Examensarbeit, 2008
134 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Erkenntnisinteresse
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Begriffsdefinitionen: Aggression - Gewalt
2.1 Aggression
2.1.1 Begriffsbestimmung: Aggressionsbegriffs
2.1.2 Mögliche Erscheinungsformen
2.2 Gewalt
2.2.1 Begriffsbestimmung: Gewalt
2.2.2 Mögliche Erscheinungsformen
2.3 Begriffsverständnis Aggression und Gewalt für diese Arbeit
3 Theorien und Ursachen gemäß der Gewaltforschung
3.1 Psychologische Aggressionstheorien
3.1.1 Triebtheorie nach Freud
3.1.2 Frustrations-Aggressionstheorie
3.1.3 Lerntheoretische Ansätze
3.1.3.1 Klassisches Konditionieren
3.1.3.2 Operantes Konditionieren (Lernen am Effekt/Erfolg/Misserfolg)
3.1.3.3 Lernen am Modell
3.1.3.4 Kognitives Lernen
3.2 Soziologische Aggressionstheorien
3.2.1 Anomietheorie
3.2.2 Subkulturtheorie
3.2.3 Labeling-Approach-Theorie
3.2.4 Desintegration-Verunsicherungs-Erklärungsansatz
3.3 Bio-psychosoziales Modell als neuere Erweiterung der herkömmlichen Theorien
4 Gewalt in der (Berufs-)schule
4.1 Häufige Ausprägungen von Gewaltmustern
4.1.1 Bullying als Phänomen aggressiven Verhaltens
4.1.2 Innerschulische Bezugsrichtungen aggressiven Verhaltens
4.1.3 Persönlichkeitsmerkmale von Tätern und Opfern
4.1.3.1 Charakteristische Merkmale typischer Gewalttäter (Bullies)
4.1.3.2 Charakteristische Merkmale typischer Gewaltopfer (Victims)
4.1.4 Orte und Situationen des Geschehens
4.2 Schule als Grund für aggressives Verhalten
5 Pädagogische Präventions- und Interventionsmöglichkeiten
5.1 Ansätze der Aggressionsverminderung
5.1.1 Individuelle / personale Ansätze
5.1.1.1 Mythos der Katharsishypothese
5.1.1.2 Verminderung aggressionsstimulierender Faktoren
5.1.1.3 Entwicklung der sozialen Kognition
5.1.1.4 Konstruktive Konfliktregelungen
5.1.1.5 Steuerung der Lernkultur/Unterrichtsqualität
5.1.2 Anpassung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen
5.2 Aggressionsverminderung an Schulen – zwei Ansätze
5.2.1 Mehr-Ebenen-Konzept (Olweus)
5.2.2 Coolness-Training
6 Bedeutung des Sportunterrichts für die Aggressionsverminderung
6.1 Sport als Gewaltprävention oder als Gewaltursache?
6.2 Bedingungen zur Aggressionsverminderung im Sportunterricht
6.2.1 „Entschulung“ des Sportunterrichts
6.2.2 Öffnung des Sportunterrichts
6.3 Aspekte der Aggressionsverminderung im Sportunterricht
6.3.1 Aggressive Emotionen im Sport
6.3.2 Kämpfen im Sportunterricht
6.4 Förderung von Sozialkompetenzen unter Einbezug des sozialen Lernens
6.4.1 Basisprozesse sozialen Handelns
6.4.2 Prämissen eines konstruktiven sozialen Lernens
6.4.2 Sozialkompetenzen in Bezug zum sozialen Lernen
7 Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht das Phänomen Gewalt an Berufsschulen unter Berücksichtigung von Erscheinungsformen und Ursachen. Das primäre Ziel besteht darin, pädagogische Interventionsmöglichkeiten zu identifizieren und insbesondere die Rolle des Sportunterrichts bei der Aggressionsverminderung zu analysieren, um Lehrkräften Handlungsansätze gegen aggressive Verhaltensmuster zu bieten.
3.1.3 Lerntheoretische Ansätze
In den vorangegangen Ansätzen wurde Aggression als innewohnender Trieb verstanden. Dieser wurde entweder als angeboren (Triebtheorie) verstanden oder konnte durch bestimmte Reize freigesetzt (Frustrations-Aggressions-Theorie) werden. Anders als bei diesen Theorien gehen Vertreter des Lerntheoretischen Ansatzes davon aus, dass Aggression einem ähnlichen Lernprozess unterliegt, wie andere Verhaltensweisen auch (z.B. Sprechen, Schreiben, Kochen) (vgl. Selg et al. 1997: 27f.). Es wird nicht abgestritten, dass negative Reize situativ hohe Risikofaktoren für aggressives Verhalten darstellen, allerdings wird hier nicht die Entwicklung von Aggression als personale Disposition ausreichend erklärt (vgl. Nolting 2007: 83). Berühmteste Vertreter dieser Theorie sind Albert Bandura und Richard Walters. Beide haben in den 60er und 70er Jahren für grundlegende Veränderungen in der Gewaltforschung gesorgt. Die lerntheoretischen Entwicklungsprozesse aggressiven Verhaltens werden hauptsächlich in drei Lernkonzepten beschrieben (vgl. Meier 2003: 47f.):
1. Klassisches Konditionieren (Pawlow, Watson); Bedeutung von affektiven Reaktionen auf bestimmte Objekte oder Personen.
2. Operantes Konditionieren (Skinner, Hull); Erlernen neuer Verhaltensweisen durch das Erleben positiver Konsequenzen (auch: Lernen am Erfolg).
