Examensarbeit, 2008
67 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Holocaust oder Shoa? – Begriffserläuterungen
3. Die Shoa – Büchse der Pandora
4. Jüdische Religiosität unter den Bedingungen der Shoa
4.1 Der Alltag der religiösen Juden
4.2 Praktizierung der jüdischen Religion in den Konzentrationslagern
4.3 Religiöse Tendenzen während der Shoa
5. Auf welche Weise lässt sich die Shoa rechtfertigen?
Ein traditioneller Versuch des orthodoxen Judentums
5.1 Mipnej Chata´enu – Unserer Sünden wegen…
5.2 Kiddusch haSchem – Die Heiligung des Göttlichen Namens
5.3 Shoa und Halacha
6. Der innerjüdische Diskurs um die Shoa: Die jüdischen Holocaust Theologen
6.1 Gott starb in Auschwitz – Richard Lowell Rubenstein
6.2 Das verborgene Antlitz Gottes – Eliezer Berkovits
6.3 Der dritte Churban – Ignaz Maybaum
6.4 Das Verbot, Hitler nachträglich siegen zu lassen – Emil Ludwig Fackenheim
6.5 Mysterium Tremendum – Arthur Allen Cohen
6.6 Augenblicke des Glaubens – Irving Greenberg
7. Religiöse Deutungen und ihre zentralen Themen
7.1 Die Frage nach der Einzigartigkeit
7.2 Die Shoa und der Staat Israel
7.3 Gottesfinsternis? – Die Frage nach Gott
8. Fazit – Gegenwärtige Vergangenheit
Die vorliegende Arbeit untersucht den innerjüdischen Diskurs über die Shoa aus einer theologischen Perspektive und analysiert dabei, wie jüdische Theologen versuchen, den Holocaust in den Kontext ihrer Glaubenstradition einzuordnen, ohne dabei die Unbegreiflichkeit des Ereignisses zu leugnen oder den Opfern durch vorschnelle Sinngebungen nicht gerecht zu werden.
6.1 Gott starb in Auschwitz – Richard Lowell Rubenstein
Unter den jüdischen Theologen vertritt der 1924 in New York geborene Richard Lowell Rubenstein zweifellos eine Extremposition: die Absage an den Gott der jüdischen Glaubenstradition angesichts der Katastrophe von Auschwitz. Rubenstein, nach eigenen Angaben nicht-religiöser Herkunft, wendet sich nach anfänglichen Kontakten mit unitarischen Christen dem Reformjudentum zu und lässt sich 1952 zum Reformrabbiner ordinieren. Seit 1971 lehrt er als Professor für Religionswissenschaft an der Florida State University.
„Während der längsten Zeit meiner Karriere hat man mich als den jüdischen Gott-ist-tot-Theologen betrachtet. Im Unterschied dazu sehe ich mich selbst als Theologen des Holocaust. Mein eigenes Verständnis vom ‚Tode Gottes‘ war im Wesentlichen meine Reaktion auf die Shoah.“ Für Rubenstein gibt es drei wesentliche Punkte, die seine Gott-ist-tot-Theologie untermauern: „1. Gott kann es unmöglich erlaubt haben, daß der Holocaust stattfand, 2. der Holocaust fand statt [und] 3. deshalb existiert Gott so, wie sich ihn die jüdische Tradition vorstellt, nicht.“
1. Einleitung: Die Autorin legt die persönliche Motivation für die Arbeit dar und betont die Notwendigkeit, sich der jüdischen Sichtweise auf den Holocaust zu stellen.
2. Holocaust oder Shoa? – Begriffserläuterungen: Es wird die Etymologie und die religiöse Konnotation der Begriffe Holocaust und Shoa kritisch beleuchtet.
3. Die Shoa – Büchse der Pandora: Dieses Kapitel skizziert den historischen Verlauf der Entrechtung und Vernichtung der europäischen Juden.
4. Jüdische Religiosität unter den Bedingungen der Shoa: Die Autorin untersucht das religiöse Leben, den Alltag und die Glaubenspraxis unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Verfolgung.
5. Auf welche Weise lässt sich die Shoa rechtfertigen?: Hier werden traditionelle orthodoxe Deutungsmuster wie das Sünde-Strafe-Schema und das Martyriumskonzept behandelt.
6. Der innerjüdische Diskurs um die Shoa: Die jüdischen Holocaust Theologen: Dieses Kapitel stellt die geschichtstheologischen Interpretationen von sechs zentralen Denkern des jüdischen Holocaust-Diskurses vor.
7. Religiöse Deutungen und ihre zentralen Themen: Eine zusammenfassende Analyse der Fragen nach Einzigartigkeit, der Bedeutung des Staates Israel und der Gottesfrage.
8. Fazit – Gegenwärtige Vergangenheit: Die Autorin reflektiert die Schwierigkeiten der theologischen Auseinandersetzung und die fortwährende Notwendigkeit der Erinnerungskultur.
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Die Hausarbeit widmet sich dem innerjüdischen theologischen Diskurs um die Shoa und analysiert, wie jüdische Denker nach 1945 versuchen, das Unfassbare religiös zu reflektieren.
Die Arbeit behandelt unter anderem den Alltag gläubiger Juden während der Shoa, traditionelle Rechtfertigungsmodelle des Leids sowie die moderne Holocaust-Theologie.
Das Ziel ist es, den Holocaust aus einer genuin jüdischen Perspektive zu betrachten und die verschiedenen theologischen Versuche aufzuzeigen, trotz des Leids an jüdischer Identität und Glauben festzuhalten.
Die Autorin nutzt eine systematisch-theologische Analyse und stützt sich dabei auf eine breite Literaturrecherche, um die Positionen verschiedener Holocaust-Theologen darzustellen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, eine Untersuchung jüdischer Religiosität, die Vorstellung traditioneller Deutungsmuster und die detaillierte Präsentation der Holocaust-Theologien von sechs zentralen Denkern.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Gottesfinsternis", "Kiddusch haSchem", "Gott-ist-tot-Theologie" und "Singularität der Shoa" maßgeblich bestimmt.
Die Autorin diskutiert die Positionen verschiedener Theologen und Historiker und plädiert dafür, die absolute Unmenschlichkeit der Shoa als einzigartig anzuerkennen, ohne dabei die Singularität als Entschuldigung für moralische Apathie zu missbrauchen.
Für viele der untersuchten Theologen, insbesondere Fackenheim und Greenberg, fungiert der Staat Israel als lebendiger Beweis gegen die Vernichtung des jüdischen Volkes und als Antwort auf die Schrecken von Auschwitz.
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