Magisterarbeit, 2007
142 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Der Verbmodus Imperativ
2.1 Was ist ein Verbmodus?
2.1.1 Die Geschichte des Modusbegriffs
2.1.2 Problematik der Definition
2.1.3 Modus und Modalität
2.2 Verbmodus und Illokution
2.2.1 Der lateinische ‚modus imperandi’
2.2.2 Semantisierung des Imperativbegriffs
2.2.3 Die illokutionäre Kraft des Imperativs
2.2.4 Imperativ und performatives Verb
2.2.5 Der Imperativ in der generativen Grammatik
2.3 Modus ohne Modalität?
2.3.1 Das Kriterium der Aktualisierung
2.3.2 Die Funktionen der Sprache
2.4 Verbmodus vs. Satzmodus
2.4.1 Der Imperativ als Satzart
2.4.2 Satz, Äußerung und Kommunikative Minimaleinheit
2.4.3 Vom Satz zum Verb und wieder zurück
2.4.4 Eine moderne Theorie des Satzmodus
2.4.5 Die Formseite der Satzmodi
2.4.6 Die Funktionstypen: Bindeglieder zur illokutionären Kraft
2.5 Syntaktische Eigenschaften des Imperativs
2.5.1 Das semantische Subjekt
2.5.2 Fakultativität des Subjektpronomens
2.5.3 Bevorzugte Anfangsstellung
2.5.4 Beschränkung auf die direkte Rede
2.5.5 Tempus und Aspekt
2.6 Das Funktionsspektrum des Imperativs
2.6.1 Die Aufforderung und verwandte Funktionen
2.6.2 Die Wunschfunktion
2.6.3 Konditionaler/ konzessiver Imperativ
2.6.4 Narrativer Imperativ
2.6.5 Phatischer Imperativ
2.6.6 Der Imperativ in der Wortbildung
2.6.7 Zusammenfassung
2.6.8 Versuche einer Grundwertbestimmung
3 Der Imperativ im gesprochenen Italienisch
3.1 Das Imperativparadigma im Italienischen
3.1.1 Die Formen des Paradigmas
3.1.1.1 Der Imperativ der 2. Person
3.1.1.2 Die Höflichkeitsform
3.1.1.3 Der Adhortativ
3.1.2 Der negierte Imperativ
3.1.3 Syntax
3.1.3.1 Subjektpronomen
3.1.3.2 Position der Klitika
3.1.3.3 Beschränkung auf den Hauptsatz
3.2 Gesprochene Sprache und Intonation
3.2.1 Was ist Intonation?
3.2.2 Funktionen der Intonation
3.2.3 Intonation und Informationsstruktur
3.2.4 Die Intonationsstruktur des Imperativs
3.3 Empirische Analyse
3.3.1 Das Korpus: C-ORAL ROM
3.3.2 Die Teoria della lingua in atto
3.3.2.1 Sprechakt und Illokution
3.3.2.2 Arten von Informationseinheiten
3.3.3 Methodisches Vorgehen
3.4 ‚Fallstudien’
3.4.1 Quantitative Erhebungen
3.4.2 Imperative in comment
3.4.2.1 Imperative in anderen Informationseinheiten
3.4.2.2 Negierte Imperative
3.4.2.3 Imperative im Plural
3.4.2.4 Die Höflichkeitsform
3.4.2.5 Adhortative
3.4.3 Verben der Perzeption
3.4.3.1 guarda
3.4.3.2 vedi
3.4.3.3 senti
3.4.3.4 ascolta
3.4.4 Verben der kognitiven Aktivität
3.4.4.1 figurati
3.4.4.2 pensa, fai conto, bada
3.4.4.3 diciamo
3.4.5 Verben der Bewegung
3.4.5.1 vai
3.4.5.2 ven via
3.4.5.3 andiamo
3.4.6 Andere Imperativformen
3.4.6.1 scusa(mi)
3.4.6.2 aspetta
3.4.6.3 dai
3.4.6.4 tieni, toh, tranne
4 Ausblick: Was vom Imperativ übrig blieb
4.1 Phatische Imperativformen in der Literatur
4.1.1 Desemantisierung
4.1.2 Diskurssignale
4.1.3 Abtönung
4.1.4 Entwicklung prozeduraler Routinen
4.2 Funktional-pragmatische Analyse
4.2.1 Emotiv, phatisch, konativ
4.2.2 Der Imperativ als expeditive Prozedur
4.2.2.1 Interjektionen
4.2.2.2 Vokativ
4.2.2.3 Exklamation
4.2.2.4 Emphase und Intonation
4.2.2.5 Der phatische Imperativ im expeditiven Feld
5 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verwendung des Imperativs im gesprochenen Italienisch und dessen semantische sowie pragmatische Eigenschaften. Dabei wird analysiert, wie sich der Imperativ über seine traditionelle Funktion als Verbmodus hinaus in informellen Verwendungssituationen als Diskurssignal oder Interjektion weiterentwickeln kann, wobei ein besonderer Fokus auf der empirischen Korpusanalyse liegt.
