Fachbuch, 2021
54 Seiten
1 Einleitung
2 Institutionen und Organisationen im Bildungsbereich
2.1 Institution
2.2 Organisation
3 Öffentliche Schule und private Nachhilfe
3.1 Gesellschaftliche Funktionen der Institution Schule
3.2 Private Nachhilfe
3.3 Kommerzielle Nachhilfeinstitute
4 Fazit
5 Perspektiven
Die Arbeit untersucht das komplexe Spannungsfeld zwischen der öffentlichen Schule als staatlicher Bildungsinstitution und kommerziellen Nachhilfeinstituten als privatem Wirtschaftsakteur. Ziel ist es zu erarbeiten, ob eine dauerhafte und sinnvolle Koexistenz beider Einrichtungen möglich ist und inwieweit sie sich in ihren Bildungsaufträgen ergänzen oder behindern.
3.2.1 Nachhilfe als bekanntes Phänomen
Nachhilfeunterricht ist keinesfalls ein neuzeitliches Phänomen. Die Ursprünge des privat finanzierten Nachhilfeunterrichts finden sich im 19. Jahrhundert, als das öffentliche Schul- und Berechtigungswesen schrittweise eingerichtet wurde (Streber, 2011).
Bei den vorher existierenden städtischen Trivialschulen, klerikalen Gelehrtenschulen und privaten Winkelschulen kam eine zusätzliche private Unterrichtserteilung ohnehin nicht in Frage, da man an den Winkelschulen Bildung als solche ─ Lesen, Schreiben und Rechnen ─ verkaufte, während bei den anderen Typen der Schulbesuch an sich von Wichtigkeit war und nicht der unterschiedlich normierte Schulabschluss (Weegen, 1986, S. 236).
Mit der Einführung des staatlichen Abiturreglements im Jahre 1812 wurde das stark vertretene Privatschulwesen zurückgedrängt (Gießing, 1997). Das Abitur war von nun an die entscheidende Zugangsvoraussetzung in höherwertige berufliche Positionen, weshalb ein genereller Schulbesuch sowie die soziale Herkunft nicht mehr ausreichten, den sozialen Status in der Gesellschaft zu erhalten (Streber, 2011). Die in wohlhabenderen Familien tätigen Hauslehrer verloren zunehmend an Bedeutung, weil sich Eltern für den Besuch des Gymnasiums entschieden (Streber, 2011). Die Wahl der Schulform veränderte sich zugunsten der öffentlichen Schule (Gießing, 1997). Das Interesse an privaten Unterrichtstunden war dennoch vertreten und war im Alltag vieler Gymnasiasten verankert. Bis zu 90 Prozent der Eltern ließen den gymnasialen Bildungsweg ihrer Kinder mit privaten Nachhilfestunden flankieren (Weegen, 1986). Die Organisation des Nachhilfeangebots wurde zu damaliger Zeit allerdings anders als heute organisiert und kontrolliert. Ein verhältnismäßig großer Teil der Nachfrage wurde von den Klassenlehrern abgedeckt, die für den zusätzlich erteilten Unterricht die Einwilligung des Schulleiters benötigten (Gießing, 1997).
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Nachhilfe als Wachstumsmarkt und definiert das Erkenntnisinteresse an der Koexistenz von Schule und kommerziellen Instituten.
2 Institutionen und Organisationen im Bildungsbereich: Dieses Kapitel erarbeitet die theoretischen Begriffe von Institution und Organisation, um die strukturellen Rahmenbedingungen von Schule und Nachhilfeträgern analytisch zu fassen.
3 Öffentliche Schule und private Nachhilfe: Hier werden die gesellschaftlichen Funktionen der Schule sowie die Ursprünge und Strukturen des Nachhilfemarktes detailliert analysiert und die Qualifikationsunterschiede der Lehrkräfte thematisiert.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet kritisch den Motivwandel der Nachhilfe sowie die Konfliktpotenziale zwischen kommerziellen Interessen und staatlichem Bildungsauftrag.
5 Perspektiven: Das Kapitel diskutiert Handlungsmöglichkeiten für den Staat, um die individuelle Förderung nachhaltig in das Schulsystem zu integrieren und den problematischen Motivwandel der Nachhilfe zu regulieren.
Nachhilfe, Öffentliche Schule, Bildungssystem, Kommerzielle Nachhilfeinstitute, Institution, Organisation, Chancengleichheit, Bildungsaspirationen, Leistungsbeurteilung, Individuelle Förderung, Lehrerausbildung, Schulsystem, Wirtschaftlichkeit, Kompetenz, Allokationsfunktion
Die Arbeit untersucht das Verhältnis und die mögliche Koexistenz zwischen dem staatlichen Schulwesen und privaten, kommerziellen Nachhilfeanbietern in Deutschland.
Die zentralen Themen umfassen bildungssoziologische Analysen von Institutionen, die Funktionen der Schule, die Entwicklung der Nachhilfe sowie die unterschiedlichen Qualifikationsprofile der Lehrkräfte in beiden Bereichen.
Es soll erarbeitet werden, ob und wie kommerzielle Nachhilfeinstitute und öffentliche Schulen koexistieren können, ohne den staatlichen Bildungsauftrag oder die Chancengleichheit zu gefährden.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit soziologischen Konzepten (Institution/Organisation) sowie der Analyse von Studien zur Nachhilfeforschung und bildungspolitischen Diskursen.
Der Hauptteil analysiert die strukturellen Unterschiede zwischen Schule und Nachhilfeinstitut, beleuchtet Motive für die Inanspruchnahme von Nachhilfe und vergleicht die Anforderungen an die Lehrkräfte sowie die genutzten Sozialformen.
Wichtige Begriffe sind Nachhilfe, Institution, Organisation, Chancengleichheit, individuelle Förderung und das Spannungsfeld zwischen öffentlichem Bildungsauftrag und privatwirtschaftlichem Interesse.
Der Motivwandel, weg von der kurzfristigen Defizitkompensation hin zu einer langfristigen, zukunftsorientierten Bildungsbegleitung, wird kritisch betrachtet, da er finanzielle Hürden schafft und gesellschaftliche Chancengleichheit gefährden kann.
Die Arbeit zeigt auf, dass kommerzielle Institute durch geschickte Marketinginstrumente und vertragliche Bindungen Eltern als "Bildungspartner" gewinnen, wobei teilweise Bedürfnisse geweckt werden, die über den eigentlichen Förderbedarf hinausgehen.
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