DIE TÄTER?
4.1 ALTER DER TÄTER
4.2 INNERFAMILIÄRER UND AUßERFAMILIÄRER SEXUELLER MISSBRAUCH
4.3 PSYCHOSOZIALE MERKMALE
4.4 STRATEGIEN UND VORGEHENSWEISEN DER TÄTER
5 DIE UMSTÄNDE
5.1 SOZIALE UND FAMILIÄRE HINTERGRÜNDE
5.2 HÄUFIGKEIT UND DAUER
5.3 DIE FOLGEN
5.3.1 Körperliche Verletzungen
5.3.2 Körperliche und psychosomatische Folgen
5.3.3 Emotionale Reaktion/Selbstwahrnehmung
5.3.4 Autoaggression
5.4 FOLGEN FÜR DAS SOZIALE VERHALTEN
5.5 FOLGEN FÜR DIE SEXUALITÄT
6 SEXUELLER MISSBRAUCH IM DISKURS
6.1 DIE ÖFFENTLICHE DISKUSSION – AUCH EIN MEDIENEREIGNIS
6.1.1 Der Feministische Ansatz
6.1.2 Machtstrukturen und Klischees werden mit Hilfe der Medien aufgedeckt
6.1.3 Der sexuelle Missbrauch als Sensation
6.1.4 Kritik an der feministischen Theorie
6.1.5 Missbrauch mit dem Missbrauch
6.2 DER FAMILIENDYNAMISCHE ANSATZ
6.2.1 Kritik am Familiendynamischen Ansatz
6.2.2 Feministischer contra familiendynamischer Ansatz
6.3 DER SURVIVOR-DISKURS
6.3.1 Das Geständnis und der Experte
6.3.2 Theoretikerinnen ihrer eigenen Erfahrungen
6.3.3 Den Opfern glauben?
7 DER FALL FRANZ WURST
7.1 SCHULDBEKENNTNISSE
7.2 DAS MOTIV
7.3 DAS VERHÄLTNIS ZWISCHEN THOMAS H. UND FRANZ WURST
7.4 FRANZ WURST WIRD DES SEXUELLEN MISSBRAUCHS UND DER ANSTIFTUNG ZUM MORD BESCHULDIGT
7.5 MUTMAßLICHE MISSBRAUCHSOPFER MELDEN SICH
7.6 AUSSAGEN VON MUTMAßLICHEN MISSBRAUCHSOPFERN UND MITARBEITERN
7.7 DEUTSCHER SACHVERSTÄNDIGER BELASTET WURST SCHWER
7.8 PLÄDOYERS UND URTEIL
8 DISKURSANALYSE VON MEDIENBERICHTEN ÜBER DEN FALL FRANZ WURST
8.1 METHODISCHER ZUGANG
8.1.1 Forschungsziel
8.1.2 Zur Methode der Diskursanalyse
8.1.3 Vorgehen bei der Untersuchung
8.2 INSTITUTIONELLER RAHMEN
8.2.1 Das General-Interest-Magazin „News“
8.2.2 Das Konzept
8.2.3 Leserschaft
8.2.4 Zur Heftausgabe des zu analysierenden Artikels
8.3 DAS NACHRICHTENMAGAZIN „PROFIL“
8.3.1 Das Konzept
8.3.2 Die Leserschaft
8.3.3 Zur Heftausgabe des zu analysierenden Artikels
8.4 ZUR TEXTOBERFLÄCHE DES NEWS-ARTIKELS
8.4.1 Text und Bildgestaltung des Artikels
8.4.2 Inhaltliche Gliederung
8.4.3 Zusammenfassung
8.4.4 Sprachliche Analyse
8.5 ZUR TEXTOBERFLÄCHE DES PROFIL-ARTIKELS
8.5.1 Text und Bildgestaltung
8.5.2 Inhaltliche Gliederung
8.5.3 Zusammenfassung
8.5.4 Sprachliche Analyse
9 ZUSAMMENFASSENDE INTERPRETATION
10 DISKUSSION
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die mediale Darstellung von sexuellem Missbrauch an Kindern anhand des Falls des Kinderarztes Franz Wurst. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Art und Weise, wie Printmedien dieses sensible Thema aufbereiten, welche Diskurse dabei dominieren und wie die Glaubwürdigkeit von Opfern sowie Tätern in der Berichterstattung konstruiert wird.
4.3 Psychosoziale Merkmale
Missbrauchstäter werden häufig als in irgendeiner Weise psychisch beeinträchtigt oder auffällig beschrieben. Sie werden als psychopatisch, minderbegabt, sexuell frustriert, alkoholabhängig und senil bezeichnet. Oft ist die Meinung vorherrschend, dass Gewalttaten meist von Menschen verübt werden, die krankhaft veranlagt, geistig zurückgeblieben, dem Altersschwachsinn verfallen, noch jung und in Verwahrlosung aufgewachsen, der Hemmungslosigkeit verfallen sind. Häufig wird auch die Ansicht vertreten, die Täter wären, wenn nicht psychisch krank, dann Außenseiter der Gesellschaft, sozial inkompetent, beruflich erfolglos und mit einem niedrigen Selbstwertgefühl ausgestattet. Diese Beschreibung scheint den Vorstellungen der Allgemeinbevölkerung zum Teil immer noch zu entsprechen.