3. Lernen am Modell (Bandura, Walters); Verhaltenssequenzen werden durch Beobachtung und Identifikation übernommen. Bandura entwickelte 1979 die sozial-kognitive Lerntheorie.
Nolting fügt den drei vorstehenden Lerntheorien noch einen weiteren, vierten Ansatz zur Erklärung der Entwicklung aggressiven Verhaltens hinzu:
4. Kognitives Lernen (Piaget); Bekannte Verhaltensmuster werden interpretiert und bewertet, um anschließend bewusst auf neue Situationen übertragen zu werden.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von Jugendgewalt an Schulen ein und definiert das Erkenntnisinteresse sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Begriffsdefinitionen: Aggression - Gewalt: In diesem Kapitel werden theoretische Definitionsansätze für Aggression und Gewalt dargelegt und für den weiteren Verlauf der Arbeit präzisiert.
3 Theorien und Ursachen gemäß der Gewaltforschung: Es werden psychologische und soziologische Theorien zur Entstehung von Aggression analysiert, um die Hintergründe menschlichen Gewaltverhaltens zu verstehen.
4 Gewalt in der (Berufs-)schule: Dieses Kapitel untersucht die spezifischen Ausprägungen von Gewalt an Berufsschulen, inklusive Täter-Opfer-Profilen und der Schule als möglichem Entstehungsort.
5 Pädagogische Präventions- und Interventionsmöglichkeiten: Die Arbeit stellt pädagogische Handlungsoptionen vor, untergliedert in individuelle Ansätze und umfassende Konzepte wie das Mehr-Ebenen-Konzept und Coolness-Training.
6 Bedeutung des Sportunterrichts für die Aggressionsverminderung: Hier wird kritisch beleuchtet, inwiefern der Sportunterricht zur Gewaltprävention beitragen kann und welche Rolle soziales Lernen dabei spielt.
7 Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit eines ganzheitlichen, schulinternen Ansatzes sowie die Bedeutung der Lehrerbildung für den Umgang mit Gewalt.
Gewalt, Aggression, Berufsschule, Pädagogische Intervention, Prävention, Sportunterricht, Bullying, Soziales Lernen, Konfliktmanagement, Coolness-Training, Täter-Opfer-Verhältnis, Sozialkompetenz, Schulklima, Erziehung, Psychologie.
Die Arbeit analysiert das Phänomen Gewalt und Aggression an Berufsschulen und untersucht pädagogische Möglichkeiten, diesen Verhaltensweisen präventiv und intervenierend zu begegnen, mit einem besonderen Fokus auf den Sportunterricht.
Die zentralen Felder umfassen die theoretische Gewaltforschung (psychologisch/soziologisch), die Analyse schulischer Gewaltformen wie Bullying, sowie konkrete pädagogische Interventionsstrategien im Schulumfeld.
Das Hauptziel ist es, auf Basis einer Literaturanalyse aufzuzeigen, wie Gewalt an Berufsschulen existiert und wie Lehrkräfte durch gezielte pädagogische Maßnahmen, insbesondere im Sportunterricht, zur Aggressionsverminderung beitragen können.
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse, die verschiedene psychologische und soziologische Ansätze zur Gewaltforschung sowie bestehende pädagogische Präventionskonzepte systematisch auswertet und diskutiert.
Im Hauptteil werden zunächst Aggressionstheorien und das Gewaltphänomen im schulischen Kontext definiert, gefolgt von einer Darstellung verschiedener Präventions- und Interventionsprogramme und einer speziellen Untersuchung zur Bedeutung des Sports.
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Gewaltprävention, pädagogische Intervention, soziales Lernen, Aggressionsverminderung und die spezifische Lernkultur an Berufsschulen charakterisieren.
Der Sportunterricht wird als spezielles Medium diskutiert, in dem durch gezielte Förderung von Sozialkompetenz und den konstruktiven Umgang mit emotionalen Situationen (z.B. durch Kämpfen als pädagogische Disziplin) ein Beitrag zur Aggressionsverminderung geleistet werden kann.
Das Coolness-Training setzt stärker auf konfrontative Pädagogik, bei der gewaltbereite Jugendliche direkt mit ihrem Verhalten konfrontiert werden, ohne dieses zu rechtfertigen, um so eine nachhaltige Verhaltensänderung zu bewirken.
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