Masterarbeit, 2012
79 Seiten, Note: 2
1. EINLEITUNG
2. ÜBERLEGUNGEN ZU THEMA UND VORGEHEN
2.1. BEGRIFFLICHE ERLÄUTERUNGEN: SCHIEDSVERFAHREN UND EUGVO
2.2. ANALYSEPHASEN: STATUS QUO UND REFORM IN FÜNF SCHRITTEN
3. DAS VERHÄLTNIS DER EUGVO ZUR SCHIEDSGERICHTSBARKEIT IN IHRER AKTUELLEN FORM
4. EMPIRISCHE ANSTÖßE ZUM REFORMPROZESS
5. HINFÜHRENDE SCHRITTE ZUM KOMMISSIONSREFORMVORSCHLAG
5.1. DIE DISKUSSIONSBEITRÄGE IM EINZELNEN
5.2. PROBLEMWAHRNEHMUNG IM VERGLEICH
5.3. PROBLEMANALYSE IM VERGLEICH
6. DAS VERHÄLTNIS DER EUGVO ZUR SCHIEDSGERICHTSBARKEIT ENTSPRECHEND DES ENDGÜLTIGEN KOMMISSIONSREFORMVORSCHLAGS KOM (2010) 748
6.1. TERRITORIALE UND MATERIELLE BEGRENZUNGEN DER EINSCHLÜSSE
6.2. SCHIEDSGERICHTSBARKEIT UND RECHTSHÄNGIGKEIT
6.3. UNTERGEORDNETE ASPEKTE ZUR SCHIEDSGERICHTSBARKEIT UND GRUNDSÄTZLICHE EINSCHÄTZUNG
7. SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen der Verordnung (EG) Nr. 44/2001 (EuGVO) und der Schiedsgerichtsbarkeit unter Berücksichtigung des Kommissionsreformvorschlags KOM (2010) 748, wobei ein politikwissenschaftliches Phasenmodell genutzt wird, um den Reformbedarf und die juristischen Implikationen kritisch zu bewerten.
4. Empirische Anstöße zum Reformprozess
Der Ausschluss von Schiedsverfahren aus der EuGVO war seit ihrem Inkrafttreten im Jahr 2002 Thema von Debatten durch Wissenschaftler und Rechtsanwender. Der Anstoß zu einer Veränderung kam zunächst aus der Praxis; konkrete Rechtfälle verdeutlichten die Unklarheiten, die sich aus dem Ausschluss der Schiedsverfahren ergaben. Diese waren: (i) die Nebenverfahren, (ii) die einstweiligen oder sichernden Maßnahmen und (iii) die Parallelverfahren. Im Folgenden wird der Autor dieser Arbeit auf die drei Rechtsfälle und die kritischen Punkte, die sie offenbaren, näher eingehen.
Die Fälle, welche die Punkte (i) und (ii) als Unklarheiten deutlich werden ließen, sind vor der Inkraftsetzung der EuGVO während des Regime des EuGVÜ vorgefallen. Die EuGVO spiegelt aber in Bezug auf Schiedsgerichtsbarkeit die Regeln der EuGVÜ wider, weswegen davon ausgegangen werden muss, dass sich die gleichen Probleme auch unter der EuGVO stellen.
Die Problematik der (i) Nebenverfahren wurde durch den Fall „Marc Rich & Co. AG vs. Società Italiana Impianti PA“ deutlich. Grundlage der Streitigkeit aus dem Jahr 1987 war der Vertrag zwischen der Firma Marc Rich, die in der Schweiz eingetragen war, und der Società Italiana Impianti, in Italien eingetragen. Die italienische Gesellschaft verpflichtete sich darin, Marc Rich Öl zu liefern. Zwei Tage nach der Annahme der Vertragsbedingungen durch beide Parteien sandte die schweizerische Gesellschaft ein Fax mit einer ergänzenden Klausel. Diese lautete wie folgt:
1. EINLEITUNG: Einleitung in die Problematik der fehlenden Integration von Schiedsverfahren in den europäischen Rechtsraum unter besonderer Berücksichtigung der EuGVO.