2.5.1 Das semantische Subjekt
Wie bereits oben (Kap. 2.4.5) angedeutet, ist der Verbmodus Imperativ (2.Ps.Sg. und Pl.) – ebenso wie die funktional verwandten Formen – eine adressatenorientierte Kategorie, d.h. er richtet sich immer an ein semantisches Subjekt der 2. Person. Dieses kann morphologisch aber auch durch die 3. Person realisiert sein, wie etwa im Falle der deutschen und italienischen Höflichkeitsformen oder verallgemeinernd im Spanischen und Portugiesischen (insbesondere Lateinamerikas). Aufgrund der funktionalen Identität möchte ich dafür plädieren, das morphologische Imperativparadigma der 2.Ps.Sg. und Pl. auf die Formen der 3.Ps.Sg. und Pl. (wo diese tatsächlich den/ die Adressaten bezeichnen) auszuweiten, sowie bedingt auch auf die 1.Ps.Pl.
In jedem Fall bezeichnet das Subjekt den Adressaten; dies wird etwa am Gebrauch der reflexiven Verben deutlich:
(13) a. *Vergognami! oder *Schäm mich!
b. *Vergognateci! *Schämt uns!
sind schlichtweg ungrammatisch; möglich ist einzig c. Vergognati!, Schäm dich! d. Vergognatevi! oder Schämt euch! e. Si vergogni! Schämen Sie sich!
Entsprechend steht auch das Subjektspronomen – wenn es denn auftritt – in der 2. (bzw. 3.) Person, wie in it. Tu vergognati! ‚Du schäm dich!’ sp. ¡Vayan ustedes! ‚Geht/ Gehen Sie (Pl.)’ oder dt. Komm dù mir ja nicht zu nahe! (Donhauser 1986: 113).
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Rolle des Imperativs als Diskursphänomen ein und skizziert die methodische Vorgehensweise bei der Untersuchung seiner semantischen Ausbleichung.
2 Der Verbmodus Imperativ: Dieses Kapitel behandelt die theoretischen Grundlagen des Imperativs, einschließlich seiner Definition als Verbmodus, seiner syntaktischen Eigenschaften und seines Funktionsspektrums.
3 Der Imperativ im gesprochenen Italienisch: Hier erfolgt die empirische Analyse anhand des Korpus C-ORAL ROM, wobei das Paradigma, die Intonation und spezifische Fallstudien zu verschiedenen Verbklassen im Zentrum stehen.
4 Ausblick: Was vom Imperativ übrig blieb: Dieses Kapitel diskutiert die Ergebnisse unter funktional-pragmatischen Aspekten und analysiert die Entwicklung des Imperativs zu phatischen Formen und Diskurssignalen.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und ordnet den Imperativ als Element des expeditiven Feldes ein.
Imperativ, Italienisch, gesprochene Sprache, Pragmatik, Diskursphänomen, Illokution, Modalität, Sprachanalyse, Korpuslinguistik, Diskurssignale, Interjektionen, Syntax, Intonation, C-ORAL ROM, Funktionalpragmatik.
Die Arbeit untersucht die Verwendung und Funktion des Imperativs im gesprochenen Italienisch, insbesondere unter dem Aspekt, wie er sich von einer klassischen Befehlsform zu einem funktionalen Element der zwischenmenschlichen Kommunikation (wie Diskurssignalen) wandelt.
Die zentralen Themen sind das Imperativparadigma, die Abgrenzung von Verbmodus und Illokution, die Bedeutung der Intonation in gesprochener Sprache sowie die pragmatische Funktion von Imperativformen als Diskurssignale.
Das Ziel ist es, den Imperativ im gesprochenen Italienisch systematisch zu analysieren und einen möglichen pragmatischen Grundwert zu definieren, der auch dann erhalten bleibt, wenn die ursprüngliche Verbbedeutung „ausbleicht“.
Es handelt sich um eine linguistische Analyse, die eine theoretische Fundierung (u.a. Sprechakttheorie, Funktionalpragmatik) mit einer empirischen Auswertung eines modernen Korpus (C-ORAL ROM) verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung des Verbmodus Imperativ und eine empirische Analyse von Fallstudien, in denen konkrete Imperativformen in unterschiedlichen Kommunikationssituationen untersucht werden.
Wichtige Begriffe sind Imperativ, Pragmatik, gesprochene Sprache, Diskursphänomen, Illokution, Intonation, Diskurssignale und C-ORAL ROM.
Während ein klassischer Befehl eine Handlung des Hörers in der Welt erzwingen will, dient der phatische Imperativ – wie „guarda“ oder „senti“ – eher der Steuerung der Aufmerksamkeit, dem Beziehungsaufbau oder dem reinen Strukturieren des Diskurses, wobei sein semantischer Gehalt weitgehend verblasst ist.
In der Feldtheorie der Funktionalpragmatik bezeichnet dies, dass der Imperativ dazu dient, einen „direkten Draht“ zum Hörer herzustellen und dessen Handlungsplanung unmittelbar zu beeinflussen, ohne zwingend eine explizite Aufforderung zu beinhalten.
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