Bachelorarbeit, 2018
39 Seiten, Note: 1,3
1. Hysterie – Zeichen des Zeitgeistes oder Zivilisationskrankheit
2. Weibliche Hysterie am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts
2.1 Zeitkontext
2.2 Freuds Hysteriebegriff
2.2 Hysterische Symptome – ein Überblick
3. Hysterie in „Cécile“ und „Fräulein Else“
3.1. Cécile
3.1.1 Von der vermeintlichen Genesung zum Selbstmord
3.1.2 Der Umgang anderer Figuren mit Céciles Leiden
3.2. Fräulein Else
3.2.1 Elses Hysterische Merkmale
3.2.2 Die Anziehungskraft weiblicher Schwäche: Reaktionen anderer Figuren auf Elses hysterische Symptome
4. Gesellschaftliche Anforderungen als Auslöser der Hysterie von Cécile und Else
4.1 Eingeschränkte Bildungsmöglichkeiten als Auslöser weiblicher Hysterie
4.2 Anforderungen in Paarbeziehungen
4.2.1 Die Frau als Kapital und Statussymbol
4.2.2 Sexuelle Anforderungen
4.3 Anforderungen von Frauen an Frauen
4.4 Erwartungen an die eigene Person
5. Vergleich zentraler Aspekte, welche Elses und Céciles Hysterie bedingen
6. Hysterie in der modernen Gesellschaft
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, inwieweit gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Erwartungshaltungen am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts bei den Protagonistinnen von Theodor Fontanes „Cécile“ und Arthur Schnitzlers „Fräulein Else“ zur Ausbildung hysterischer Symptome beitragen und letztlich in deren Selbstmord münden.
3.1.2 Der Umgang anderer Figuren mit Céciles Leiden
Eigentlich sollte Cécile sich auf dem Weg der Genesung befinden – dies wird zu Beginn der Romanhandlung klar ausgedrückt – aber sie erleidet immer wieder Rückfälle. Diese sind womöglich auf falsche Behandlung durch ihr Umfeld zurückzuführen. Denn obwohl Cécile im Laufe des Geschehens öfter darauf hinweist, dass es ihr unangenehm ist, wenn ihre Krankheit ins Zentrum des Interesses rückt, beeinflusst das Leiden der Dame ihre Umgebung.
St. Arnaud begleitet beispielsweise seine Frau auf Kur ins Mittelgebirge. Von Céciles Zustand vor diesem Urlaub erfährt der Leser nichts, doch die Symptome müssen gravierend genug gewesen sein, um den Oberst zu dem Entschluss zu bewegen, in den Hartz zu fahren. Während ihr Mann sonst oft vernachlässigt, erhält Cécile bei ihren Schwächeanfällen seine volle Aufmerksamkeit. In diesem Fall gelingt es Cécile also, durch ihr Leiden eine Reaktion auszulösen. Heilung erlangt sie dadurch jedoch nicht, obwohl ihr Mann sie nach bestem Gewissen der „richtigen Luft“ zuführt, wie oben ausgeführt wurde.
Auch Hofprediger Dörffler scheint sicher, das richtige Therapiemittel zu besitzen: „Der Hofprediger[…] wußte, daß ihr, wenn diese hysterische Paroxysmen kamen, einzig und allein durch ein Ab- und Überleiten auf andere Dinge hin und, wenn auch das nicht half, lediglich durch eine fast rücksichtslose Herbheit zu helfen war.“ Doch dies kann nur eine kurzzeitige Heilung sein; die Worte lassen darauf schließen, dass er derartige Aussetzer schon öfter erlebt hat. Auch hier erhält Cécile folglich eine Reaktion, aber keine Lösung.
1. Hysterie – Zeichen des Zeitgeistes oder Zivilisationskrankheit: Einführung in den historischen Hysterie-Diskurs um 1900 und die Verbindung zu modernen psychischen Erkrankungen.
2. Weibliche Hysterie am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts: Beleuchtung des Zeitkontexts, der Freudschen Psychoanalyse und ein Überblick über symptomatische Erscheinungsformen der Hysterie.
3. Hysterie in „Cécile“ und „Fräulein Else“: Detaillierte Analyse der Krankheitsbilder und Reaktionen des sozialen Umfelds bei den beiden literarischen Protagonistinnen.
4. Gesellschaftliche Anforderungen als Auslöser der Hysterie von Cécile und Else: Untersuchung soziologischer Faktoren wie Bildung, Paarbeziehungen, weibliche Netzwerke und individuelle Selbstansprüche als Krankheitsursachen.
5. Vergleich zentraler Aspekte, welche Elses und Céciles Hysterie bedingen: Synthese der Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Schicksalen beider Figuren unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Wandlungsprozesse.
6. Hysterie in der modernen Gesellschaft: Kritische Reflexion über die heutige Bedeutung psychischer Erkrankungen und die Relevanz der untersuchten sozialen Ausgrenzungsmechanismen.
Hysterie, Cécile, Fräulein Else, Theodor Fontane, Arthur Schnitzler, Sigmund Freud, Weiblichkeit, Gesellschaftskritik, Zivilisationskrankheit, Identitätsbildung, Geschlechterrollen, Psychoneurose, 19. Jahrhundert, Jahrhundertwende, Selbstmord.
Die Arbeit analysiert das Phänomen der weiblichen Hysterie in der Literatur des Fin de Siècle anhand der Romane „Cécile“ und „Fräulein Else“.
Im Zentrum stehen die Interaktion zwischen individueller psychischer Verfassung, gesellschaftlichen Erwartungen an die Frau und die Wirkmacht männlicher Projektionen.
Es soll geklärt werden, inwiefern gesellschaftliche Faktoren und Anforderungen des Soziallebens zur Entstehung der hysterischen Symptome bei den Protagonistinnen beitragen.
Die Autorin verwendet einen literaturwissenschaftlichen Ansatz, der soziologische Analysen mit psychoanalytischen Theorien, insbesondere jenen von Sigmund Freud, verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Textanalyse der Symptome, eine Untersuchung des sozialen Umfelds und eine kritische Auseinandersetzung mit Bildung und Geschlechterbeziehungen.
Hysterie, Weiblichkeit, Geschlechterrollen, gesellschaftliche Zwänge und Identitätsbildung sind die zentralen Begriffe der Arbeit.
Während Cécile bei ihren Geschlechtsgenossinnen Unterstützung erfährt, zeichnet der Roman bei Else eine Gesellschaft, die die Kranke isoliert.
Die Arbeit zeigt, dass die Hysterie-Diagnose der Zeit untrennbar mit der Tabuisierung und gleichzeitig der Übersexualisierung der Frau durch männliche Akteure verbunden war.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die gesellschaftlichen Strukturen, in denen sich die Frauen bewegen, keine Heilung zulassen, was letztlich in den Suizid der Protagonistinnen führt.
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