2. ÜBERLEGUNGEN ZU THEMA UND VORGEHEN: Erläuterung grundlegender Begriffe der Schiedsgerichtsbarkeit und Einführung des Phasenmodells des Politikzyklus als methodisches Werkzeug.
3. DAS VERHÄLTNIS DER EUGVO ZUR SCHIEDSGERICHTSBARKEIT IN IHRER AKTUELLEN FORM: Analyse des Ausschlusses der Schiedsgerichtsbarkeit aus der EuGVO und die historische Begründung durch das Brüsseler Regime.
4. EMPIRISCHE ANSTÖßE ZUM REFORMPROZESS: Darstellung praxisrelevanter Fallbeispiele, die den dringenden Klärungsbedarf hinsichtlich Neben- und Parallelverfahren verdeutlichen.
5. HINFÜHRENDE SCHRITTE ZUM KOMMISSIONSREFORMVORSCHLAG: Systematische Auswertung zentraler Diskussionsbeiträge wie des Heidelberg-Berichts und deren Einfluss auf die Problemwahrnehmung.
6. DAS VERHÄLTNIS DER EUGVO ZUR SCHIEDSGERICHTSBARKEIT ENTSPRECHEND DES ENDGÜLTIGEN KOMMISSIONSREFORMVORSCHLAGS KOM (2010) 748: Kritische Untersuchung der Reformvorschläge, insbesondere in Bezug auf territoriale Begrenzungen und das neue Rechtshängigkeitssystem.
7. SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK: Zusammenfassung der Ergebnisse und Einschätzung, inwieweit der Reformvorschlag das Ziel einer klareren Rechtslage erreicht.
Schiedsgerichtsbarkeit, EuGVO, Brüssel I, Reformprozess, Politikzyklus, Schiedsvereinbarung, Parallelverfahren, Nebenverfahren, Rechtshängigkeit, West Tankers, Marc Rich, Anwendbares Recht, Europäisches Zivilprozessrecht, Schiedsspruch, Kommissionsreformvorschlag.
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der europäischen Verordnung EuGVO und der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit im Kontext des Reformvorhabens der Europäischen Kommission.
Zentral sind der Ausschluss von Schiedsverfahren aus dem Anwendungsbereich der EuGVO, die daraus resultierenden praktischen Schwierigkeiten sowie der politische Reformprozess der EU.
Das Ziel ist es, den Reformprozess hinsichtlich der Beziehung zwischen EuGVO und Schiedsgerichtsbarkeit detailliert zu analysieren und zu bewerten, ob der Kommissionsreformvorschlag die identifizierten Probleme lösen kann.
Der Autor nutzt das politikwissenschaftliche Modell des Politikzyklus (policy cycle), um den Gesetzgebungsprozess in verschiedene Phasen zu gliedern und kritisch auf seine juristische Eignung zu prüfen.
Es werden der aktuelle Status quo, empirische Rechtsprobleme (z.B. Parallelverfahren), die theoretischen Diskussionsbeiträge der Kommission und schließlich der finale Reformvorschlag KOM (2010) 748 analysiert.
Schlüsselaspekte sind unter anderem der "Negativeffekt der Kompetenz-Kompetenz", die "Rechtshängigkeit" (Litispendenz) und die "anti-suit injunctions".
Diese Fälle dienen als empirischer Nachweis für die bestehenden Unklarheiten und den dringenden Anpassungsbedarf des europäischen Rechtsrahmens.
Der Autor sieht den Vorschlag als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung, weist jedoch darauf hin, dass bei komplexen Sachverhalten weiterhin erhebliche Auslegungsschwierigkeiten bestehen bleiben könnten.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