Wer kann sich auch vorstellen, dass der nette Lehrer, der freundliche Nachbar oder ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft zu sexuellen Übergriffen neigt? Es ist aber vermehrt von Tätern zu lesen, die sozial bestens integriert sind. Sie sind gut angepasst, beruflich erfolgreich, sympathisch und attraktiv. Solche Personen sind natürlich zunächst über jeden Verdacht erhaben und das schützt sie. Ein gutes Beispiel dafür ist der Kinderarzt Franz Wurst. Den Kindern, die von den schrecklichen Erlebnissen mit ihm erzählt haben, wurde zunächst nicht geglaubt. Außerdem ist es für Eltern sicherlich nicht einfach, gegen ein so angesehenes Mitglied der Gesellschaft gerichtlich vorzugehen.
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der gesellschaftlichen Diskussion über sexuellen Missbrauch an Kindern von der Verdrängung hin zur medialen Sensationsberichterstattung.
2 DEFINITION: Dieses Kapitel erörtert die Notwendigkeit wissenschaftlich präziser Definitionen für das Forschungsfeld, um epidemiologische Daten vergleichbar und aussagekräftig zu machen.
3 DIE FAKTEN: WIE VIELE KINDER WERDEN SEXUELL MISSBRAUCHT?: Der Abschnitt analysiert die Problematik unterschiedlicher statistischer Erhebungen und den damit verbundenen Streit über das Ausmaß sexuellen Kindesmissbrauchs.
4 WER SIND DIE TÄTER?: Es werden die psychosozialen Merkmale und Strategien von Tätern untersucht, wobei der Mythos des fremden Triebtäters dekonstruiert und die Bedeutung von Machtmissbrauch hervorgehoben wird.
5 DIE UMSTÄNDE: Dieses Kapitel betrachtet die familiären und sozialen Rahmenbedingungen, unter denen Missbrauch geschieht, sowie die vielfältigen körperlichen und psychischen Folgen für die Opfer.
6 SEXUELLER MISSBRAUCH IM DISKURS: Die Untersuchung befasst sich mit den verschiedenen theoretischen Ansätzen zur Missbrauchsthematik, wie dem feministischen und dem familiendynamischen Ansatz, sowie deren medialer Spiegelung.
7 DER FALL FRANZ WURST: Hier wird der konkrete Fall des Kinderarztes Franz Wurst detailliert dargestellt, einschließlich der Anklagepunkte, der Zeugenaussagen und des gerichtlichen Verfahrens.
8 DISKURSANALYSE VON MEDIENBERICHTEN ÜBER DEN FALL FRANZ WURST: Das Kapitel widmet sich der diskursanalytischen Untersuchung der Berichterstattung in den Zeitschriften "News" und "Profil" über den Fall Wurst.
9 ZUSAMMENFASSENDE INTERPRETATION: Die Interpretation führt die Ergebnisse der Diskursanalyse zusammen und zeigt auf, wie beide Zeitschriften trotz ihrer Gegensätzlichkeit ähnliche Muster bei der Glaubwürdigkeitsbewertung nutzen.
10 DISKUSSION: Die Diskussion reflektiert abschließend die schwierige Position des Redakteurs bei der Bearbeitung emotionaler Themen und die Gefahr der Sensationslust.
Sexueller Missbrauch, Kindesmissbrauch, Printmedien, Diskursanalyse, Glaubwürdigkeit, Täter-Opfer-Schema, Machtmissbrauch, Feminismus, Familiendynamik, Medienereignis, Franz Wurst, Opferschutz, Sensationsberichterstattung, Fallstudie, Mediale Konstruktion
Die Diplomarbeit untersucht, wie Printmedien über das Thema sexueller Kindesmissbrauch berichten, wobei der Fall des Kärntner Kinderarztes Franz Wurst als zentrale Fallstudie dient.
Die Arbeit behandelt die Definition und Faktenlage zu sexuellem Missbrauch, Täterprofile, die Folgen für Opfer sowie die Art und Weise, wie verschiedene Diskurse (feministisch, familiendynamisch) und Medien den Fall aufbereiten.
Ziel ist es, durch eine Diskursanalyse von Medienberichten herauszuarbeiten, wie der Missbrauch dargestellt wird und welche Mechanismen (z.B. Glaubwürdigkeitszuschreibungen) dabei medial eingesetzt werden.
Die Autorin wendet die Methode der Diskursanalyse an, um Texte im Hinblick auf ihre institutionellen Rahmenbedingungen, inhaltlichen Gliederungen, sprachlichen Mittel und ideologischen Aussagen zu untersuchen.
Der Hauptteil umfasst sowohl die theoretische Fundierung (Definitionen, Täter, Folgen, theoretische Ansätze) als auch die empirische Analyse des konkreten Falls Franz Wurst inklusive der Gegenüberstellung von Medienberichten.
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Sexueller Missbrauch, Diskursanalyse, Glaubwürdigkeit, Mediale Darstellung, Franz Wurst, Machtmissbrauch und Täter-Opfer-Schema.
Der Fall ist besonders geeignet, da er durch hohe mediale Aufmerksamkeit, die angesehene Position des Täters als Arzt und eine konträre Berichterstattung in verschiedenen Magazinen („News“ vs. „Profil“) eine ideale Grundlage für die Diskursanalyse bietet.
Die Glaubwürdigkeit ist ein zentrales Instrument in der medialen Aufbereitung. Während ein Medium die Seite der Opfer betont, versucht ein anderes, die Glaubwürdigkeit der Zeugen durch deren Vergangenheit oder psychische Probleme massiv in Frage zu stellen.
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