Magisterarbeit, 2007
167 Seiten, Note: noch offen
1. Ziel und Aufbau der Arbeit
2. Die Türkei – Ein Kurzüberblick
2.1 Geostrategische Lage
2.2 Die Wurzeln der Westorientierung
2.2.1 Das Osmanische Reich
2.2.2 Die Jungtürken
2.2.3 Der Niedergang des Osmanischen Reiches und die Gründung der türkischen Republik
2.2.4 Die Kulturrevolution Atatürks und ihre Ziele
2.2.5 Die sechs Prinzipien des Kemalismus
3. Die Entwicklung des institutionellen Anschlusses der Türkei an die Europäische Union
3.1 Das Assoziierungsabkommen
3.2 Die problematische Entwicklung der türkischen Integration bis zum Ende der 80er Jahre
3.3 Der Antrag auf Vollmitgliedschaft
3.4 Die veränderte Ausgangssituation der Türkei - EU Beziehungen nach dem Ende des Ost-West-Konflikts
3.5 Die weitere Entwicklung der Beziehungen bis zur Realisierung der Zollunion zwischen der EU und der Türkei
3.6 Das Zollunionsabkommen zwischen der Türkei und der EU
3.7 Wichtige Entwicklungen im Vorfeld des Europäischen Rates von Luxemburg
3.8 Das Gipfeltreffen der Europäischen Union in Luxemburg
3.9 Der Beschluss von Helsinki
3.10 Das Dokument über die Beitrittspartnerschaft und die weiteren Entwicklungen bis 2004
3.11 Die Erlangung des Beitrittskandidatenstatus und die weitere Entwicklung bis heute
4. Europäische Perspektiven – Chancen und Risiken für die EU im Falle eines EU-Beitritts der Türkei
4.1 Geopolitische und geostrategische Dimension
4.1.1 Von der anti- Riegelfunktion zur multidimensionalen strategischen Partnerschaft
4.1.2 Geopolitische Bedeutung – Außenbeziehungen der Türkei
4.1.3 Geostrategische Bedeutung
4.1.4 Energie- und Sicherheitspolitik
4.1.4.1 Die Türkei als Energieversorger
4.1.4.2 Die Türkei als sicherheitspolitischer Stabilisator
4.1.4.3 Politische und soziale Stabilisierung der Türkei
4.2 Institutionelle Dimension
4.3 Ökonomische und soziale Dimension
4.3.1 Die wirtschaftliche Situation der Türkei
4.3.2 Wirtschaft
4.3.3 Migration
4.4 Geographische Dimension
4.5 Kulturelle Dimension
4.5.1 Kultur
4.5.2 Politische Kultur
4.5.3 Religion
4.6 Identität
4.6.1 Definition europäischer Identität durch geschichtlichen und religiösen Hintergrun
4.6.2 Definition europäischer Identität durch Willenserklärung zur Zugehörigkeit
4.6.3 Definition europäischer Identität - EU als Werte- und Rechtsgemeinschaft
4.6.4 Identität – Die allgemeine Diskussion
4.6.5 Die europäische Identität
4.6.6 Die türkische Identität
4.7 Mögliche Alternativen zu einer EU-Vollmitgliedschaft der Türkei
4.7.1 Privilegierte Partnerschaft
4.7.2 Erweiterte Assoziierte Mitgliedschaft
4.7.3 Abgestufte Integration
5. Türkische Perspektiven – Chancen und Risiken für die Türkei im Falle eines EU-Beitritts
5.1 Politik
5.2 Wirtschaft
5.3 Gesellschaft
6. Die Debatte um den EU-Beitritt der Türkei in den deutschen Medien
6.1 Theoretisch-methodische Zuordnung der Analyse
6.1.1 Die wissenssoziologische Diskursanalyse
6.1.1.1 Die Medieninhaltsanalyse
6.1.2 Allgemeine methodische Vorüberlegungen
6.1.2.1 Forschungspraktische theoretische Herangehensweise
6.1.2.2 Quantitative und qualitative Elemente der Inhaltsanalyse
6.1.2.3 Qualitative Forschung - Interpretation und Kontrolle – hermeneutischer Zirkel und seine methodische Umsetzung
6.1.2.4 Qualitative Analyseinstrumente I - Frames, Argumentationsmuster, Argumentationsebene/stil, Bias
6.1.2.5 Qualitative Analyseinstrumente II und quantitative Gewichtung von Frames, Argumenten und Schlüsselbegriffen
6.2 Untersuchungsvorgehen
6.2.1 Untersuchungszeitraum
6.2.2 Untersuchungseinheiten
6.2.3 Ausschlusskriterien
6.3 Ergebnisse
6.3.1 Vergleich der Relevanz des Themas
6.3.1.1 Querschnitt- und Symbolanalyse
6.3.1.2 Längsschnittanalyse
6.3.2 Feinanalyse und Rekonstruktion der Frames
6.3.3 Codierung, Identifizierung und Gewichtung der Frames
6.3.3.1 Codierschema für die Inhaltsanalyse
6.3.3.2 Identifizierte Frames
7. Vergleich und Bewertung des wissenschaftlichen Diskurses mit der in den Medien geführten Debatte
8. Schlussbemerkung
Die vorliegende Magisterarbeit verfolgt das Ziel, den wissenschaftlichen Diskurs über einen möglichen EU-Beitritt der Türkei dem in deutschen Medien geführten gesellschaftlichen Diskurs gegenüberzustellen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, ob beide Debatten mit ähnlichen Argumentationslinien und Themenschwerpunkten arbeiten oder signifikante Unterschiede aufweisen, und welche Faktoren diese Differenzen begründen könnten.
