Magisterarbeit, 1996
125 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
1. Die Wiener Moderne als Hintergrund für das Filmschaffen Erich von Stroheims
2. Leben und Werk Erich von Stroheims
2.1. Biographie: Überblick
2.2. Die Filme: Einführung
2.2.1. BLIND HUSBANDS (1919)
2.2.2. THE DEVIL’S PASSKEY (1919)
2.2.3. FOOLISH WIVES (1920/21)
2.2.4. MERRY-GO-ROUND (1922/23)
2.2.5. GREED (1923)
2.2.6. THE MERRY WIDOW (1924/25)
2.2.7. THE WEDDING MARCH (1926/27)
2.2.8. QUEEN KELLY (1928/29)
2.3. Resümee
3. Die zentralen Einflüsse auf die Filme Stroheims: Europa und Psychologie
3.1. Europäische Einflüsse
3.1.1. Darstellertypisierung zum Ausdruck der Authentizität
3.1.2. Militär und Dekadenz als europäische Phänomene
3.1.3. Das literarische Moment als Konzept des Europäers
3.2. Psychologische Einflüsse
4. Die Umsetzungen der Dekuvrierung
4.1. Der Atavismus des Handelnden
4.2. Der Atavismus von Milieu, Lebensumfeld und Natur
4.3. Die Darlegung der Natur der handelnden Figuren im jeweiligen Umfeld
4.4. Die Dekuvrierung des Scheins durch die Bewegung
4.5. Die Dekuvrierung der Figuren durch stilistische Mittel
4.6. Die Dekuvrierung der Figuren durch deren Atavismus
4.7. Die Sezierung des Amerikanischen und des Amerikaners
5. Die Selbstinszenierung des Europäers als Darsteller
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einflüsse der Wiener Moderne auf das filmische Schaffen von Erich von Stroheim. Dabei wird analysiert, wie Stroheim seine europäische Prägung, insbesondere durch die kulturellen und psychologischen Strömungen des Wiener Fin de Siècle, in sein Werk einbrachte und zur Dekuvrierung der amerikanischen Gesellschaftsstrukturen sowie zur psychologischen Tiefe seiner Filmfiguren nutzte.
4.5. Die Dekuvrierung der Figuren durch stilistische Mittel
Stroheim stellt in seinen Filmen die Handlung häufig aus dem Blickwinkel der Figuren dar. Da die Kameraführung somit dem Zuschauer ermöglicht, den Blick der Figuren einzunehmen, ist über eine Charakterisierung der Figuren hinaus auch deren Dekuvrierung möglich. In FOOLISH WIVES übernimmt die Kamera den Blick von Marietta, der taubstummen Tochter Ventuccis. Der Blick der Nur-Sehenden, der die Atmosphäre der Villa Amorosa wahrnimmt, macht den bösartigen Geist, der über Karamzin und seinen „Nichten“ schwebt, deutlich. Darüber hinaus ist ihr Blick aber auch der quasi reine Blick einer Naiven, die, unberührt von der Welt, die Realität aus einer unvoreingenommenen Sicht dokumentiert. Der Zuschauer sieht mit ihren Augen die Räume und die darin handelnden Figuren und objektiviert so das filmisch Darstellbare, das sich von seiner Subjektivität nicht unbedingt lösen, aber diese doch reduzieren kann. So wird Karamzin durch den Blick des Mädchens zu dem, der er unter der Oberfläche ist – zu einer Inkarnation des Unguten.
In seiner Einführung wird Karamzin durch unterschiedliche stilistische Mittel so vorgestellt, wie es Stroheims bisheriger Selbstinszenierung als Darsteller einer von ihm selbst geschaffenen Figur entspricht. Durch die hinzukommende Ironisierung, die er nur als Regisseur ausführen kann, kann Karamzin, noch bevor seine Person die Leinwand betritt, eine tiefere Facette zugeordnet werden. So wird der Graf durch eine ironische Geste Vera Petschnikoffs bereits im Vorfeld charakterisiert.
1. Die Wiener Moderne als Hintergrund für das Filmschaffen Erich von Stroheims: Erläuterung des soziokulturellen Umfelds in Wien um die Jahrhundertwende und dessen Einfluss auf Stroheims Menschenbild und filmische Ästhetik.
2. Leben und Werk Erich von Stroheims: Ein biografischer Überblick, der die Migration Stroheims in die USA und die Entwicklung seiner filmischen Laufbahn in Hollywood nachzeichnet.
3. Die zentralen Einflüsse auf die Filme Stroheims: Europa und Psychologie: Analyse der europäischen Prägung, der Bedeutung des Militärischen und der psychoanalytischen Einflüsse durch Freud und Schnitzler auf sein Werk.
4. Die Umsetzungen der Dekuvrierung: Detaillierte Untersuchung der filmischen Mittel wie Kameraführung, Schnitt und Symbolik, mit denen Stroheim seine Charaktere dekuvriert und psychologische Tiefe erzeugt.
5. Die Selbstinszenierung des Europäers als Darsteller: Untersuchung von Stroheims Rollenwahl und seiner Manierismen als Darsteller, um seine kritische Auseinandersetzung mit dem europäischen Erbe und dem amerikanischen Rollenbild zu verdeutlichen.
Erich von Stroheim, Wiener Moderne, Filmwissenschaft, Dekuvrierung, Psychologie, Fin de Siècle, Amerikanische Trilogie, Atavismus, Authentizität, Dekadenz, Psychoanalyse, Regiearbeit, Arthur Schnitzler, Stummfilm, Figurenzeichnung.
Die Arbeit analysiert die Einflüsse der Wiener Moderne und der Wiener psychologischen Tradition auf Person und Werk des Regisseurs Erich von Stroheim und zeigt, wie er diese Elemente in seine Filme integrierte.
Die Schwerpunkte liegen auf der Dekuvrierung (Enthüllung) der Filmfiguren, der satirischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen (besonders in den USA) sowie der Bedeutung europäischer Identität und Dekadenz in Stroheims Werk.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Stroheims europäischer Hintergrund und seine spezifische Ästhetik zu einer neuen Art der Charakterzeichnung führten, die psychologische Tiefe und gesellschaftliche Kritik vereinte.
Die Arbeit nutzt eine filmwissenschaftliche Analyse, die biographische Kontexte mit detaillierten Text- und Sequenzanalysen der Filme kombiniert, um stilistische Mittel und inhaltliche Motive zu entschlüsseln.
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Betrachtung der Filme von Stroheim, der Rolle des Militärs und der Psychologie als Einflüsse sowie der systematischen Analyse der eingesetzten filmischen Stilmittel zur Figurenenthüllung.
Begriffe wie Dekuvrierung, Atavismus, Fin de Siècle, psychologische Einflüsse, Authentizität und die Ambivalenz der Charaktere stehen im Mittelpunkt der Untersuchung.
Die Uniform dient bei Stroheim als Symbol für die europäische Dekadenz und Macht, wird aber von ihm ironisch gebrochen, um das Wesen der Figuren unter der „Maske“ der äußeren Erscheinung zu entlarven.
Er betrachtet sie zynisch durch den Blick des Europäers und nutzt die Konfrontation zwischen der amerikanischen Mentalität und dem europäischen (oft aristokratisch-dekadenten) Charakter, um die Verdrängungen und moralischen Widersprüche der US-Gesellschaft aufzudecken.
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