Diplomarbeit, 2000
131 Seiten, Note: 1,3
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
EINLEITUNG
KAPITEL 1 : SYSTEMT HEORETISCHER ANSATZ
1.1 DAS VERSTÄNDNIS VON SYSTEMEN – GRUNDBEGRIFFE DER SYSTHEMTHEORIE
1.1.1 Komplexität und Kontingenz
1.1.2 Sinn und Grenzen
1.1.3 Codierung und Programmierung
1.1.4 Symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien
1.2 FUNKTIONALE DIFFERENZIERUNG UND DIE TEILSYSTEME POLITIK UND PUBLIZISTIK
1.2.1 Theorie funktional differenzierter Teilsysteme:
1.2.2 Modernisierung als Umstellung der Differenzierungsform:
1.2.3 Aus- und Binnendifferenzierungen:
1.3 SYSTEMBEITRÄGE UND INTERDEPENDENZ
1.3.1 Funktionen und Leistungen:
1.3.2 Interdependenzen:
1.3.3 Steuerungsmedien – Publizität als Währung:
KAPITEL 2 : TENDENZEN IN GEGENWARTSGESELLSCHAFTEN
2.1 VERSUCH EINER LAGEBESCHREIBUNG
2.1.1 Moderne als Epoche der Entfaltung und Entgrenzung von Kommunikation:
2.1.2 Amerikanisierung als Zeitdiagnose:
2.2 AUFMERKSAMKEITSÖKONOMIE
2.2.1 Relevanzsteigerung von Publizistik, Werbung und Public Relations:
2.2.2 Gesellschaftliche Tauschmärkte:
EXKURS: VON GAUKLERN UND STARS
KAPITEL 3 : INTERSYSTEMBEZIEHUNGEN VON POLITIK UND PUBLIZISTIK
3.1 KONSEQUENZEN STRUKTURELLER KOPPLUNG
3.1.1 Darstellungszwänge und Camouflage:
3.1.2 Politische Kommunikation
3.2 WAHLKAMPF ALS VERSUCH, ANSCHLUßKOMMUNIKATION ZU ERZEUGEN
3.2.1 Resonanz
3.2.2 Der Transformationsprozeß von Geschenken
SCHLUßBETRACHTUNG: AMERIKANISIERUNG – RESÜMEE EINES MIßVERSTÄNDNISSES?
Die Diplomarbeit untersucht das komplexe Wechselverhältnis zwischen den Funktionssystemen Politik und Publizistik innerhalb der modernen Gesellschaft. Das zentrale Ziel ist es, unter Anwendung systemtheoretischer Perspektiven zu klären, wie beide Systeme kommunikativ miteinander verknüpft sind, welche Rolle Aufmerksamkeitsknappheit dabei spielt und ob die häufig konstatierte „Amerikanisierung“ der Politik tatsächlich eine einseitige Dominanz der Medien darstellt oder eher Ausdruck einer allgemeinen Modernisierungsdynamik ist.
Modernisierung als Umstellung der Differenzierungsform:
Unter dem Aspekt der Systemkapazität für Komplexitätsreduktion, unterscheidet LUHMANN drei evolutionäre Stufen einer dominanten gesellschaftlichen Differenzierungsform (WILLKE, 1993; KNEER/NASSEHI, 1997). Die einfachste Stufe nennt er segmentäre Differenzierung und versteht darunter ein in gleiche Teile differenziertes Gesellschaftssystem, wie es für archaische Gesellschaften typisch ist. Die Grenzen der Teilsysteme einer segmentär differenzierten Gesellschaft bestehen in konkreten Handlungssituationen, die auf die Anwesenheit von Personen angewiesen sind. Die Folge ist eine geringe Arbeitsteilung. Der Komlexitätsgrad eines solchen Gebildes ist demnach recht niedrig, es bestehen kaum Variations- oder Selektionsmöglichkeiten. Da es an funktionaler Differenzierung fehlt, sind die anfallenden Systemoperationen zeitlich abfolgend organisiert, was langwierig ist und Problembewältigung erschwert.