2.2.1 Das Osmanische Reich
Die Eroberung Istanbuls stellte das Ende des tausendjährigen Oströmischen Reichs dar und markierte zugleich den Beginn der osmanischen Großmacht in Europa. Das Osmanische Imperium, das sich auf drei Kontinente, nämlich Europa, Asien und Afrika erstreckte, verstand sich jedoch von Beginn an im politischen und diplomatischen Sinne eher als eine europäische und nicht als eine asiatische Macht.
Spätestens im 16. Jahrhundert hatte das osmanische Reich unter Süleyman (1520-1566) begonnen, eine Rolle als europäische Großmacht zu spielen und sich auf Europa zuzubewegen, als ein Vertrag mit Frankreich unterzeichnet wurde, der sich in erster Linie gegen das Habsburgreich, den gemeinsamen Gegner in Zentraleuropa richtete. In der Blütezeit des Osmanischen Reiches konnte jedoch keinesfalls von einer Suche nach europäischen Modellen die Rede sein, denn die osmanischen Türken betrachteten sich als kulturell und zivilisatorisch gegenüber dem christlichen Europa überlegen. Doch zu Beginn des 17.Jahrhunderts begann sich die osmanisch-türkische Vormachtstellung zu relativieren. Als das Osmanische Reich dann 1768 in Folge des türkisch-russischen Krieges große Gebietsverluste auf dem Balkan und im Kaukasus hinnehmen musste, war diese Vormachtstellung in der Europapolitik endgültig verloren. Grund hierfür war die mangelnde militärische Konkurrenzfähigkeit des Osmanischen Reiches gegenüber den anderen europäischen Großmächten, die auf die abendländischen Fortschritte im Bereich Wissenschaft und Technik zurückzuführen war.
1. Ziel und Aufbau der Arbeit: Einführung in die Zielsetzung, die methodische Vorgehensweise und den Aufbau der Untersuchung des wissenschaftlichen und medialen Diskurses.
2. Die Türkei – Ein Kurzüberblick: Historischer Überblick über die Geostrategie, die Wurzeln der Westorientierung sowie die Entwicklung vom Osmanischen Reich zur modernen Türkischen Republik.
3. Die Entwicklung des institutionellen Anschlusses der Türkei an die Europäische Union: Detaillierte Nachzeichnung der vertraglichen Beziehungen von den Anfängen bis zur Erlangung des Beitrittskandidatenstatus.
4. Europäische Perspektiven – Chancen und Risiken für die EU im Falle eines EU-Beitritts der Türkei: Vertiefende wissenschaftliche Analyse der geopolitischen, institutionellen, ökonomischen, geographischen und kulturellen Argumente.
5. Türkische Perspektiven – Chancen und Risiken für die Türkei im Falle eines EU-Beitritts: Untersuchung der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen aus Sicht der Türkei.
6. Die Debatte um den EU-Beitritt der Türkei in den deutschen Medien: Methodische Erläuterung der Diskursanalyse und Vorstellung der Ergebnisse anhand von Zeitungsbeiträgen.
7. Vergleich und Bewertung des wissenschaftlichen Diskurses mit der in den Medien geführten Debatte: Synoptische Gegenüberstellung der Ergebnisse und kritische Bewertung der medialen Darstellung.
8. Schlussbemerkung: Zusammenfassende Einordnung der Debatte in den Kontext der Finalität der Europäischen Union.
Türkei, Europäische Union, EU-Beitritt, Diskursanalyse, Medienberichterstattung, Geopolitik, Europäische Identität, Zollunion, Beitrittsverhandlungen, Beitrittskriterien, kulturelle Dimension, politische Kultur, Migration, Integrationsmodelle, Westorientierung.
Die Arbeit untersucht, wie ein möglicher EU-Beitritt der Türkei sowohl in der wissenschaftlichen Fachdiskussion als auch in deutschen Printmedien thematisiert wird.
Zu den Schwerpunkten gehören geopolitische und geostrategische Interessen, die institutionelle Einbindung, ökonomische Auswirkungen sowie Identitäts- und kulturelle Fragen.
Das Ziel ist es zu ermitteln, ob Wissenschaft und Medien ähnliche Argumentationsmuster nutzen oder ob die mediale Debatte durch Vereinfachungen und Vorurteile geprägt ist.
Die Autorin nutzt eine wissenssoziologische Diskursanalyse in Kombination mit Elementen der Medieninhaltsanalyse, insbesondere der Frame-Analyse.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Analyse der Pro- und Contra-Argumente sowie eine empirische Untersuchung von Zeitungsartikeln zu bestimmten Zeiträumen.
Wichtige Begriffe sind unter anderem die Zollunion, die Kopenhagener Kriterien, der Status als Beitrittskandidat, die Frage der "europäischen Identität" und die verschiedenen Integrationsmodelle.
Das Militär wird einerseits als Garant für die säkulare Grundordnung der Republik gesehen, andererseits aber auch als Reformbarriere für eine tiefgreifende Demokratisierung nach EU-Maßstäben kritisiert.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Medien oft verkürzte, wertende Statements bevorzugen, während die wissenschaftliche Diskussion Themen aus verschiedenen Perspektiven differenzierter hinterfragt.
Die Türkei wird oft als geographisches und strategisches Bindeglied zum Nahen Osten gesehen, wobei Befürworter dies als Chance zur Stabilisierung und Gegner als Sicherheitsrisiko durch Krisenregionen interpretieren.
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