Magisterarbeit, 2006
106 Seiten, Note: 1,0
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1 MYTHOS
1.1 „DER ABSOLUTISMUS DER WIRKLICHKEIT“
1.2 LEISTUNGEN DES MYTHOS
1.2.1 WELTVERTRAUEN DURCH DISTANZGEWINN
1.2.2 STABILISIERUNG
1.3 DER MYTHOS ALS DENKFORM
1.3.1 MYTHISCHES DENKEN
1.3.2 MYTHISCHER RAUM
1.3.3 MYTHISCHE ZEIT
1.3.4 BEDEUTSAMKEIT
1.4 MYTHOS UND LOGOS
1.5 DIE REZEPTION DES MYTHOS
1.5.1 ÄSTHETISCHE REZEPTION
1.5.2 ZU ENDE BRINGEN/SCHRECKEN
2 POSTMODERNE
2.1 KULTURKRITIK
2.2 DIE LITERARISCHE POSTMODERNE
2.3 MYTHOS UND POSTMODERNE
3 MICHEL BUTOR: L’EMPLOI DU TEMPS
3.1 DIE HANDLUNG
3.2 DIE ORDNUNGSWEISEN
3.2.1 DIE FORMALE ORDNUNG
3.2.2 DIE INHALTLICHE ORDNUNG
3.2.2.3 DIE KATHEDRALEN
3.3 DIE ‚ORDNUNG’ DES DISKURSES
3.4 RESUMEE
4 CHRISTOPH RANSMAYR, DIE LETZTE WELT
4.1 LITERARISCHE „FUNDAMENTE“
4.2 DIE VERFREMDUNG VON ZEIT UND RAUM
4.3 DER MYTHOS IN DER LETZTEN WELT
4.3.1 DIE FIGUREN
4.3.2 COTTA
4.4 VERNUNFT VERSUS MYTHOS
4.4.1 DIE RÖMISCHE VERNUNFT
4.4.2 DER MYTHOS IN ROM
4.4.3 VERNUNFT UND MYTHOS IN TOMI
4.5 DER ÄSTHETISIERTE MYTHOS
4.6. RESUMEE
5 PAUL AUSTER, IN THE COUNTRY OF LAST THINGS
5.1 MYTHOS IM LAND DER LETZTEN DINGE
5.1.1 DIE UNTERWELTFAHRT
5.1.2 ANNA BLUME ALS „BEGNADETER MENSCH“
5.2 RAUMGESTALTUNG
5.3 DIE STRUKTURIERUNG DER ZEIT
5.4 MYTHISCHES DENKEN
5.5 MENSCHLICHKEIT UND ETHOS
5.6 DER STELLENWERT MYTHISCHER STRUKTUREN UND MYTHISCHEN DENKENS
6 GESAMTRESUMEE
Die Arbeit untersucht die Struktur und Funktion des Mythischen in drei ausgewählten postmodernen Romanen, wobei der Fokus darauf liegt, wie die Autoren antike Mythen oder mythische Denkweisen zur Bewältigung komplexer, zeitgenössischer Wirklichkeitserfahrungen einsetzen.
1.1 „Der Absolutismus der Wirklichkeit“
Die Zeit des lebendigen Mythos liegt lange zurück, die Zeit, in der Mythen kollektiv geglaubt wurden und die Welt erklärten und ordneten.
Es ist eine übermächtige, feindliche, unbegreifbare Umwelt, der „Absolutismus der Wirklichkeit“, wie Blumenberg ihn nennt (Blumenberg, 1984: 9 ff), die den Menschen letztendlich dazu veranlasst, Mythen zu bilden: Der Wechsel des Lebensraums vom Urwald in die Savanne setzt den Menschen einer ihm fremden, bedrohlichen Umwelt aus, an die er zunächst nur mangelhaft angepasst ist. Seine beständige Gefährdung versetzt ihn in einen permanenten Zustand einer „vorfühlenden Erwartungshaltung“ (Blumenberg, 1984: 11), die darauf beruht, „dass der Mensch die Bedingungen seiner Existenz annähernd nicht in der Hand hatte und, was wichtiger ist, schlechthin nicht in seiner Hand glaubte.“ (Blumenberg, 1984: 9). Dieses empfundene – und auch tatsächliche – Defizit befähigt ihn schließlich zu imaginativen Leistungen, die helfen, die permanente Angst zu besiegen und zu überleben. Die Konfrontation mit der Wirklichkeit nimmt er in der Vorstellung vorweg: „Zu den Grundfiguren, in denen sich die Geschichte des Menschen bis in dokumentierte Zeiten hinein darstellt, gehört es, dass die Wahrnehmung seines Interesses gegenüber der Wirklichkeit, bevor sie auch nur im Ansatz realistisch werden konnte, in der Illusion durchgespielt und als unerkannte Fiktion verteidigt wurde.“ (Blumenberg, 1984, S.18).
