Bachelorarbeit, 2018
38 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Sigmund Freud und Lou Andreas-Salomé
3 Die Religionskritik Sigmund Freuds
3.1 Die Analogie der Religion mit der Zwangsneurose
3.2 Darstellung der wichtigsten Thesen aus ,Die Zukunft einer Illusion‘
3.2.1. Jede Kultur beruht auf Arbeitszwang und Triebverzicht.
3.2.2. Angst und Unzufriedenheit sind die Ursprünge der Religion.
3.2.3. Religiöse Vorstellungen sind Illusionen.
3.2.4. Rationalität sollte das Fundament der Kultur sein.
4 Die Religionskritik Lou Andreas-Salomés
4.1 Darstellung der Religion
4.2 Drei Stufen des religiösen Prozesses
4.2.1 Erste Stufe: Ursprüngliche Gottesbildung
4.2.2 Zweite Stufe: Gottesentfremdung
4.2.3 Dritte Stufe: Religiöse Wiederbelebung
4.2.4 Die Darstellung der 3 Stufen anhand von Kunos Leben im Roman ,Im Kampf um Gott‘
5 Vergleich beider Ansichten
5.1 Religionsbegriff
5.2 Die Zukunft der Religion
6 Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht vergleichend die Religionskritik von Sigmund Freud und Lou Andreas-Salomé, um herauszuarbeiten, inwiefern sich ihre Ansichten über die Zukunft der Religion unterscheiden und ob Andreas-Salomé einen erweiterten Religionsbegriff anbietet, der eine dauerhafte Relevanz von Religiosität ermöglicht.
3.1 Die Analogie der Religion mit der Zwangsneurose
Freud sieht eine Ähnlichkeit zwischen den Handlungen, mit denen Gläubige ihre Frömmigkeit bezeugen, und den Ritualen, die Zwangsneurotiker befolgen. Dieses „neurotische Zeremoniell besteht in kleinen Verrichtungen, Zutaten, Einschränkungen, Anordnungen, die bei gewissen Handlungen des täglichen Lebens in immer gleicher oder gesetzmäßig abgeänderter Weise vollzogen werden“ und beim Unterlassen zu einer Angst bei dem Kranken führen, solange er dieses Zeremoniell nicht nachholt. Die Ähnlichkeit zwischen den „heiligen Handlungen des religiösen Ritus“ und dem „neurotischen Zeremoniell“ liege in der Angst bei der Unterlassung ebendieser Handlungen, in dem Verbot, sich bei diesen Handlungen durch etwas Anderes stören zu lassen und in der Gewissenhaftigkeit bei der Ausführung. Eine weitere Gemeinsamkeit liege darin, dass sowohl die neurotische als auch die religiöse Zwangshandlung dem Ausdruck „unbewußte[r] Motive und Vorstellungen“ diene; der symbolische Sinn der Religionsübung sei meist, wenn überhaupt, nur den Priestern und Forschern bekannt, die „Motive, die zur Religionsübung drängen sind aber allen Gläubigen unbekannt oder werden in ihrem Bewußtsein durch vorgeschobene Motive vertreten“.
Freud selbst gibt jedoch zu, dass die Ähnlichkeit der beiden nur oberflächlich ist, da einige Unterschiede so groß seien, dass sie den Vergleich gotteslästerlich werden ließen. Different seien zum Beispiel die individuelle Variationsbreite der Zeremoniellhandlungen, die „Öffentlichkeit und Gemeinsamkeit der Religionsübung“ im Gegensatz zum Privaten des Zwangsrituals, vor allem aber der Unterschied, „dass die kleinen Zutaten des religiösen Zeremoniells sinnvoll und symbolisch gemeint sind, während die des neurotischen läppisch und sinnlos erscheinen“. Wenn man jedoch mit Hilfe der Psychoanalyse diese kleinen Zwangshandlungen der Neurose untersuche, erfahre man, dass sie sehr wohl für den Neurotiker selbst in allen ihren Einzelheiten sinnvoll und für den Psychoanalytiker deutbar seien.
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Zielsetzung der Arbeit dar, das Ziel der Befreiung des Menschen durch Wissenschaft bei Freud gegen den erweiterten Religionsbegriff bei Andreas-Salomé zu stellen.
2 Sigmund Freud und Lou Andreas-Salomé: Dieser Abschnitt erläutert das erste Zusammentreffen und die darauf folgende tiefgehende intellektuelle Freundschaft zwischen Freud und Andreas-Salomé.
3 Die Religionskritik Sigmund Freuds: Das Kapitel befasst sich mit Freuds Ansätzen, Religion als universelle Zwangsneurose und Illusion zu dekonstruieren, die auf Triebverzicht und Angst gründet.
4 Die Religionskritik Lou Andreas-Salomés: Hier wird der von Andreas-Salomé entwickelte Prozess der Religion in drei Stufen dargestellt, der von der kindlichen Gottesbildung zur individuellen Lebenszuversicht führt.
5 Vergleich beider Ansichten: In diesem Kapitel werden die unterschiedlichen Religionsbegriffe gegenübergestellt und erörtert, welche Zukunftsperspektiven sich für das Religiöse ergeben.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass beide zwar die traditionellen Gottesfiguren als überflüssig ansehen, jedoch in der individuellen Sinnfindung unterschiedliche Wege sehen.
Sigmund Freud, Lou Andreas-Salomé, Religionskritik, Psychoanalyse, Illusion, Zwangsneurose, Triebverzicht, Gottesbildung, Gottesentfremdung, Lebenszuversicht, Kuno, Im Kampf um Gott, Die Zukunft einer Illusion, Rationalität, Religiosität
Die Arbeit untersucht vergleichend die Religionskritik von Sigmund Freud und Lou Andreas-Salomé mit Fokus auf die Frage, wie sich ihre Sichtweisen zur Zukunft von Religion unterscheiden.
Zentrale Themen sind die psychoanalytische Deutung von Religion, die Auseinandersetzung mit Kultur und Triebverzicht sowie die Entwicklung individueller Gottesvorstellungen.
Die Arbeit fragt danach, inwiefern sich die Ansichten der beiden Psychoanalytiker hinsichtlich der Zukunft von Religion unterscheiden und ob Andreas-Salomé ein zukunftsfähigeres, erweitertes Konzept von Religiosität vorschlägt.
Es handelt sich um eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, die primär psychoanalytische Texte von Freud sowie fachliche und literarische Schriften von Andreas-Salomé auswertet.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Religionskritik Freuds (einschließlich seiner Thesen zu Kultur und Neurose) und der Religionskritik Andreas-Salomés (einschließlich ihres Stufenmodells und der literarischen Veranschaulichung).
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Illusion", "Zwangsneurose", "Stufenmodell des religiösen Prozesses" und "individuelle Lebenszuversicht" charakterisiert.
Während Freud Religion primär als eine durch Wissenschaft zu überwindende kollektive Illusion betrachtet, sieht Andreas-Salomé darin einen psychologischen Entwicklungsprozess, der in eine individuelle, vom Individuum selbst gestaltete Lebenssinngebung münden kann.
Das Kindheitserlebnis ist entscheidend, da das Kind sich eine eigene, omnipotente Gottesfigur schafft, deren spätere Entfremdung und mögliche Wiederbelebung das Fundament für Andreas-Salomés Stufenmodell bilden.
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