Diese zweite Stufe nennt Luhmann stratifikatorische Differenzierung. Das entscheidende Einteilungsprinzip sind hier ungleichartige und ungleichrangige Teile. Hierarchische Beziehungen sind kennzeichnend für das Verhältnis der Teilsysteme untereinander. Die Leitdifferenz besteht in der Unterscheidung zwischen oben und unten (DIES., ebd.). Als Prototyp können höfische Gesellschaften angeführt werden, deren strikte Standesgrenzen ihre Kohäsion in einer religiös fundierten, „gottgewollten“ Ordnung fanden und so auf externe, transzendentale Regelung verwiesen.
KAPITEL 1 : SYSTEMT HEORETISCHER ANSATZ: Dieses Kapitel erläutert die systemtheoretischen Grundlagen, insbesondere das Verständnis von System/Umwelt-Differenz, autopoietischer Operationsweise und funktionaler Differenzierung als Leitform moderner Gesellschaften.
KAPITEL 2 : TENDENZEN IN GEGENWARTSGESELLSCHAFTEN: Hier werden aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wie die „Informationsflut“, das Phänomen der Aufmerksamkeit als knappe Ressource und die Diskussion um die „Amerikanisierung“ der Politik im Kontext der Modernisierung analysiert.
KAPITEL 3 : INTERSYSTEMBEZIEHUNGEN VON POLITIK UND PUBLIZISTIK: Das Abschlusskapitel überträgt die theoretischen Erkenntnisse auf das konkrete Wechselspiel zwischen Politik und Medien, wobei insbesondere das Beispiel des Wahlkampfs als Ort der „strukturellen Kopplung“ dient.
Systemtheorie, Niklas Luhmann, Publizistik, Politik, Massenkommunikation, Amerikanisierung, Aufmerksamkeitsökonomie, funktionale Differenzierung, strukturelle Kopplung, politische Kommunikation, Wahlkampf, Öffentlichkeit, Interdependenz, Modernisierung.
Die Arbeit analysiert das Zusammenspiel zwischen den gesellschaftlichen Funktionssystemen Politik und Publizistik aus der Perspektive der systemtheoretischen Soziologie nach Niklas Luhmann.
Die Schwerpunkte liegen auf der gesellschaftlichen Rolle von Massenmedien, dem Wandel der politischen Kommunikation unter Modernisierungsdruck sowie der Bedeutung von Aufmerksamkeit als knappe Ressource.
Das Ziel ist es, den Modebegriff der „Amerikanisierung der Politik“ wissenschaftlich fundiert in einen systemtheoretischen Kontext zu überführen, um zu klären, ob es sich um eine strategische Übernahme von Methoden oder einen strukturellen Wandel handelt.
Die Untersuchung nutzt einen systemtheoretischen Ansatz (makroperspektivisch), um Funktionssysteme und deren Interdependenzen analytisch zu modellieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Systemtheorie, die Analyse von Modernisierungstendenzen (insb. Knappheit und Aufmerksamkeit) sowie die Untersuchung der Intersystembeziehungen am Beispiel von Wahlkämpfen.
Zentrale Begriffe sind systemtheoretische Differenzierung, Aufmerksamkeit, Amerikanisierung, strukturelle Kopplung und öffentliche Kommunikation.
Die Arbeit dekonstruiert den Begriff und sieht darin weniger eine einseitige Übernahme amerikanischer Strategien, sondern vielmehr die sichtbare Folge eines allgemeinen, globalen Modernisierungsprozesses, den Politik und Medien gleichermaßen durchlaufen.
Da Politik in modernen Gesellschaften auf öffentliche Aufmerksamkeit angewiesen ist, muss sie sich den Selektionsregeln der Publizistik anpassen; die Arbeit zeigt, dass Politiker dazu gezwungen sind, ihre Anliegen medienwirksam als „Geschenke“ oder „Sensationen“ zu verpacken.
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