Diese imaginativen Leistungen, die der Mensch dadurch vollbringt; befähigen ihn schließlich, seine Panik aufzulösen, die umfassende Angst zur konkreten Furcht zu rationalisieren, das Unvertraute und Unnennbare durch Vertrautes zu ersetzen, indem er es benennt (vgl. Blumenberg, 1984: 11).
1 MYTHOS: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge des Mythos als Antwort auf einen „Absolutismus der Wirklichkeit“ und untersucht Funktionen wie Weltvertrauen, Sinnstiftung und Stabilisierung durch Rituale.
2 POSTMODERNE: Der Abschnitt skizziert die kulturtheoretischen Debatten zur Postmoderne, insbesondere die Begriffe Indifferenz und Beliebigkeit, und diskutiert, wie literarische Texte auf den Verlust großer Meta-Erzählungen reagieren.
3 MICHEL BUTOR: L’EMPLOI DU TEMPS: Das Kapitel analysiert Butors Roman als Labyrinth, in dem der Protagonist Jacques Revel versucht, durch Tagebuchaufzeichnungen eine Ordnung in der fremden, feindlichen Industriestadt Bleston zu finden.
4 CHRISTOPH RANSMAYR, DIE LETZTE WELT: Die Untersuchung zeigt, wie Ransmayr antike Mythen als "Importware" in einen entmythisierten, ästhetisierten Raum integriert und den Mythos zur Freiheit der Kunst nutzbar macht.
5 PAUL AUSTER, IN THE COUNTRY OF LAST THINGS: Das Kapitel erforscht, wie Auster mythische Muster wie die "Unterweltfahrt" in einem postapokalyptischen Szenario nutzt, um Annas Suche nach Orientierung und Menschlichkeit in einem chaotischen Umfeld darzustellen.
6 GESAMTRESUMEE: Die Zusammenfassung resümiert die drei Romane und stellt fest, dass während Butor und Ransmayr aus der Rationalität in den Mythos führen, bei Auster die Richtung in ein vormythisches Chaos verläuft.
Mythos, Postmoderne, Wirklichkeit, Mythologem, Erzählstruktur, Labyrinth, Michel Butor, Christoph Ransmayr, Paul Auster, Identität, Sprache, Rationalität, Metamorphose, Zeichen, Deutung.
Die Magisterarbeit untersucht, wie Autoren des postmodernen Romans antike Mythen und mythische Denkformen als Deutungsmodelle und erzählerische Strukturen einsetzen, um auf die Komplexität und Sinnentleerung der modernen Welt zu reagieren.
Die Themen umfassen die Definition des Mythos nach Blumenberg und Cassirer, die kulturphilosophische Einordnung der Postmoderne sowie die literaturwissenschaftliche Analyse spezifischer Romane.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Michel Butor, Christoph Ransmayr und Paul Auster das Spannungsverhältnis zwischen rationaler Weltsicht und mythischem Denken in ihren Werken nutzen, um individuelle oder gesellschaftliche Krisen zu bewältigen.
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die den Primärtext (die Romane) mit kulturtheoretischen und philosophischen Konzepten zur Postmoderne und Mythenrezeption verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Mythos und Postmoderne sowie in drei detaillierte Textanalysen zu den genannten Autoren.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Mythosrezeption, Labyrinth, Identität, Zeichen, Rationalität und postmoderne Literatur aus.
Während Butor den Mythos (wie den Theseus-Mythos) als bewusstes, komplexes Ordnungs- und Orientierungssystem im Schreibprozess nutzt, tauchen mythische Fragmente bei Auster eher systemlos und unvorhersehbar in einem vormythischen Chaos auf.
Das Labyrinth dient als Leitmetapher für die Erzählstruktur: Der Protagonist verstrickt sich in einem "Möbiusband" von Ereignissen und Zeiten, wobei sein Schreiben der einzige Ausweg ist, um die Identität zu wahren.
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